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Noch einmal Eisenach

Nachricht,

Von Gerd Wiegel

 

Noch einmal Eisenach am 4. November: Die Selbstenttarnung des Trios und die ersten Ermittlungen waren das Thema der Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses am Donnerstag. Drei Zeugen wurden gehört, die am 5. November in Eisenach bezihungsweise danach in Zwickau vor Ort waren oder mit Asservaten in diesem Zusammenhang zu tun hatten.

Nachdem im Wohnmobil in Eisenach am 4. November die Waffen von Michéle Kiesewetter und ihres Kollegen gefunden wurden und damit die Verbindung zu den Morden in Heilbronn 2007 ins Spiel kam, wurden LKA-Beamte aus Baden-Württemberg nach Eisenach geschickt, um sich dort an den Untersuchungen zu beteiligen. Der Zeuge Dr. Tilmann Halder war als Brandursachenermittler mit nach Eisenach gekommen und wurde vor allem zur Frage des Brandes im Wohnmobil befragt. Halder schilderte die Ergebnisse seiner Untersuchung und den möglichen Ablauf nachvollziehbar und glaubwürdig. So war es nach seiner Meinung sehr wohl möglich, in den wenigen Sekunden zwischen dem Tod von Böhnhardt und dem Suizid von Mundlos einen so nachhaltigen Brand zu legen. Auch blieben einer Person im Wohnmobil, trotz schneller Brandausbreitung, noch einige Sekunden Handlungsmöglichkeit, so dass Mundlos Zeit gehabt hätte, sich selbst zu erschießen. Für Halder waren auch die fehlenden Rußpartikel in der Lunge von Mundlos nicht ungewöhnlich, weil das seiner Ansicht nach bei einem Ablauf von wenigen Sekunden sehr wohl möglich sei.

Der Kriminaltechniker des LKA Baden-Württemberg, Manfred Nordgauer, kam am 5. November zusammen mit Halder nach Eisenach. Er war jedoch vom 7.-11. November ebenfalls am Brandhaus in Zwickau anwesend und an der Suche nach Asservaten dort beteiligt. Nordgauer schildert seine Eindrücke und Erinnerungen sehr lebendig, so dass man einen Eindruck der ersten Spurensuche bekam. In Eisenach war Nordgauer mit der Sammlung und Sichtung der Asservate aus dem Wohnmobil befasst. Er konnte sich sofort an die dort in einem Rucksack gefundenen vermeintlichen Bekenner-DVDs des NSU erinnern, habe ihnen aber damals, da er sie für Nazi-Musik-CDs hielt, keine größere Beachtung geschenkt. Vor dem Hintergrund der diversen Waffenfunde und der rasanten Entwicklung am 5. November erscheint das glaubwürdig. Eine Auswertung der DVDs erfolgte aber auch danach in Thüringen nicht, so dass Nordgauer deren Inhalt erst am 11. November in Zwickau bekannt wurde. Aus Sicht des Zeugen war der umstrittene Abtransport des Wohnmobils auf Anweisung des Einsatzleiters Menzel kein Problem. Durch die abgestürzte Decke des Wohnmobils seien die Spuren "festgebacken" gewesen. Entgegen den in den Akten zu findenden Hypothesen für den Ablauf im Wohnmobil ging Nordgauer – wie schon Zeugen in der letzten Sitzung – davon aus, dass sich Mundlos im Stehen selbst erschossen habe. Letzteres ist wichtig, weil die angebliche Sitzposition nicht mit der Spurenlage im Wohnmobil in Übereinstimmung zu bringen ist.

In Zwickau war Nordgauer an der Durchsuchung des Brandschutts beteiligt, in dem von einem Polizisten auch die Ceska-Waffe gefunden wurde, die er selbst entgegennahm. Da sie am Vortag im Brandschutt den Ordner mit Zeitungsartikeln zu allen Ceska-Morden gefunden hatten, war sich Nordgauer sofort sicher, hier die Tatwaffe in Händen zu haben. Laut Nordgauer wurde in Zwickau zu jedem Mord eine Tüte mit der entsprechenden Kleidung gefunden, was jedoch beispielhaft nur mit der Jogginghose aus dem Kiesewetter-Mord ausgeführt wurde. Stimmt dieses bisher unbekannte Detail, dann wirft es noch mal ein neues Licht auf dem Umgang der Täter mit den Morden und würde auch Fragen an Beate Zschäpe aufwerfen.

linksfraktion.de, 29. April 2016

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