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Reichtum

Themenpapiere der Fraktion

Reichtum im Sinne von großen Geldvermögen, Unternehmensbesitz und entsprechender Macht haben in Deutschland nur sehr kleine Gruppen. Die ärmere Bevölkerungshälfte (34,5 Millionen Personen über 16 Jahre) besitzt im Durchschnitt pro Kopf gerade mal 3.000 Euro. Das reichste 1 Prozent (690.000 Personen) verfügt dagegen über durchschnittlich 3,75 Millionen Euro pro Kopf. Folglich ist das reichste 1 Prozent der Bevölkerung durchschnittlich 1.250 Mal vermögender als die Personen, die zur ärmeren Bevölkerungshälfte zählen. Das reichste 1 Prozent besitzt 36 Prozent des Gesamtvermögens in Deutschland.

Die Ungleichheit der Einkommen ist im Trend der vergangenen 15 Jahren erheblich gestiegen. Während Einkünfte aus Kapital und Vermögen deutlich zunahmen, gab es bei den Reallöhnen durchschnittlich keinerlei Steigerung – insgesamt sogar ein Minus während dieses Zeitraums. Wachsender Niedriglohnsektor, weniger Vollzeitarbeitsplätze, kaum noch Aufstiegsmobilität und höhere Armutsquote, insbesondere bei Arbeitslosen, Alleinerziehenden und Kindern – das war und ist die Realität in Deutschland. Die Hartz-Gesetze, die Agenda 2010 und eine Steuergesetzgebung, die hohe Einkommen besonders entlastet, haben die Gegensätze zwischen Arm und Reich deutlich vertieft und die Löhne von abhängig Beschäftigten gedrückt.

Krasse Ungleichheit hat Auswirkungen auf nahezu alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens. Ungleichheit der Eigentumsverhältnisse ist der entscheidende Faktor, der auch andere, nicht-finanzielle Ungleichheiten verschärft. Wenn Arm und Reich finanziell auseinanderdriften, dann wachsen auch die Ungleichheiten der Lebenserwartung, der Gesundheit, der Bildung, des Schutzes vor Gewalt, der Teilhabe an der gesellschaftlichen Willensbildung und vieler anderer Aspekte der Wirklichkeit. Eine starke Konzentration von Reichtum bei kleinen und mächtigen Gruppen ist letztlich eine Gefährdung der Demokratie.

Künftig wird besonders wichtig sein, dass sich möglichst viele Menschen an der ökologischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv beteiligen können. Wer den zivilisatorischen Fortschritt will, muss aber auch für Angstfreiheit im Wandel sorgen. Je gerechter der materielle Wohlstand verteilt ist und je mehr Menschen an ihm partizipieren können, desto stärker wird die Bereitschaft, den notwendigen Umbau mit voran zu treiben. In diesem Sinne bedarf es einer deutlichen Reduktion von Ungleichheit und – angesichts der realen Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen – einer kräftigen Umverteilung von oben nach unten.

Wirksame Mittel, um Ungleichheiten zu reduzieren, sind unter anderem eine deutliche Erhöhung der Erbschaftsteuer, eine wirksamere und höhere Besteuerung von Vermögen und von Vermögenseinkommen, eine Steuer auf Finanztransaktionen und – nicht zuletzt – eine deutlich geringere Spreizungen der Einkommen. Auch ein handlungsfähiger Sozialstaat ist in der Lage, zu einer gerechteren Verteilung von Einkommen und Vermögen beizutragen.

 

 

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