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Zehntausende demonstrieren gegen G7-Klüngelclub

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Am Donnerstagnachmittag zog ein bunter Protestzug gegen G7 durch München. Mit dabei: Sophie Freikamp und Paul Schwenn für linksfraktion.de. Eine Reportage

G7-Gegendemo: Rotes Fahnenmeer auf dem Karlsplatz in München

 

Es ist ein besonders hektischer Tag im Politikerleben der Bundestagsabgeordneten Niema Movassat und Heike Hänsel (DIE LINKE): Gerade noch diskutierten sie das Freihandelsabkommen TTIP bei einer Veranstaltung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag (siehe: Der Gipfel für alle). Jetzt sitzen sie bereits in einer Münchner S-Bahn. Sie sind auf dem Weg zur großen Kundgebung und Demonstration gegen den G7-Gipfel, die auf dem Karlsplatz startet. Die beiden Abgeordneten sprechen über ihre Erwartungen an den Protest: Sie freuen sich auf den Nachmittag, erzählen sie. "Die Sonne lacht", sagt Niema Movassat. "Es gibt keinen Grund, nicht zur Demonstration zu gehen. Das Aktionsbündnis, das den Protest organisiert hat, hofft auf 30.000 Menschen – ich glaube, dass das hinhaut.“ Heike Hänsel, entwicklungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, möchte besonders deutlich machen, dass sie nichts von diesen informellen Gipfeln halte, "bei denen sich die wirtschaftsmächtigsten Industrienationen treffen und einen Großteil der Staaten weltweit ausgrenzen. Sie schließen die Bevölkerung aus und untergraben das internationale System, zum Beispiel die Vereinten Nationen. Ich lehne diese Klüngelrunden, diesen Club der Eliten, ab."

»TTIP ist ein Angriff auf den sozialen Fortschritt«

Der Karlsplatz, umgangssprachlich auch Stachus genannt, war einst einer der verkehrsreichsten Plätze Europas. Heute sind hier die meistbesuchteste Filliale einer Fastfood-Kette und große Einkaufszentren ansässig. Der Stachus ist bis zum Platzen gefüllt, allerdings nicht mit Shoppingwütigen oder Fastfood-Kunden, sondern mit Demonstranten. Vom Globalisierungskritiker bis zum bayrischen Bauern, vom Teenager bis zum Rentner ist hier alles dabei. Aus Eschborn in der Nähe von Darmstadt ist Christian Schwarzenberger angereist. "Ich bin hier, um gegen die Freihandelsabkommen zu demonstrieren", sagt er. Schon seit seinem Studium in München engagiert sich der 27-Jährige bei der globalisierungskritischen NGO Attac. "Als ich anfing mich gegen TTIP, CETA und Co. zu engagieren, nahmen knapp 500 Leute an solchen Demos teil. Heute sind es 35 000", freut sich Schwarzenberger beim Blick auf den Karlsplatz.

Über die gesamte Fläche erstreckt sich ein rotes Fahnenmeer, Luftballons der LINKEN mit der Aufschrift "Stop TTIP und CETA" steigen auf. Die Redner machen auf der Bühne ihrem Unmut über das G7-Treffen in Elmau Luft und erhalten dafür Beifall. Klaus Ernst attackiert das Freihandelsabkommen zwischen USA und EU. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Bundestag ruft den Menschen zu: "TTIP ist ein Angriff auf den sozialen Fortschritt."

Nach zahlreichen Redebeiträgen auf der Kundgebung setzt sich der Demozug in Bewegung. Ziel der knapp 40.000 Menschen ist der Odeonsplatz in der Münchner Altstadt. DIE LINKE ist mit einem eigenen Lautsprecherwagen, lauter Musik und vielen Protestlern unterwegs. Am Fronttransparent steht Niema Movassat, der Sprecher für Welternährung der Linksfraktion im Bundestag. Er freut sich über die immense Beteiligung an der Demo und macht unmissverständlich klar: "Mir ist es wichtig zu zeigen, dass die G7-Regierungschefs nicht für mich und auch nicht für die Welt sprechen.“ München zeige heute, dass es heftige Kritik auch aus der eigenen Bevölkerung der G7-Staaten gäbe. Beflügelt vom Erfolg der Demonstration hält Movassat sogar noch eine spontane Rede auf dem LINKE-Lautsprecherwagen.

Allen Grund, die Stimme gegen G7-Gipfel zu erheben

Als der Demozug, der sich über mehrere Kilometer erstreckt, am Odeonsplatz ankommt, geht das aufwendige Programm direkt weiter. Musiker, Kabarettisten und Aktivisten machen noch einmal ordentlich Stimmung. Trotz zahlreicher Verbote und Hindernisse durch Behörden und Polizei wollen sich viele Demonstranten nicht entmutigen lassen und am Samstag zum Start des Gipfels nach Garmisch-Partenkirchen reisen. Mit von der Partie wird auch Christian Schwarzenberger sein. "Ich habe allen Grund meine Stimme gegen diesen Gipfel zu erheben." Ebenso hofft Niema Movassat, dass viele Menschen zum Protestcamp nach Garmisch fahren, das erst vor ein paar Tagen offiziell von den Behörden erlaubt wurde. "Ich würde mich freuen, wenn der Protest dort genauso bunt und friedlich bleibt, wie er es heute in München war", erklärt der Abgeordnete der LINKEN.

Sophie Freikamp und Paul Schwenn

linksfrakion.de, 5. Juni 2015