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Pflege-Bahr nutzt den meisten Menschen nichts

Pressemitteilung von Harald Weinberg,

"Vom Abschluss einer Pflege-Bahr-Versicherung kann man nur abraten. Der Pflege-Bahr macht die Versicherungskonzerne reicher, verbessert aber die Pflege nicht. Bestenfalls nutzt er noch den Sozialhilfeträgern, die dann weniger Hilfe zur Pflege zuschießen müssen", kommentiert Harald Weinberg, Gesundheitsexperte der Fraktion DIE LINKE, die Zahlen über Abschlüsse des Pflege-Bahrs. Weinberg weiter:



"Die soziale Pflegeversicherung ist derzeit eine Teilkaskoversicherung. Wer in ein Pflegeheim muss, muss zusätzlich zu den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung etwa dieselbe Summe obendrauf selbst zahlen: In der Pflegestufe I sind es durchschnittlich 1.370 Euro, in der Pflegestufe II 1.556 Euro und in der Pflegestufe III 1.832 Euro. Wer das Geld nicht hat, der bekommt Hilfe zur Pflege vom Sozialamt. Der Pflege-Bahr bringt in Pflegestufe III nur 600 Euro und schließt damit nur ein Drittel der Deckungslücke. Durchschnittlich sind die Pflege-Bahr-Kunden heute 28 Jahre alt. Da die Verträge oftmals keine Anpassung an die Inflation vorsehen, kann man außerdem fragen, was diese 600 Euro wert sein werden, wenn man in 60 Jahren pflegebedürftig wird. Eine Kalkulation des Risikos über solche langen Zeiträume dürfte seriös nur schwer möglich sein. Die Versicherungen haben hierzu keine Erfahrungswerte. Deutliche Beitragssteigerungen im Laufe der Jahre wären die Folge, während die staatliche Förderung gleich bleibt. Wer dann kündigt, gibt seine Ansprüche auf. Und wenn tatsächlich mal ausgezahlt wird, dürfte sich in den meisten Fällen nur das Sozialamt freuen, dass es etwas weniger zuschießen muss.

Es ist nicht einzusehen, weshalb man das Lebensrisiko Pflegebedürftigkeit, die jeden treffen kann, in die Hände windiger Versicherungskonzerne legen sollte. Die einzige Lösung, wie man alle Menschen vor dem Pflegerisiko schützen kann, ist und bleibt die Stärkung der sozialen Pflegeversicherung. DIE LINKE fordert die Streichung des Pflege-Bahrs, den Ausgleich des in der sozialen Pflegeversicherung aufgelaufenen Realwertverlustes der Leistungen, Verbesserungen der Leistungen und langfristig, das Teilkaskoprinzip zu ersetzen. Dann gibt es auch keine Deckungslücke mehr. Die Finanzierung der Pflegeversicherung muss über das Prinzip der solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung sichergestellt werden."

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