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S-Bahn-Krise und kein Ende

Pressemitteilung von Sabine Leidig,

„Die wirklich Verantwortlichen und die tatsächlichen Ursachen für das S-Bahn-Desaster in der deutschen Hauptstadt wurden wieder nicht oder nur am Rande angesprochen“, so Sabine Leidig anlässlich der heutigen Anhörung von Bahnchef Grube und Bundesverkehrsminister Ramsauer im Verkehrsausschuss und dem Bericht der Kanzlei Gleiss Lutz zur S-Bahn-Situation in Berlin. Die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

„Ohne Zweifel gibt es konstruktionsbedingte Ursachen, die mit fehlerhaften - nicht dauerfesten - Rädern und Bremsen zusammenhängen. Damit tragen die Hersteller eine Mitverantwortung. Es fehlen aber fast völlig die Hinweise auf weitere, wesentliche Ursachen des Fast-Zusammenbruchs des S-Bahnverkehrs im Sommer 2009. So ist die Zahl der Beschäftigten, vor allem im Bereich Wartung und Instandhaltung um ein Drittel reduziert worden. Ganze Instandhaltungswerke wurden geschlossen, während gleichzeitig die Wartungsintervalle verlängert worden sind. Für diese Maßnahmen war die Geschäftsführung der S-Bahn Berlin verantwortlich, die damit wiederum klare Vorgaben der Konzernspitze und der Muttergesellschaft DB Regio exekutierte.

Wenn die Bahnspitze den Herstellern den Schwarzen Peter zuschieben will, zeigt sie letztlich auf sich selbst. Denn Bahn-Aufsichtsrat Jürgen Großmann steht nicht nur dem RWE-Vorstand vor, sondern ist Privateigentümer der beiden in Europa führenden Radsatz- und Radwellenhersteller Bochumer Verein und RAFIL. Im Bericht zur S-Bahn-Situation in Berlin ist zu lesen, dass Hersteller der unzureichend ausgelegten Radscheiben der BR 481-S-Bahn-Züge die ″Radsatzfabrik Ilsenburg GmbH (RAFIL)″ ist. Tatsächlich wurde RAFIL 1991 von Radsatzhersteller VSG Vereinigte Schmiedewerke GmbH in Bochum (heute: Bochumer Verein) übernommen. Der Bochumer Verein wiederum wird vom Stahlkonzern Georgmarienhütte kontrolliert. Dieser befindet sich zu 100 Prozent in Privatbesitz von Jürgen Großmann.

Das heißt: Der Privateigentümer der Radsatz- und Radwellenhersteller Bochumer Verein und RAFIL ‚kontrolliert’ die Deutsche Bahn AG mit der S-Bahn Berlin als Tochter, die beide wiederum einen großen Teil ihres Umsatzes aus Großaufträgen für Radsatzwellen und Radscheiben, die bei der Bahn (ICE) und S-Bahn eingesetzt werden, generieren.“

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