Schließen

Skip to main content

Prekäre Beschäftigung

Themenpapiere der Fraktion

Wer heute einen Job sucht, findet häufig keine feste und gut bezahlte Arbeitsstelle, sondern nur eine prekäre Beschäftigung. Prekär bedeutet, man wird schlecht entlohnt, hat kaum Arbeitnehmerschutz und wenig berufliche Perspektiven. Immer mehr Menschen müssen sich mit einem Minijob, einem befristeten Arbeitsvertrag, einem Leih- oder einem Teilzeitarbeitsverhältnis zufrieden geben. In den 1990er Jahren war nur jeder fünfte Arbeitnehmer in einem solchen atypischen Beschäftigungsverhältnis, heute ist es bereits jeder dritte.

Prekäre Beschäftigung wird zumeist niedrig entlohnt. Mehr als 80 Prozent der Minijobs liegen unterhalb der Niedriglohngrenze von 9,15 Euro, rund 41 Prozent der Befristeten ebenso. Bei den Leiharbeitern liegt der Niedriglohnanteil bei über 70 Prozent. Frauen sind besonders häufig von prekärer Beschäftigung betroffen. Nur 45 Prozent der Frauen arbeiten in einem normalen Arbeitsverhältnis. Auch Jugendliche sind zunehmend Opfer dieser Entwicklung. 32 Prozent der unter 35jährigen haben einen unsicheren Job in Form von Befristungen oder Leiharbeit.

Dass es immer mehr prekäre Arbeit gibt, ist nicht naturgegeben. Die Regierungen Schröder und Merkel haben sie im Gegenteil gezielt gefördert. Prekäre Arbeit ist fester Bestandteil einer arbeitsmarktpolitischen Strategie, die das Prinzip „jede Arbeit ist besser als keine“ in den Mittelpunkt stellt. Arbeit um jeden Preis, ohne Rücksicht auf die Folgen für die Beschäftigten und die Gesellschaft. Die Folgen sind aber verheerend. Die Löhne sinken, Armut trotz Arbeit und Unsicherheit sind weit verbreitet. Die Sozialversicherungen leiden unter prekärer Beschäftigung, da ihre Einnahmen wegen der niedrigen Löhne zurückgehen. Die Qualität von Arbeit wird schlechter und Unsicherheit nimmt zu.

DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass prekäre Beschäftigung abgebaut und Existenz sichernde Arbeit aufgebaut wird. Wer arbeitet, muss davon leben und sicher in die Zukunft blicken können sowie arbeitsrechtlich abgesichert sein. Außerdem ist es wichtig, dass die Beschäftigten mitbestimmen können und ihre Arbeit sie nicht krank macht.

Die Fraktion DIE LINKE fordert, dass prekäre Beschäftigung eingedämmt wird. Minijobs dürfen nicht mehr gefördert werden. Jede Stunde Arbeit muss der vollen Sozialversicherungs- und Steuerpflicht unterliegen. In der Leiharbeit muss als Sofortmaßnahme das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ab dem ersten Einsatztag ohne Ausnahme gelten, langfristig muss Leiharbeit verboten werden. Auch die Möglichkeiten, einen Arbeitsvertrag zu befristen, müssen deutlich eingeschränkt werden, damit der unbefristete Arbeitsvertrag wieder die Regel wird. Nicht zuletzt ist ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 10 Euro pro Stunde notwendig.