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Einseitige Förderung des Lepsius-Hauses gefährdet Gedenken an Armeniergenozid

Pressemitteilung von Ulla Jelpke,

Die Bundesregierung fördert das Potsdamer Lepsius-Haus und die Gedenkstätte zum türkischen Völkermord an den Armeniern 1915/16 mit 300.000 Euro. Da Pfarrer Johannes Lepsius nicht nur stimmgewaltiger Anwalt der verfolgten Armenier war, sondern auch ein rechtsgerichteter Antidemokrat, der nach dem Krieg alle Hinweise auf eine deutsche Mitverantwortung am Genozid aus einer Aktenpublikation verschwinden ließ, hat die Fraktion DIE LINKE eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt (BT-Drs. 16/9956). Zu deren Antwort erklärt die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Ulla Jelpke:

"Es ist zu begrüßen, dass die Bundesregierung auf unsere Anfrage hin jetzt eine kritische Befassung mit der Person Johannes Lepsius durch das Lepsius-Haus zusagt. Ansonsten droht sie ins offene Messer türkisch-nationalistischer Genozidleugner zu rennen. Bedauerlich ist dennoch, dass außerhalb des Lepsius-Hauses keine weiteren Fördermittel des Bundes zum Gedenken an den Genozid an den Armeniern vorgesehen sind. Durch die einseitige Konzentration auf den Antidemokraten und Akten-Frisierer Lepsius wird das Gedenken an den Völkermord und insbesondere die Aufarbeitung der deutschen Mitverantwortung insgesamt gefährdet."

Neue wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass der Theologe Johannes Lepsius währen des Weltkriegs dem Umfeld des führenden deutschen Generals Erich Ludendorff angehörte, antisemitischen Rassetheorien anhing und noch während der Weimarer Republik Befürworter eines großdeutschen Kaiserreichs war. Wie auch die Bundesregierung in ihrer Antwort zugibt, sind die von Lepsius nach dem Krieg veröffentlichten Akten zum Armeniergenozid "manipuliert" worden. So versuchte Lepsius im Auftrag des Auswärtigen Amts jede Spur einer deutschen Mitverantwortung an der Deportation und Ermordung der Armenier durch deutsche Militärs im Osmanischen Reich und die Mitwisserschaft deutscher Regierungsstellen zu vertuschen.

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