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Jetzt Zukunft sichern, in Ausbildung investieren!

Nachricht von Birke Bull-Bischoff,

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung (2021, S.6) interessieren sich 77 Prozent der befragten jungen Menschen für eine Berufsausbildung, gleichzeitig sind 71 Prozent der Meinung, es gebe nur schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Das deutet auf eine alarmierende Verunsicherung der jungen Menschen hin.

Sind die Ausbildungsplatzzahlen in der Finanzkrise abgesackt und auf niedrigem Niveau verblieben, ist nach der Corona-Krise ein weiterer Schwund an Ausbildungsplätzen zu befürchten. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und Unternehmen in Deutschland, vormals lange bei 24 Prozent, lässt seit Jahren spürbar nach: 2019 lag die Ausbildungsbetriebsquote nur noch bei 19,6 Prozent. In 2020 wurden 57.500 (-11 Prozent) weniger Ausbildungsverträge neu abgeschlossen als noch im Jahr davor. Damit fiel die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erstmals auf einen historischen Tiefstand von unter 500.000. Betriebe und Unternehmen haben in 2020 51.300 (- 9,1 Prozent) weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr zur Verfügung gestellt (Datenreport 2021, S. 9-10).

Laut einer Antwort der Bundesregierung (PDF) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE habe die Förderung der Verbundausbildung Ende April 2021 bislang 60 neue Ausbildungsplätze erbracht. Die außerbetriebliche Ausbildung sei rückläufig, daher sehe die Bundesregierung keinen Anlass gegenzusteuern. Der Mangel an Ausbildungsplätzen hat jedoch seit Jahren eine negative Wirkung auf die Ausbildungschancen von Hauptschulabsolvent/innen und junge Ausbildungsplatzbewerber/innen mit Migrationshintergrund. Durch das weitere Absacken des Ausbildungsplatzangebote verschärft sich das Risiko dieser Zielgruppen auf Teilhabe an einer vollqualifizierenden Berufsausbildung. So betrug beispielsweise bei den 20 bis 34-jährigen Migrantinnen und Migranten mit eigener Migrationserfahrung die Quote der nicht formal Qualifizierten 33 Prozent (2019). (Datenreport 2021, S. 10-11)

Die Ausbildungsförderung des Bundes bei außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen ist seit Jahren stark rückläufig. So wurden im Jahr 2009 noch knapp 46.000 Jugendliche gefördert (vgl. BIBB: Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2020, Bonn 2020, S. 5).  Laut aktuellem BIBB Datenreport sind die außerbetrieblichen Ausbildungsplätze nur leicht gestiegen (2021, S. 9): Die Zahl der neuabgeschlossenen Ausbildungsverträge in der außerbetrieblichen Ausbildung 2020 erhöhte sich nun um 500 (+3,6 Prozent) auf 14.900.

Im Gegensatz dazu kann nur die schulische Berufsausbildung im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen eine positive Entwicklung verzeichnen, mit einem Anstieg von 2,7 Prozent in 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt haben rund 228.300 junge Menschen in 2020 eine schulische Ausbildung begonnen. Mit 193.500 Anfängerinnen und Anfängern macht der Anteil der Berufe im Gesundheits- und Erziehungswesen den größten Anteil aus (Datenreport 2021, S.175). Umso skandalöser sind die ungleichen Ausbildungsbedingungen in den Gesundheitsfachberufen und im Beruf Erzieher/in. Besonderes Manko ist die fehlende Ausbildungsvergütung, die trotz enormem Fachkräftebedarf und Interesse der jungen Menschen, sie davon abhält diese Berufe zu ergreifen.

Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag fordert anlässlich des Berufsbildungsberichts 2021, heute im Bildungsausschuss:

  • Ein Recht auf Ausbildung (Ausbildungsgarantie) für Ausbildungsperspektiven und gesellschaftliche Teilhabe der jungen Generation
  • Gesetzliche Ausbildungsfonds (Umlagefinanzierung), damit mehr Betriebe wieder Ausbildungsplätze bereitstellen, weil ausbildende und nicht-ausbildende Betriebe die Ausbildungskosten teilen
  • Die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze in der außerbetrieblichen Ausbildung mit betrieblicher Übernahmeperspektive für unversorgte Bewerber/innen und Jugendliche mit Förderbedarf
  • Ausbildungsvergütung in Gesundheitsfachberufen und dem Beruf Erzieher/in durch bundeseinheitliche Berufsgesetze, um deren Ausbildungsbedingungen zu verbessern

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