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Trotz Aufschwung: Erwerbsbeteiligung von Frauen bleibt prekär

Nachricht von Sabine Zimmermann,

Jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau arbeitet zu Niedriglöhnen

Auch im hundertsten Jahr des Internationalen Frauentages ist für viele Frauen die Lage auf dem Arbeitsmarkt ernüchternd. Die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen ist weiterhin stark durch prekäre Arbeitsplätze geprägt. Jobs in Niedriglohnbranchen und erzwungene Teilzeitarbeit dominieren die Arbeitsrealität von Millionen Frauen. Das ergab die Antwort der Bundesregierung (PDF) auf eine Kleine Anfrage der LINKEN bei der Bundesregierung im Vorfeld des 8. März.

Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE fordert einen Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik: "Zum 100. Internationalen Frauentag ergibt sich ein ernüchterndes Bild. Es ist ein Skandal: Frauen werden weiter in Niedriglohnbereiche und prekäre Beschäftigung abgedrängt. Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird der bestehende Aufschwung dieses Muster verfestigen. Wir brauchen endlich einen gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro, von dem vor allem Frauen profitieren. Minijobs müssen in reguläre Arbeitsplätze mit voller sozialer Absicherung umgewandelt werden. Es ist im Interesse der Mehrheit der Arbeitnehmer, ob Frauen oder Männer, prekäre Beschäftigung einzudämmen und gute Arbeit zu stärken. Diese Bundesregierung mit einer Frau an der Spitze hat dabei versagt."

Zu der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage:

Danach wuchs zwar von Juni 2009 bis Juni 2010 die Zahl der von Frauen besetzten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 183 000 und damit deutlich stärker als die der Männer mit 145 000. Allerdings ging dieser Beschäftigungsaufbau bei Frauen vor allem auf einem starken Zuwachs von Teilzeitarbeit zurück. Drei von vier neuen Arbeitsplätzen sind in diesem Bereich entstanden - nicht mitgezählt die 17 000 neuen Minijobs ohne jegliche soziale Absicherung. In vielen Fällen ist diese Teilzeitarbeit unfreiwillig. Sie reicht auch nicht zur eigenständigen Bestreitung des Lebensunterhalts. Und wie die Anfrage zeigt: In kaum einer anderen vergleichbaren Wirtschaftsnation hat die Teilzeitarbeit von Frauen einen so geringen Wochenstundenumfang wie in Deutschland. Sie liegt im Schnitt bei 18,5 Wochenstunden, in den 27 EU-Mitgliedsländern dagegen bei 20,2 Wochenstunden, in Frankreich oder Schweden sogar bei 23,3 bzw. 25,0 Wochenstunden.

Problematisch zudem: Fast alle Teilzeitjobs finden sich in Branchen mit niedrigem Lohnniveau: Gastronomie, wirtschaftliche Dienstleistungen (darunter Leiharbeit), Gesundheits- und Sozialwesen und private Dienstleistungen. In diesen vier Branchen sind sieben von zehn neuen Teilzeitstellen entstanden. 70 bis 90 Prozent dieser Stellen wurden wiederum von Frauen besetzt. Alle diese vier Branchen haben eine hohe Niedriglohnbeschäftigung. Bereits unter den Vollzeitbeschäftigten reicht deren Anteil von 28,8 Prozent (Gesundheit und Sozialwesen) bis zu 72,5 Prozent (Gastgewerbe). Insgesamt bezog im Jahr 2009 mehr als jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Um 145 000 auf nunmehr 2,51 Millionen hat ihre Zahl zugenommen. Bei den Männer waren es jeder siebte oder 1,95 Millionen.

Die Folge: Obwohl die Frauen eine Minderheit der Beschäftigten ausmachen, stellen sie die Mehrheit der 1,4 Millionen Aufstocker, also der Erwerbstätigen, die ihr Einkommen ergänzend zum Niedriglohn mit Hartz IV aufstocken (Frauen: 756 249, Männer: 647 939). Die Niedriglöhne und prekären Arbeitsverhältnisse werden vom Steuerzahler subventioniert, bei den Frauen mit 344 Millionen Euro im Monat.

Bei der Gleichbezahlung der Geschlechter gehört Deutschland weiterhin zu den Schlusslichtern in Europa. 23 Prozent betrug die Gender Pay Gap, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, im Jahr 2009. Nur Österreich, Tschechien und Estland stehen noch schlechter da.

Bedenklich stimmt die Entwicklung der atypischen Beschäftigung, mit der oftmals niedrige Entlohnung einhergeht. Unter diese fallen die Leiharbeit, Teilzeitarbeit, befristete und geringfügige Beschäftigte. 2005 waren 5,01 Millionen Frauen atypisch beschäftigt oder 33,4 Prozent. 2009 lagen die Zahlen schon bei 5,45 Millionen und 34, 1 Prozent. Über die Jahre findet hier eine Angleichung zwischen den Geschlechtern statt, allerdings nicht zum Besseren. 2005 waren bei den Männer 1,74 Millionen oder 9,7 Prozent atypisch beschäftigt, 2009 schon 2,14 Millionen oder 11,5 Prozent.

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