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Der menschliche Körper darf nicht zu einem Ersatzteillager degenerieren

Pressemitteilung von Frank Spieth,

Nach der einhelligen Ablehnung des vorgelegten Entwurfs zum Gewebegesetz in der öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses hat die Bundesregierung den Gesetzentwurf heute zurückgezogen und konsequenterweise die weiteren Beratungen ausgesetzt. Das wird vom gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion DIE LINKE:, Frank Spieth, begrüßt:

Erfreulicherweise hat das geballte Expertenwissen einen nachhaltigen Eindruck im Regierungslager hinterlassen. Ein neuer Entwurf wird nicht vor Mai vorliegen. Die Bundesregierung hatte einen für alle Beteiligten inakzeptablen Gesetzentwurf vorgelegt, in dem entnommene Gewebe Arzneimitteln gleichgestellt werden sollten.

Wer Gewebe als Arzneimittel deklariert, fördert den Vermarktungscharakter unentgeltlich zur Verfügung gestellter Zellen und Geweben. Körperteile werden so zur Handelsware und der menschliche Körper zu einem Ersatzteillager, der über den Tod hinaus ausgebeutet und verwertet werden kann. Wer erst einmal im Besitz von gespendeten Geweben ist, kann diese auf dem Markt anbieten. Insofern schafft die Koalition einen Anreiz, sich den Rohstoff, das menschliche Gewebe, zu beschaffen, um ihn dann in klingende Münze zu verwandeln. Da der Spender nicht bezahlt werden darf, werden sich findige Händler am Totenbett einfinden und die Angehörigen umgarnen, ihnen die sterblichen Überreste zu überlassen.

Tatsächlich floriert bereits heute ein internationaler Gewebemarkt mit teilweise mafiösen Strukturen. Es gilt zu verhindern, dass in ärmeren Ländern die entsprechenden Gewebe für die Industriestaaten gewonnen werden. In diesem Bereich gibt es deshalb einen europäischen Handlungsbedarf. Die Mitgliedsstaaten der EU sind aufgefordert, ein Gesetz zu formulieren, das den Umgang mit diesen menschlichen Geweben klärt.

Der bisherige Gesetzentwurf der Bundesregierung löst diese Probleme nicht. Er schafft die Grundlage für Gewebevermarktung. Aus Sicht der Linksfraktion kommt es darauf an, dass Organ- und Gewebespenden nicht verhindert, sondern gefördert werden, damit schwerkranken Patienten geholfen werden kann. Der menschliche Körper darf nicht zu einem Ersatzteillager degenerieren.

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