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Keine Unterstützung für nationalistische Talaat Pascha-Kampagne

Pressemitteilung von Hüseyin Aydin,

Am 15. März 1921 wurde Talaat Pascha, als osmanischer Innenminister mitverantwortlich für den Mord an unzähligen Armeniern im Jahr 1915, von einem jungen Armenier erschossen. Ort des Geschehens war der Steinplatz in Berlin. Für den 18. März 2006 rufen nationalistische Kreise aus der Türkei unter dem Vorwand von Gedenkveranstaltungen für Talaat Pascha zu einem Marsch nach Berlin auf. Sie fordern die Aufhebung des Bundestagsbeschlusses vom 16. Juni 2005, in dem die „organisierte Vertreibung und Vernichtung von Armeniern“ während des Ersten Weltkrieges zu Recht beklagt und eine vorbehaltlose Auseinandersetzung in der Armenien-Frage gefordert wird. Die Verantwortlichen des „Großprojektes Berlin 2006 - Talaat-Pascha-Operation“, wollen nach eigenen Worten mit „einem breit angelegten Aktionsplan und einer Aufklärungsoffensive die Lügenkampagne vom Völkermord an den Armeniern zurückschlagen“. In ihrem Aufruf heißt es: „Wir werden von den westlichen Zentren aus die Türkei verteidigen, zusammen mit den dort lebenden fünf Millionen Türken. Wir werden die fünf Millionen Türken dazu bringen, sich zu erheben und in den Zentren der westlichen Staaten Flagge zu zeigen.“ Hüseyin Aydin, Obmann für die Fraktion DIE LINKE. im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, verurteilt die Talaat-Pascha-Operation als einen Versuch, die in Deutschland lebenden türkischen Mitbürger mit nationalistischen Parolen aufzustacheln.

Die übergroße Mehrheit der aus der Türkei stammenden Familien in Berlin lebt im Frieden mit ihren Nachbarn. Die Organisatoren der Talaat-Pascha-Kampagne wollen das ändern. Sie verwenden "Operation" ist geeignet, Unfrieden zwischen Türken und Armeniern, sowie zwischen Türken und Deutschen zu stiften.

Es gibt keinen Grund, Talaat Pascha zu gedenken. Der ehemalige Großwesir und Innenminister wurde in der Türkei von einem Militärtribunal wegen Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Er entzog sich der Vollstreckung dieses Urteils im Dezember 1918 durch die Flucht nach Deutschland.

Die Debatte um den Völkermord an den Armeniern muss in Historikerkreisen erörtert und im Rahmen zwischenstaatlicher Gespräche gelöst werden. Im Interesse der Aussöhnung zwischen den Nationalitäten müssen wir uns der Geschichte des Ersten Weltkrieges stellen, mit all ihren Aspekten. Der türkische Staat muss die Archive aus der Zeit des Ersten Weltkrieges uneingeschränkt für türkische und internationale Geschichtswissenschaftler öffnen.

Ich wende mich als türkischstämmiger Abgeordneter im Deutschen Bundestag an alle türkischstämmigen Familien in Deutschland: Lassen Sie sich nicht von dem vorgetäuschten Gedenkcharakter der Talaat-Pascha-Operation in die Irre führen. Im Interesse des Friedens bitte ich Sie, dieser nationalistischen Kampagne die Unterstützung zu verweigern.

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