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Kinderzimmer sind keine Schadstofflager

Nachricht von Karin Binder,

Foto: © MB

 

Wir haben ein großes Problem mit Schadstoffen im Kinderzimmer. Über die Hälfte der Spielzeuge, die von Stiftung Warentest in den vergangenen Jahren getestet wurden, war teils mehrfach mit Schadstoffen belastet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fand heraus, dass fast ein Viertel der untersuchten Spielzeuge Schadstoffe über die zulässigen Grenzwerte hinaus freisetzt. Nur ein Fünftel der Produkte war frei von gesundheitsschädlichen Chemikalien.

Wir reden von Schwermetallen wie Blei, Nickel und Quecksilber und von Stoffen wie Formaldehyd, Phtalaten und Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die als Weichmacher in Kunststoffen oder in Lacken und Klebern zu finden sind. Diese Gifte sind schon in winzigen Mengen krebserregend, gefährden die Fortpflanzung, lösen Allergien aus oder stören das Hormonsystem. Kinder sind besonders betroffen. Da sie sich noch in der Entwicklung befinden, sind sie besonders empfindlich und verletzlich.

Trotz gesetzlicher Vorgaben und strenger Grenzwerte gelangen jedes Jahr viele giftige Spielwaren in Kinderhände. Das zeigt: die Marktüberwachung funktioniert nicht. Derzeit sind die Bundesländer für die Überwachung der Spielzeugsicherheit verantwortlich. Es gibt mehr als 400 verschiedene Kontrollbehörden, oft auf kommunaler Ebene, die nebeneinander her arbeiten. In vielen Fällen fehlt es an Personal und Ausstattung.

Dem gegenüber stehen weltweit tätige Hersteller und Händler. Immer häufiger wird auch im Internet gekauft. Über die Hälfte der Spielwaren wird importiert und oft in Billiglohnländern von Arbeiterinnen und Arbeitern hergestellt, die selbst nicht wissen, welcher gesundheitlichen Belastung sie durch die gefährlichen Materialen ausgesetzt sind. Die fertigen Produkte werden von den Herstellern meist nur mit dem „CE“-Zeichen versehen, wonach die Mindestanforderungen für den Europäischen Markt erfüllt werden. Über Qualität und Sicherheit der Spielwaren sagt das nichts aus.

DIE LINKE fordert deshalb, die Kontrollen auf Bundesebene zu vereinheitlichen und auszubauen. Nur so können wir die Gesundheit von Kindern gewährleisten. Hersteller und Importeure müssen an den Kosten für die Kontrollen beteiligt werden. Schließlich sind sie die Verursacher der Probleme mit Schadstoffen in Spielzeugen.

Meine Empfehlung: Auch bei hochwertigen Marken sollten Eltern nicht nur auf die Angaben der Hersteller vertrauen. Sie sollten sich an unabhängigen Testergebnissen beispielsweise von Stiftung Warentest, Ökotest oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) orientieren. Grundsätzlich gilt: Je weniger ein Spielzeug verklebt, lackiert oder verpackt ist, desto besser. Kinder sollen spielen können, ohne dass Eltern sich Sorgen machen müssen. Spielzeug, das belastet ist, gehört nicht auf den Markt – und schon gar nicht in Kinderzimmer.

Bisher jedoch blieb die Merkel-Regierung auch in der großen Koalition untätig. Sie verweist auf die Zuständigkeiten der Länder. Gegenüber der EU werden zwar strengere Grenzwerte bei einigen Chemikalien gefordert. Doch das nutzt nichts, wenn die gesetzlichen Vorgaben von den Herstellern nicht beachtet und von den Behörden nicht kontrolliert werden. Auch zu diesem Weihnachtsfest wird wieder jedes vierte Spielzeug unter dem Christbaum schadstoffbelastet sein. Deshalb ist die Bundesregierung gefordert, die Sicherheit von Spielzeugen ohne Wenn und Aber durchzusetzen – Frohe Weihnachten!

linksfraktion.de, 9. Dezember 2014

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