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Medizinische Versorgung/Bedarfsplanung

Themenpapiere der Fraktion

In Deutschland gibt es keinen generellen Ärztemangel. Seit Anfang der 1990er Jahre, als sich die Debatte um eine „Ärzteschwemme“ drehte, ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte nochmals um rund die Hälfte gewachsen. Es stehen insgesamt mehr Ärztinnen und Ärzte pro Einwohner zur Verfügung als jemals zuvor.

Dass trotzdem viele Menschen die Erfahrung einer schlechten Gesundheitsversorgung machen, liegt an der ungleichen Verteilung. Viele Ärztinnen und Ärzte konzentrieren sich in Regionen mit einer wohlhabenden Bevölkerung und einem höheren Anteil an privat Versicherten. Ländliche Gebiete und soziale Brennpunkte in der Stadt sind häufig von einer unterdurchschnittlichen Versorgung betroffen. Die Entwicklung der Altersstruktur sowohl der Bevölkerung wie auch der Ärztinnen und Ärzte lassen befürchten, dass in einzelnen ärztlichen Fachgruppen die flächendeckende ambulante Versorgung zunehmend gefährdet ist. In dünn besiedelten Gebieten sind die Gesundheitsangebote aufgrund langer Anfahrtswege und häufig mangelhafter Infrastruktur schlecht zu erreichen.

Die Ursachen liegen nicht nur in den Verdienstmöglichkeiten für die Ärztinnen und Ärzte, sondern ebenso in der sozialen Infrastruktur und dem kulturellen Angebot des jeweiligen Lebensumfeldes. Das Angebot an Gesundheitsleistung ist daher durch Maßnahmen zu ergänzen, die das Leben in strukturschwachen Gebieten aufwerten.

Während Schwarz-Gelb, aber auch die SPD versuchen, das Problem mit steigenden Honoraren in den Griff zu bekommen, geht die LINKE die strukturellen Ursachen an. Mit der Einführung der bis heute gültigen vertragsärztlichen Bedarfsplanung Anfang der 90er-Jahre wurde der damalige Stand fest- und fortgeschrieben, ohne jemals den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. Die daraus abgeleiteten Zahlen bilden nicht den tatsächlichen Bedarf ambulanter ärztlicher Leistungen ab.
Die Fraktion DIE LINKE hat ein Konzept zur Weiterentwicklung der ärztlichen Bedarfsplanung vorgelegt. Der Versorgungsbedarf muss durch eine fundierte wissenschaftliche Basis ermittelt werden. Dabei werden Morbidität, Mobilität. Handicaps, Geschlechterverteilung sowie die Altersstruktur von Versicherten einbezogen. Berücksichtigt werden auch die Leistungserbringer sowie die regionale Infrastruktur und soziale Entwicklung. Die Bedarfsplanung muss alle Bereiche der Gesundheitsversorgung umfassen, also auch Physiotherapie, Psychotherapie und andere Heilberufe. Die ambulante und stationäre wie auch die pflegerische Versorgung muss sektorenübergreifend geplant werden.

In dünn besiedelten Regionen sind Entfernungen und die teils schlechte Infrastruktur große Hindernisse für die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Die Linksfraktion schlägt daher vor, die Mobilität sowohl der Patientinnen und Patienten als auch der Leistungserbringerinnen und -erbringer zu erhöhen. So können fahrende, gut ausgestattete Praxen das Angebot zu den Menschen bringen. Umgekehrt können Shuttle-Services den Anfahrtsweg für Patientinnen und Patienten eines Dorfes effektiv erhöhen, so dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht von der Versorgung abgeschnitten sind.

Zur Sicherung der Versorgung müssen verstärkt Angestelltenverhältnisse ermöglicht werden und poliklinische Strukturen verbessert und ausgebaut werden. Um ärztliche Unterversorgung bekämpfen zu können, werden Zweigniederlassungen erleichtert und Ärztinnen und Ärzten beispielsweise eingerichtete Praxen an zentralen Orten tageweise zur Verfügung gestellt.
 

 

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