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Kunst: Überleben in der Krise

Im Wortlaut von Lukrezia Jochimsen, Jens Petermann,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Jens Petermann und Luc Jochimsen im Meininger Kulturhaus bei der Diskussionsrunde zum Auftakt der Sommertour in Hessen und Thüringen

In der Residenzstadt Meiningen fand die erste öffentliche Diskussionsrunde unserer diesjährigen Sommertour durch Hessen und Thüringen statt. Im Kunsthaus Meiningen ging es um die Frage: «Die Krise ist überall - wie kann die Kunst überleben?» Gemeinsam mit meinem Kollegen Jens Petermann - der hier übrigens direkt gewählt wurde - hatten wir interessante Gäste eingeladen: Ansgaar Haag, Doppelintendant der Theater in Meiningen und Eisenach, Volker Kern, Museumsleiter und Stadtrat in Meiningen, und Johannes Roesch vom Verein NEKST, der das Kunsthaus Meiningen betreibt.

Und wir bekamen Interessantes zu hören. Meine Eingangsfrage lautete, ob Meiningen nicht so etwas wie die Insel der Kulturglückseligkeit sei: ein Theater mit Orchester, ein Theatermuseum und eine freie Kunstinitiative, die erfolgreich und ohne stattliche Zuschüsse das Kunsthaus betreibt. Der Stadtrat Kern stellte diesen Eindruck schnell in Frage. Er beschrieb den Kampf und die Überzeugungsarbeit, die geleistet werden musste, bis die Stadt das Kunsthaus gekauft und dem Verein NEKST zur Verfügung gestellt hatte: «Am Schluss gab es im Stadtrat eine allerdings sehr knappe Mehrheit dafür. Wir hatten eingesehen, das es Sinn macht, eine Immobilie zur Verfügung zu stellen, die dann von ehrenamtlichen Helfern und Künstlern mit Leben erfüllt wird. Und das ohne elementare städtische Hilfe.»

Johannes Roesch unterstrich diesen Anspruch: «Wir wollen zum Beispiel keine Heizung im Kunsthaus. Weil wir wissen, das wir dann die Grundkosten für das Haus nicht mehr aufbringen können.»

Ansgar Haag ging es mehr ums Grundsätzliche: «Solange die Kunst- und Kulturstätten in die Beliebigkeit der Kommunen gestellt bleiben, wird es immer Kultur nach Kassenlage geben», stellte er fest und forderte an dieser Stelle eine Übernahme der Verantwortung durch die Länder. Er beschrieb außerdem das gemeinsame Betreiben der Häuser in Meiningen und Eisenach nicht als Liebesakt, sondern als dem ökonomischen Druck geschuldet.

Jens Petermann stellte die Frage nach der Finanzierung der Kultur durch den Staat. Daran entbrannte eine lebhafte Diskussion um die Verantwortung der Gesellschaft und die Rolle der Kultur. «Deutschland liebt offenbar Schweinsteiger mehr als Schiller», stellte Haag unter dem Applaus des Publikums nüchtern fest und wünschte sich mehr Möglichkeiten, Kunst und Kultur den Bürgern näher bringen zu können.

Bevor nach mehr als zwei Stunden die ZuhörerInnen zufrieden nach Hause gingen, lautete die abschliessende Frage aus dem Publikum: «Was tun Sie denn als Abgeordneten der LINKEN in Berlin für die Kultur?». Das gab mir Gelegenheit, auf unsere Anträge zum Soforthilfeprogramm für die Kultur hinzuweisen sowie auf unsere Initiative für das Staatsziel Kultur (die letztlich an der SPD und ihrer Nibelungentreue zur großen Koalition scheiterte) und unser aktuelles Bemühen, DDR-Kunst, die sich in Bundesimmobilien befindet, zu retten. Dafür gab es den letzten Applaus des Abends.

Von Luc Jochimsen

Zur Übersichtsseite der Reihe Sommer im Wahlkreis

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