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Pofalla macht nicht Schluss mit dem Ende

Im Wortlaut,


Merkel und das Handy, mit dem sie NSA-Mitarbeiter traumatisierte      Foto: dpa/picture alliance
 

Das topsekrete Merkelhandy wurde von US-Geheimdienstlern geknackt, angezapft und leergesaugt. Weltweit überschlagen sich die Echos und Reaktionen. Hier die wichtigsten Ereignisse im Live-Ticker:

+++ 10.30 Uhr +++

Ein Sprecher des Weißen Hauses gibt sich irritiert darüber, dass in Deutschland am unverbrüchlichen Bruderbund mit den USA gezweifelt wird: "Die Krauts sollen sich mal wieder einkriegen: Wenn wir ihre komische Rautenkanzlerin als Feindin betrachteten, dann wäre sie jetzt in Guantanamo."

+++ 11.15 Uhr +++

Wladimir Putin sichert Angela Merkel seine "bedingungslose Solidarität" zu. Die demokratische
Wertegemeinschaft, so der russische Präsident, müsse das außer Kontrolle geratene Obama-Regime gemeinsam in die Schranken weisen. Er warnte Berlin vor dem Einsatz von Waffengewalt, zumal ohne UNO-Mandat: "Auch gegenüber Schurkenstaaten setzen wir auf einen friedlichen Wandel."

+++ 12.00 Uhr +++

Vertreter der Linken und der Grünen kündigen an, nicht länger für erweiterte Rechte der parlamentarischen Opposition kämpfen zu wollen. "Um die Arbeit der Regierung brauchen wir uns im Bundestag zum Glück nicht zu kümmern. Wir gehen fest davon aus, dass die NSA auch die Große Koalition gewissenhaft kontrolliert."

+++ 12.20 Uhr +++

Kanzleramtschef Pofalla ist fassungslos: "Ich kann das alles gar nicht glauben. Technisch ist das doch unmöglich. Die Abhöraffäre wurde schließlich von offizieller Seite längst für beendet erklärt. Mit diesem Ende kann doch jetzt nicht einfach Schluss sein. Wenn das alles wirklich wahr wäre, dann würde das ja bedeuten, dass die NSA hinter meinem Rücken arbeitet."

+++ 12.30 Uhr +++

Die Kanzlerin gibt Details ihres jüngsten Gesprächs mit Barack Obama bekannt: "Ich habe mit dem Präsidenten zwar telefoniert, ihn aber nicht – wie in den Medien vielfach behauptet – angerufen, geschweige denn empört angerufen. Nein, ich sehe das sehr gelassen. Für mich ist es ganz normal, dass Millionen meiner Landsleute sicherheitshalber überwacht werden. Deshalb käme ich niemals auf den Gedanken, in eigener Sache anders zu argumentieren. Wer das behauptet, unterstellt mir eine latente Bereitschaft, mich lächerlich zu machen.“
Vielmehr habe der US-Präsident den Kontakt gesucht. "Die Telefonverbindung kam just in dem Augenblick zustande, als ich von einem BND-Mann unter vier Augen über die Ausspähung meines Mobiltelefons informiert wurde. Dabei klingelte eben dieses Handy, und Barack Obama versicherte mir glaubwürdig, dass nichts von dem wahr sei, 'was dieser lispelnde Sesselfurzer da gerade erzählt'."

+++ 13.00 +++

Brasilien, Mexiko, Frankreich, Deutschland – die USA belauschen Politiker aus aller Welt. Mehrere FDP-Funktionäre erklären vor einem Pressevertreter und fünf Saaldienern, dass sie die allgemeine Aufregung nicht verstünden: "Wenn wir welches hätten, würden wir sogar Geld dafür zahlen, dass uns jetzt noch jemand – und sei es auch nur heimlich – zuhört."

+++ 14.00 Uhr +++

Eine US-Veteranenvereinigung fordert, ehemalige NSA-Angehörige besser seelsorgerisch zu betreuen: "Diese Menschen haben Schreckliches erlebt. Sie sind teilweise schlimmer traumatisiert als Golfkriegsteilnehmer. Manche mussten Angela Merkel stundenlang zuhören."

+++ 14.30 Uhr +++

Der Bundesinnenminister fordert eine Entschuldigung der USA. Er sei tief enttäuscht, wie skrupellos die Obama-Administration seine offensichtlichen kognitiven Defizite ausgenutzt habe. Er fühle sich "missbraucht, benutzt und weggeworfen". Hans-Peter Friedrich kündigte Konsequenzen an: Ab sofort kämpfe er für das "Supergrundrecht auf hauptamtlichen Irrtum und General-Inkompetenz".

G.A. Mierend