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Plan B für gute Lebensmittel

Im Wortlaut von Kirsten Tackmann,

     Foto: Bianca Bodau

 

 

Von Kirsten Tackmann

 

„Wir haben es satt!“ – unter diesem Motto versammeln sich sicher auch im vierten Jahr zehntausende Demonstrantinnen und Demonstranten in Berlin. Sie wollen die Folgen sozial-ökologisch blinder Agrarpolitik nicht länger auf ihrem Teller und nutzen die mediale Aufmerksamkeit zum Auftakt der Grünen Woche für ihren Protest. Doch darüber freuen sich nicht alle. Aus großen Teilen der Agrarbranche weht ihnen eisiger Wind entgegen. Als Gutmenschen belächelt, wird ihnen vorgehalten, sie könnten nur deshalb von einer romantischen Öko-Agrar-Idylle träumen, weil die Mehrheit der europäischen Bevölkerung durch konventionelle Produkte satt wird.

Dabei wird übersehen, dass sich der Wind in der Gesellschaft längst dreht. Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und wie sie produziert werden. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Statt die Agrar-Demo abzustempeln, wäre die Agrarbranche gut beraten, die Kritik ernst zu nehmen und in einen Dialog auf Augenhöhe mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern zu treten. Bei allen auch berechtigten Einwänden gegen überzogene Skandalisierungen der Medien kann doch niemand ernsthaft behaupten, in der Landwirtschaft sei alles bestens.

Antibiotika-Missbrauch im Stall, betrügerische Beimengungen von Pferdefleisch oder die unwürdigen Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen stehen zurecht in der Kritik. Auch der sorglose Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen oder Lebensmittelexporte und -spekulationen treiben viele Menschen auf die Straße.

Es ist aber wohlfeil, allein Teile der Landwirtschaft ins Zentrum der Kritik zu stellen, wenn ohne sozial-ökologische Marktregeln individuelles Wohlverhalten betriebswirtschaftlich riskant ist. Wer also das System nicht grundsätzlich in Frage stellt, wird viele Probleme nicht lösen. Das gilt auch für grüne Ministerinnen und Minister. Ein grün-gewaschener Kapitalismus geht nur einzelne Tippelschritte in die richtige Richtung und vergisst die soziale Gerechtigkeit. Das genau ist die Herausforderung für unseren LINKEN Plan B.

In diesem Jahr geht es aber nicht nur um den Streit über die Produktionsbedingungen in Europa. Denn die hier hart erkämpften Standards für vorsorglichen Verbraucherschutz werden durch die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen »TTIP« der EU mit den USA  gefährdet. DIE LINKE unterstützt den stetig wachsenden Widerstand gegen Chlorwaschungen von Fleisch, Hormone in der Mast oder Klontiere. Wir stemmen uns gegen die Gentechnik-Zugeständnisse der EU als Gegenleistung  dafür, dass die USA ihren Industrie- und Dienstleistungsbereich öffnet. Es ist gut, dass die Demonstration dieses Jahr signalisiert, dass wir gemeinsam diese Entwicklung satt haben und verhindern wollen.

Es reicht natürlich nicht, jeden Januar durchs kalte Berlin zu ziehen und auf sein Satt-Haben zu verweisen. Als Fraktion DIE LINKE sind wir gefordert, die Demo-Forderungen ins Parlament zu tragen und mit eigenen Vorschlägen zu verbinden. Wir wollen bessere landwirtschaftliche Einkommen, eine umweltschonende Düngepolitik und gesunde Tierhaltungsanlagen. Wie wir uns das große Ganze vorstellen, haben wir im PLAN B aufgeschrieben. Wochenmarkt statt Weltmarkt, dahin muss die Reise gehen.

 

linksfraktion.de, 13. Januar 2014

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