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Medienkompetenz ist kein Kinderkram

Im Wortlaut,

Die ExpertInnenanhörung zum Thema Medienkompetenz der Enquete-Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ am 13.12. hat drei Punkte sehr deutlich werden lassen:

  1. Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht nur auf die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu beziehen. 

    Die geladenen ExpertInnen habe sehr deutlich gemacht, dass Kinder und Jugendliche oft mehr über den Umgang mit digitalen Medien wissen als Erwachsene. Aktuelle Studien wie zum Beispiel EU Kids Online zeigen, dass nur ein geringer Teil der Heranwachsenden mit Dingen im Netz in Berührung kommt, die für sie riskant oder überfordernd sein könnten. Ein noch geringerer Teil empfindet dies als bedrängend. Gleichwohl wissen gerade Eltern nur sehr wenig über diese Erfahrung ihrer Kinder. Auch gebe es bei der Schulung von Medienkompetenzvermittlung bei PädagogInnen hohe Defizite, wie Mechthild Appelhoff von der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen berichtete. Der von DER LINKEN benannte Experte Prof. Dr. Stefan Aufenanger betonte den Nachholbedarf bei Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft in Sachen Medienkompetenz. Weiter wies er darauf hin, dass es bisher nur wenig Erkenntnisse über die Mediennutzung und damit -kompetenz bei Menschen mit Migrationshintergrund gebe. Auch sollte nicht vernachlässigt werden, Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen zum Umgang mit Medien zu befähigen. Hier geht es auch darum, die entsprechenden barrierefreien Techniken und Endgeräte bereitzustellen.

    Ich werde mich dafür einsetzen, diese Punkte stärker als bisher auf die Agenda der Projektgruppe Medienkompetenz der Internet-Enquete zu setzen.
     
  2. Medienkompetenz ist elementare Voraussetzung für eine aktive Teilnahme am politischen und sozialen Leben.

    Um diese Voraussetzung zu erlangen ist es, insbesondere nach Meinung von Prof. Aufenanger wichtig, nicht nur den Umgang mit sondern auch das Verstehen von modernen Medien zu stärken. „Keine Bildung ohne Medien“ ist hier das Schlagwort, das Medienkompetenz als Querschnittsaufgabe in Aus- und Weiterbildung definiert. Dazu gehören technische Aspekte genauso wie systematische. Wie funktionieren Medien und wer steckt dahinter?

    Gerade bildungsferne Gruppen nutzen das partizipative und informative Potential digitaler Medien kaum, sehen darin vor allem Konsumwelten, so Forschungsergebnisse, die Prof. Aufenanger in der Anhörung ansprach. Hier gilt es, mit der Enquetearbeit dazu beizutragen, diesem Phänomen mit geeigneten Instrumenten aufklärerisch gegenzusteuern.

    Genauso gilt es, den Zugang auch zu neuen Medien in allen Bereichen zu ermöglichen. ArbeitnehmerInnen beispielsweise dürfen nicht durch Zugangsrestriktionen am Arbeitsplatz von diesen zeitgenössischen Teilhabemöglichkeiten ausgeschlossen werden.

    So kompetent sich Kinder und Jungendliche prinzipiell im Umgang mit Medien erweisen, es gelingt ihnen nur schwer, Content und Werbung zu unterscheiden. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass hier eine klare, auch für Kinder erkennbare Trennung stattfindet.
     
  3. Medienkompetenz entwickelt sich über Durschaubarkeit und nicht durch Verbote.

    Klare Strukturierung der Inhalte, das Verstehen von medialen Systemen und ein dauerhaftes Learning by doing im gegenseitigen Austausch zwischen den Generationen befähigen die Menschen kompetent und verantwortlich mit Medien umzugehen. Durchschaubarkeit der Medien und das Sammeln von Erfahrungen mit ihnen sind deshalb Filtern und Verboten vorzuziehen, auch hierin waren sich die zur Anhörung geladenen ExpertInnen in großer Mehrheit einig. Diese Schwerpunktsetzung entspricht auch meinem Herangehen an die die Fragen der Projektgruppe Medienkompetenz

 

Als Forschungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag weise ich nicht zuletzt darauf hin, dass Prof. Stefan Aufenanger als Wunsch für die Medienpädagogik formuliert hat, dass es über einzelne Projektförderungen hinaus langfristig finanzierter Forschung zu Medienkompetenz bedarf. Insbesondere die kognitiven, sozialen und emotionalen Folgen von Mediennutzung sollten dabei untersucht werden.

Von Petra Sitte, Forschungspolitische Sprecherin