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Haftpflicht für selbständige Hebammen wird unbezahlbar

Im Wortlaut von Cornelia Möhring,

Immer weniger Hebammen sehen sich noch in der Lage, Geburtshilfe anzubieten. Mütter haben keine Wahlmöglichkeit mehr, stehen teilweise sogar ganz ohne Hebammenversorgung da. Foto: iStockphoto / Linda Yolanda

 

 

Von Cornelia Möhring, frauenpolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende

Um weitere 20 Prozent soll der ohnehin absurd hohe Haftpflichtbeitrag, der nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes in den vergangene zehn Jahren von 450 Euro auf 4250 Euro gestiegen ist, klettern. Das bedeutet, dass 5000 Euro im Jahr für selbstständige Hebammen fällig werden. Weitere Steigerungen sind für 2015 schon ankündigt. Ständig sinkt der Anteil selbständiger Hebammen. Von den 18.000 bundesweit praktizierenden Hebammen sind 60 Prozent freiberuflich tätig, wobei schon jetzt kaum noch die Geburten direkt betreut werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt längst bei der Nachsorge. Der Verdienst ist dürftig. Leidtragende dieser Entwicklung sind nicht nur die Hebammen selbst.

Die Wahlfreiheit von Frauen bei der Geburt wird Schritt für Schritt unmöglich gemacht. Anke Bastrup hat deshalb eine Online-Petition für angemessene Bezahlung der Hebammen auf den Weg gebracht. "Es gibt Hebammen, die erzählen, sie würden ihrem Beruf nur noch aus Hingabe nachgehen, leben könnten sie davon nicht. Einige gehen nach Feierabend putzen, andere, die voll im Beruf stehen, bekommen Hartz IV. Ich habe dafür keine Worte", beschreibt sie gegenüber der Tagesschau die Hintergründe für ihr Engagement. Mit mehr als 80.000 Unterschriften wurde die Aufforderung, diesen Notstand zu beenden, Anfang November an die um eine Koalition verhandelnden Parteien herangetragen.

Nun gibt es von der SPD und der CDU unendliche Absichtserklärungen, eine flächendeckende Geburtshilfe politisch durchzusetzen.

Wie dringend dies ist, zeigt die Praxis auf Sylt. Hebammen sind dort nicht mehr bereit, in der Klinik ein Geburtshaus zu betreiben, weil die Nordseeklinik wiederum keine Haftpflicht mehr für die niedergelassenen Gynäkologen ab 2014 übernehmen will. Unter solch waghalsigen Umständen, ist die Geburtshilfe durch Hebammen auf Sylt unmöglich. Die schwangeren Frauen stehen vor einer unlösbaren Notlage. Nun befasst sich das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein mit der Verweigerung durch den Hamburger Aklepsios-Konzern, den Versorgungsauftrag auf Sylt in Zukunft sichern zu wollen.