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In einem Jahrzehnt 200.000 Fahrgäste, die aus Zügen evakuiert werden müssen?

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Liegengebliebene Fernverkehrszüge der DB im Zweiwochenzeitraum 29.7.-12. 8.2013

Die Vorfälle in Mainz  überdeckten teilwiese, dass im Sommer 2013 der Schienenverkehr in vielen Bereichen sich in einem miserablen Zustand präsentierte. Zwischen dem 29. Juli und dem 12. August, also in nur zwei Wochen, blieben nach einer eher zufälligen, unvollständigen Recherche mindestens fünf Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn AG auf freier Strecke liegen, sodass rund 2000 Menschen evakuiert werden mussten:

Am 29. Juli 2013 betraf dies einen IC auf der Strecke von Oldenburg nach Leipzig.  170 Fahrgäste mussten bei Hude, Nähe Oldenburg zwei Stunden ohne Klimaanlage ausharren (Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 29. Juli 2013)

Am 2. August 2013 machte der Intercity 2401 auf seinem Weg von Hamburg nach Köln auf der Höhe von Münster-Sudmühle schlapp – 300 Fahrgäste musste bei 35 Grad Celsius ohne Klimaanlage eine knappe Stunde ausharren und auf freier Strecke in einen anderen IC wechseln (Quelle:  westline.de vom 2. August 2013)

Am 5. August 2013 musste der ICE 690 auf dem Weg von München nach Berlin-Ostbahnhof auf offener Strecke in der Nähe von Langenselbold wegen „Rauchentwicklung im hinteren Triebkopf“ einen Nothalt einlegen. 500 Passagiere saßen zwischen 12.41 Uhr und 15.23 Uhr fest, bis sie evakuierrt werden und in einen ICE aus der Gegenrichtung kommend umsteigen konnten. (Quelle: hanauer.de vom 6. und vom 12. August 2013).

Am 11. August 2013 blieb der ICE 226 aufgrund eines Triebkopfschadens auf seiner Fahrt nach Amsterdam auf freier Strecke in der Nähe von Emmerich-Elten liegen. 400 Fahrgäste mussten auf freier Strecke in einen Ersatz-ICE wechseln, wobei 35 Feuerwehrleute eine Stunde lang damit beschäftigt waren, bei diesem unfreiwilligen Umsteigevorgang  behilflich zu sein (Quelle: derwesten.de vom 11. August 2013)

Am 12. August 2013 stoppte ein ICE ´“wegen starke Rauchentwicklung im Triebwagen“ seine Fahrt von Hamburg nach Dortmund in der Nähe von Bremen. 450 Reisende mussten evakuiert werden – sie wurden mit Bussen zum Bremer Hauptbahnhof gebracht. (Quelle: Berliner Zeitung vom 12. August 2013).

Wenn die hier aufgeführten Zugausfälle vollständig sein sollten – was sie sicher nicht sind – und wenn es im übrigen Jahresverlauf nur halb so viele Vorfälle wie die beschrieben geben sollte – was ebenfalls unwahrscheinlich ist (zumal hier ausschließlich Fernverkehrszüge und keine Ausfälle von Nahverkehrszügen untersucht wurden), dann werden im Jahr mehr als 20.000 Nutzerinnen und Nutzer der Bahn von Zugausfälle und der Notwendigkeit der Evakuierung betroffen. Das sind in einem Jahrzehnt 200.000 Menschen, von denen zweifellos viele aufgrund solcher Erfahrungen der Bahn für immer den Rücken kehren werden.
 

Wilfried Wolf

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