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Sommerferien und arbeitslos?! Schluss mit dem Befristungswahn!

Im Wortlaut von Rosemarie Hein,

      © 123comics

Von Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion

 

Wenn in diesen Tagen in den Bundesländern wieder die Ferien beginnen, starten nicht nur viele Schülerinnen und Schüler ins neue Schuljahr. Für viele Lehrerinnen und Lehrer beginnt auch ein neuer Arbeitsvertrag.

Doch ich meine hier nicht die jungen Pädagogen, die, frisch vom Studium kommend, mindestens genauso aufgeregt sind wie die Kinder. Ich meine die vielen Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund der Befristung ihres Arbeitsvertrages von Schuljahr zu  Schuljahr in den Sommerferien zum Arbeitsamt geschickt werden. Und das, obwohl in jedem Bundesland Lehrkräfte fehlen, wie der Philologenverband erst kürzlich beklagte. Aber eben nicht in den Sommerferien. Darum wird in einigen Bundesländern kräftig vom Mittel der Befristung Gebrauch gemacht. In den Sommermonaten steigen darum die Arbeitslosenzahlen bei den Lehrkräften deutlich an und zum September die Einstellungen in den Schuldienst. Dieser Trend ist seit Jahren ungebrochen. Doch Lehrkräfte sind keine Saisonarbeiter! Es ist absurd, dass manche Bundesländer Lehrerinnen und Lehrer zunehmend nur für die Unterrichtswochen beschäftigen – offensichtlich mit einem einzigen Ziel: die öffentlichen Haushalte zu entlasten, auf Kosten der Lehrinnen und Lehrer und der Qualität von Bildung für die Kinder. Die Praxis der Befristungen ist und bleibt unwürdig und gehört endlich abgeschafft. Diese Praxis führt ganz nebenbei zu einem Ansehensverlust des Berufsstandes von Lehrerinnen und Lehrern.

Wir haben es doch nicht mit einem Überangebot von Lehrkräften, sondern mit einem saftigen Mangel zu tun! Und der wird – so viel ist heute schon sicher – noch Jahre anhalten.
Der Deutsche Philologenverband hat erst in diesen Tagen angemahnt, dass der Lehrkräftemangel in Fächern wie Mathematik, Physik und Chemie besonders groß ist. Der Mangel verschärft sich derzeit vor allem in Ostdeutschland, wo eine große Pensionierungswelle rollt. Lehrerin oder Lehrer zu werden, sei kein Beruf sondern eine Berufung, heißt es. Richtig, vertrauen doch Eltern den Lehrerinnen und Lehrern ihr Wertvollstes an: ihre Kinder – auf dass sie auch in der Schule gut gebildet und gut betreut werden. Das setzt Pädagogen mit Spaß und Leidenschaft für ihren Beruf, aber vor allem für die Arbeit mit Kindern voraus. Diesem Anspruch gilt es in Ausbildung und Beschäftigung Rechnung zu tragen. 

Hier muss deutlich mehr getan werden. Die Lehramtsausbildung muss wieder zu den wichtigsten Fachrichtungen der Hochschulen gehören. Lehrkräfte brauchen ebenso wie Erzieherinnen und Erzieher und sozialpädagogische Fachkräfte eine deutliche Aufwertung ihres Berufsstandes. Das muss sich ausdrücken in der Sicherheit der Beschäftigung und deren Entlohnung und von Beginn an in der Qualität der Ausbildung. Die Bundesregierung ist hier gefordert, gemeinsam mit den Ländern und den Tarifpartnern die Rahmenbedingungen deutlich zu verbessern.

linksfraktion.de, 7. September 2015

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