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Foto: istock.com/Maridav
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Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

Nachricht von Jutta Krellmann,

Die Zahl der Krankentage hat sich von 2008 bis 2017 um mehr als 70 Prozent erhöht. In diesem Zusammenhang ist der Produktionsausfall um fast 80 Prozent auf 76 Milliarden Euro angestiegen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung (PDF) auf eine Kleine Anfrage von Jutta Krellmann hervor.

Im Jahr 2017 ging mehr als die Hälfte aller Krankentage auf drei Diagnosen zurück: Muskel-Skelett-Erkrankungen (25 Prozent), psychische Erkrankungen (18 Prozent) und Erkrankungen der Atemwege (15 Prozent). Die Krankentage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen sind in den letzten zehn Jahren um fast zwei Drittel (63 Prozent) und wegen Erkrankungen der Atemwege um fast drei Viertel (74 Prozent) angestiegen. Deutlich stärker erhöht haben sich die Krankentage aufgrund psychischer Erkrankungen, sie haben sich mehr als verdoppelt (+ 144 Prozent). 

Psychische Erkrankungen haben seit 2011 Atemwegserkrankungen als zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen abgelöst. Fast ein Fünftel der Krankentage ist 2017 darauf zurückzuführen.  Frauen sind mit etwa 60 Millionen Krankentagen stärker betroffen als Männer mit unter 40 Millionen. Dagegen ist der Anstieg der Krankentage aufgrund dieser Diagnose bei Männern ausgeprägter als bei Frauen (160 zu 135 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind die Krankentage aufgrund psychischer Erkrankungen geringfügig angestiegen (+ 0,3 Prozent), bei den Frauen stärker als bei den Männern (+ 0,4 Prozent zu + 0,2 Prozent). Wohingegen die Krankentage insgesamt leicht zurückgegangen sind.  

Eine Anti-Stress-Verordnung hält die Bundesregierung für „schwierig“. Stattdessen sollen Betriebe und Beschäftigte das vorhandene Arbeitsschutzinstrumentarium, insbesondere die Gefährdungsbeurteilung nutzen, um Gesundheitsrisiken durch psychische Belastungen zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Befragt nach der Notwendigkeit von flächendeckenden Arbeitsschutzkontrollen verweist die Bundesregierung auf „intensive bilaterale Gespräche mit Ländern und Unfallversicherungsträgern“. 

Jutta Krellmann, MdB, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit, DIE LINKE im Bundestag, kommentiert:

„Eine Anti-Stress-Verordnung ist längst überfällig. Sie bedeutet klare und verbindliche Richtlinien, um Stress bei der Arbeit einzudämmen. Damit ist sie eine notwendige Ergänzung zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung. Arbeitgeber drücken sich davor. Sie wird nur in jedem vierten Betrieb gemacht und der Staat schaut weg. Deshalb brauchen wir dringend flächendeckende Arbeitsschutzkontrollen. Die wichtigste Kontrollinstanz sind starke Betriebsräte. Doch ihre Zahl nimmt immer weiter ab. Deshalb muss die die Wahl von Betriebsräten erleichtert und diese besser geschützt werden.“


Hier können Sie die Auswertung der Ergebnisse der Kleinen Anfrage im Einzelnen als PDF herunterladen.

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