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Foto: Stadtratte

Queer-Lesetipp

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Lesbisch. Eine Liebe mit Geschichte von Ahima Beerlage. Ahima Beerlage beschreibt ihr Engagement in der Community und deren Konflikte.

Es ist ein autobiographisches Buch. Ahima Beerlage beschreibt ihr Engagement in der Community und deren Konflikte. Sie lernte die lesbische Community während ihres Studiums in Marburg kennen. Dort politisierte sie sich innerhalb der „autonom antiimperialistischen Frauenbewegung“. Vom beschaulichen Marburg ging sie im Jahr 1987 in das brodelnde Westberlin. In der stark politisierten autonom antiimperialistischen Frauenbewegung eckte sie an. Akademische Flugblätter sollten „die Massen“ agitieren. Es misslang.

Ahima Beerlage schloss sich dem lesbisch-schwulen Projekt ELDORADO bei Radio 100 an. Hier produzierten Lesben und Schwule gemeinsam Radiobeträge. Sie lernte die Queertheorie kennen und beschäftigte sich mit dem damals brennenden Thema HIV/Aids. Es war die Zeit, als es noch keine wirksamen Medikamente gab, und viele schwule Männer starben. Die Solidarität zu den Schwulen war für Beerlage selbstverständlich: „Wurden doch die Schwulen für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht.“ Bezogen auf unsere jetzige Zeit sagt sie, dass sie sich „die gleiche unhintergehbare Solidarität von Schwulen wünsche, wenn Lesben … und Schwule ihre Fördertöpfe teilen sollen.“

Bei der Organisation der Rettungsparty für das finanziell angeschlagenen Radioprojekt lernte sie Richard vom legendären Cafe Anal kennen. Die Idee einer Queerparty wurde geboren und dauerhaft im SO36 umgesetzt. Die Party-Crew reichte von der „Trümmertunte zur klassischen Butch.“ Beerlage wirkte somit an einer queeren Underground-Kultur mit, die - jenseits abgehobener Uniseminare – die Hürden zwischen lesbischen und schwulen Leben zumindest zeitweise überwand. Das SO36 sollte dadurch nachhaltig sein Profil ändern und wurde Teil des selbstorganisierten linken Clubs.

Die Diskussionen zum Thema Rassismus Ende der 1990er Jahre in der Lesbenszene waren kontrovers. Sie berichtet von Frauen, die sich zu Anwältinnen von Women of Color machten und bei Veranstaltungen Reden unterbrachen, wenn falsche und rassistische Begriffe benutzt wurden. Beerlage räumt ein, dass bei solchen überhitzten Diskussionen die Chance vertan wurde, „in einem geschützten Raum die eigenen rassistischen Muster, die wir durch unsere Erziehung erworben hatten, durch Gespräche zu erkunden, um sie zu verändern.“ Viele Frauen blieben aus diesem Grund dann infolge den Veranstaltungen fern.

Ahima Beerlages politisches Engagement wurden durch eine Schmerzerkrankung und  Gehbehinderung unterbrochen. Sie wurde früh verrentet, lernte eine ehrenamtliche Pfarrerin kennen, beide heirateten. Heute erhält sie eine kleine Rente. Ein Los übrigens, das sie mit vielen älteren Lesben teilt, und ein Schicksal, das kaum öffentlich thematisiert wird. Aufgeschrieben hat sie ihre Geschichte, um Mut zu machen. Aus der unteren Mittelschicht kommend und sich von ihren körperlichen Einschränkungen letztlich nicht behindern zu lassen, schreibt sie: „Lesbisch zu sein ist dabei für mich immer subversiv, parteilich für Frauen und im Feminismus verwurzelt“.

Bodo Niendel

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