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Zuwanderung: Herausforderung dieses Jahrhunderts

Im Wortlaut,

Innerhalb der Veranstaltungsreihe „Kultur neu denken“ hatte Luc Jochimsen,  die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, den europäischen Filmemacher Costa-Gavras für den 4. Mai 2011 ins Berliner Kino Babylon eingeladen. Der 78jährige Regisseur brachte zur Diskussion um Macht – Flüchtlinge – Freiheit seinen Kinostreifen „Eden is West“ mit.  Erstmals bei der Berlinale 2009 uraufgeführt, wurde Gavras Filmgeschichte über Zuwanderung seitdem in keinem deutschen Kino gezeigt. Es geht um Zuwanderung, um die Odyssee des illegalen Einwanderers Elias und darum, wie wir in Europa mit Menschen aus der Fremde umgehen. Gisela Zimmer sprach mit dem griechisch-französischen Regisseur Costa-Gavras.

 

Der Film ist bereits zwei Jahre alt und könnte doch aktueller nicht sein. Man könnte glauben, das alles spielt sich jetzt, hier und heute vor der Insel Lampedusa ab. Hatten Sie einen siebten Sinn, geahnt, wie sich das Flüchtlingsdrama vor den Küsten Europas entwickeln wird?

Nein, diese Dimension hat wohl niemand vorausgesehen. Und die Situation jetzt ist auch noch viel dramatischer als zum Zeitpunkt des Drehens. Die Leute nehmen diese ungewisse Flucht auf sich, weil sie gar nichts mehr zu verlieren haben. Keine Arbeit im eigenen Land, Hunger, Verfolgung, Bürgerkriege. Die europäische Politik aber hat das Problem verdrängt, einfach nicht hingeschaut. Wir Künstler müssen hinsehen und Fragen stellen. Und ich glaube, wir stehen erst am Anfang. Das Flüchtlingsproblem ist das Problem dieses Jahrhunderts.  

Sie erzählen die Geschichte eines jungen Mannes. Elias heißt er. Das sind leise Bilder, stille Momente von Einsamkeit, ein ewig Gejagter, immer die Angst, entdeckt zu werden, hin und wieder kleine Gesten von Solidarität, aber auch diese unbändige Hoffnung, doch anzukommen in der Fremde. Sie haben der Masse von Flüchtlingen ein Gesicht gegeben. Welcher Wunsch steckt dahinter?

Niemand verlässt gern sein Land. Er weiß nicht, was ihn erwartet., kennt weder die Sprache noch die Kultur fremder Länder. Alles ist anders, dazu die Befürchtung, nicht willkommen zu sein und keine Papiere zu haben. Aber es sind Menschen, die da kommen. Sie verdienen Respekt, egal welche Hautfarbe, welche Religion sie haben. Ihre Würde darf nicht verletzt werden. Das will »Eden is West« erzählen und auch hinterfragen, wie wir uns im Westen eigentlich verhalten.

»Eden is West« wurde an einem Tag gezeigt, an dem die Nachrichten meldeten, dass inzwischen 25 000 Flüchtlinge in Lampedusa gestrandet sind. Elias, Ihre Hauptfigur, ist am Filmende dort, wo er hin wollte: in Paris. Von einem Magier bekommt er einen Zauberstab und er bringt damit den Eifelturm so scheinbar zum Leuchten. Was bedeutet der Schluss?

Hoffnung! Weil ich einfach glauben will, dass die Völker Europas das Problem lösen. Ich glaube auch an die Politik. Allerdings müssen Politiker dann in größeren Dimensionen denken und handeln. Nicht von einer Wahl zur anderen. Es geht um Zeiträume von bis zu 50 Jahren. Das erfordert Weitsicht und Visionen. 

 

Gisela Zimmer / linksfraktion.de, 04.05.2011

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