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Familie und Beruf, Vereinbarkeit von

Themenpapiere der Fraktion

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es in Deutschland nach wie vor schlecht bestellt. Vor allem im Westen fehlen noch massenhaft Betreuungsplätze für unter dreijährige Kinder. Der Ausbau von Ganztagsschulen kommt nur langsam voran. Familienfreundliche Arbeitszeiten sind in vielen Unternehmen ein Fremdwort. Prekäre Arbeitsverhältnisse und materielle Unsicherheit führen bei vielen Menschen dazu, dass sie ihren Wunsch nach Kindern nicht realisieren.

Besonders während der Pandemie hat sich gezeigt, dass die Sorgearbeit – Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen – immer noch überwiegend von Frauen übernommen wird. Frauen haben dadurch schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ein erhöhtes Armutsrisiko im Alter. Um eine partnerschaftliche Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit zu erreichen, sind weitere verbindliche Maßnahmen und Anreize notwendig. Dazu zählt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, die Übernahme von Sorgearbeit durch Väter bzw. den zweiten Elternteil zu fördern und die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dazu muss die Lohndiskriminierung von Frauen endlich beendet werden. Im Jahr 2020 haben Frauen 18 Prozent weniger verdient als Männer. Frauen sind überdurchschnittlich in schlechter bezahlten Branchen, wie dem Gesundheits- und Pflegebereich oder im Einzelhandel tätig. Sie halten die Gesellschaft am Laufen und sind gerade in der Pandemie einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Diese Berufe müssen endlich die Anerkennung erhalten, die sie benötigen und dazu sind höhere Löhne notwendig.

Ein stärkerer Einsatz von Arbeitgeber*innen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss verbindlich gesetzlich festgeschrieben werden. Stattdessen setzt die Bundesregierung weiterhin zu stark auf die Freiwilligkeit der Unternehmen mit Hilfe von unter anderem dem Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“. Die viel gerühmten Erfolge, dass über 7000 Unternehmen sich an diesem Programm beteiligen, sind nicht nachvollziehbar, da dies lediglich 0,2 Prozent der in Deutschland vorhandenen Unternehmen sind. Hier hat die Bundesregierung Chancen vertan, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weitervoranzutreiben. Während der Corona Krise hat sich nicht nur gezeigt, dass Kinderbetreuung und Vollzeit-Homeoffice nicht miteinander vereinbar sind, sondern auch, dass vor allem Familien mit niedrigen Einkommen und in systemrelevanten Berufen existenziell von der Krise bedroht sind. Arbeitsbedingungen müssen sich an den Bedürfnissen von Familien orientieren, nicht an den Profitinteressen der Unternehmen

Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört auch eine gute Infrastruktur für Kinderbetreuung und Pflege. Denn nur, wenn diese vorhanden ist, können Eltern überhaupt am Erwerbsleben teilhaben, ihren Lebensunterhalt verdienen und ausreichende eigenständige Sozialleistungsansprüche, z.B. für die Rente, aufbauen. Gerade für Alleinerziehende sind diese Strukturen besonders wichtig.

DIE LINKE fordert daher:

  • Die wöchentlich zulässige Höchstarbeitszeit in einem ersten Schritt im Arbeitszeitgesetz von derzeit 48 auf 40 Stunden zu senken.
  • einen Rechtsanspruch einzuführen auf vorübergehende Teilzeit, der ohne Ausnahmen allen Beschäftigten die Rückkehr zu ihrer vorherigen Arbeitszeit ermöglicht.
  • für Eltern und pflegende Angehörige einen besonderen Kündigungsschutz einzuführen, der bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres des Kindes bzw. bis zum Ende der Pflegesituation gilt.
  • ein Recht für Arbeitnehmer*innen im Falle der Krankheit ihrer Kinder zu stärken und ein Recht auf Freistellung von der Arbeitsleistung für jede Erkrankung des Kindes sowie die gesamte Dauer der Erkrankung einzuführen und dieses bis zum vollendeten 14. Lebensjahres des Kindes sicherzustellen.
  • Einen zusätzlichen Rechtsanspruch auf Elternschutz einzuführen, der eine bezahlte Freistellung von der Arbeitsleistung von zehn Arbeitstagen für den zweiten Elternteil oder für eine von der leiblichen Mutter benannte soziale Bezugsperson unmittelbar nach der Geburt des Kindes vorsieht.
  • Teilzeitausbildungen, ob in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildung bzw. im Studium an Hochschulen, die eine Vereinbarkeit mit Familie zulassen, sind als Alternativen zu Vollzeitausbildungen flächendeckend einzuführen und weiterzuentwickeln.

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