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Industriekultur in der Energiefabrik Knappenrode

Im Wortlaut von Caren Lay,

Wie in jedem Jahr sind die Mitglieder der Fraktion DIE LINKE während der so genannten Parlamentarischen Sommerpause viel in ihren Wahlkreisen unterwegs. Vor Ort nehmen sie sich der Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger an, besuchen Betriebe und Vereine, engagieren sich für lokale und regionale Anliegen. Auf linksfraktion.de schreiben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier über ihren Sommer im Wahlkreis.

Zu Besuch in der Energiefabrik Knappenrode - hier die Kopftücher der Kohlefrauen

Von Caren Lay

Den dritten Tag meiner Sommertour unter dem Überbegriff Tourismus starteten wir in der Energiefabrik Knappenrode. Die neue Leiterin Frau Zinke erläuterte uns anschaulich die Entwicklung der letzten Jahre und Monate. Beim gemeinsamen Rundgang wurde mir noch einmal vor Augen geführt, welchen ungehobenen Schatz die Region mit der Industriekultur hat. Die ehemalige Brikettfabrik in Knappenrode feiert 2014 ihren 100. Geburtstag. Sie war eine der wichtigsten Brikettfabriken für die Versorgung der Großstadt Berlin. Noch zu DDR-Zeiten wurde hier ein "Winterkampf" geführt – d.h. in der sozialistischen Volkswirtschaft durften die Lichter nicht ausgehen. In den frühen 1990er Jahren wurde der Betrieb geschlossen, was für das gesamte Dorf die Arbeitslosigkeit bedeutete. Heute greift das Museum genau diese Geschichte auf, konserviert die Geräte und die Fabrikgebäude und macht sie der Nachwelt zugänglich.

Ich besuchte die Energiefabrik schon häufiger, freue mich über neue Exponate und Entwicklungen. Das ist nicht selbstverständlich, denn viele Jahre habe ich kritisiert, dass das reichhaltige Erbe der Arbeiter- und Industriekultur von der konservativen Landesregierung nicht ausreichend gewürdigt wird, die sich eher dem barocken Protz verpflichtet gefühlt hat. Die skandalöse jährliche Abschmelzung der Mittel wurde in der Zwischenzeit allerdings gestoppt. Das bedeutet zwar noch keine ausreichende Finanzierung der Industriekultur, aber es zeigt: Opposition lohnt sich! Ich bin schon alleine aus persönlichen Gründen ein großer Fan der Industriekultur: Mein Urgroßvater ging  "auf die Lay" - also in den Steinbruch, meine Uroma und mein Opa brachten in der Mittagspause die Suppe hinterher. Industrie- und ArbeiterInnengeschichte einen Platz im kulturellen Gedächtnis einzuräumen ist mir sehr wichtig.  Deshalb unterstütze ich selbstverständlich den Wunsch der neuen Geschäftsführerin, Frau Zinke, der Industriekultur in Sachsen endlich den Stellenwert als eigenständiger Kulturtradition einzuräumen, der ihr gebührt.

Unsere letzte Station war das Stadtmuseum Hoyerswerda im Stadtschloss. Hier wird die Geschichte der Stadt und der Lausitzer Kultur von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Neubau der Hoyerswerda Neustadt als sozialistische Musterstadt dargestellt. Leider ist die Arbeit im Museum sowie im angegliederten Zoo gefährdet. Die sächsische Landesregierung hat mit der Novelle des Sächsischen Kulturraumgesetztes vor zwei Jahren ein Streich-Konzert angestimmt, dass die Kulturschaffenden im Land nun ausbaden müssen. Alleine in der Stadt Hoyerswerda werden im nächstem Jahr 100.000 bis 400.000 Euro weniger für Kultur zur Verfügung stehen – es beschämend, wenn gleichzeitig im Bundestag abgestimmt wird, dass Milliarden für Banken ausgegeben werden.

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