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Gleiche Chancen in der Bildung herstellen

Kolumne von Rosemarie Hein,

 

Von Rosemarie Hein, Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag für allgemeine Bildung

 

Alle zwei Jahre nimmt der Nationale Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz und des Bundesbildungsministeriums das gesamte deutsche Bildungssystem unter die Lupe. Dieses Jahr ist das Schwerpunktthema „Bildung und Migration“.

Nach wie vor beeinflusst der sozioökonomische Hintergrund von Kindern und Jugendlichen den Bildungserfolg. Die Ungleichheiten bei der Bildungsbeteiligung bleiben erhalten. Je mehr Risikolagen, desto schlechtere Perspektiven. Ein Migrationshintergrund kann diesen Umstand noch verstärken. Diese Jugendlichen erreichen mehr als doppelt so häufig wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund keinen Hauptschulabschluss. Dreimal seltener schaffen sie das Abitur. Die Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist 50 Prozent höher als die der deutschen Azubis.

Überraschend sind die Ergebnisse des Berichts eigentlich nicht. Die großen Problemlagen waren auch vorher klar, jetzt gibt’s eben neue, frische Zahlen, die das belegen. Und wahrscheinlich sieht die Bundesbildungsministerin Wanka wieder einmal rosig und wird posaunen, Deutschland sei auf dem richtigen Weg und man tue ja schon dies und das. Progrämmchen hier, Progrämmchen dort. Ich habe dafür kein Verständnis, denn es muss sich drastisch etwas ändern!

Der Bericht zeigt aber auch eine wichtige Tendenz: Es gibt dort Verbesserungen, wo es Jugendlichen mit schlechten Ausgangslagen gelungen ist, einen Zugang zu höheren Bildungsangeboten zu erhalten. Das heißt: Wir müssen weiter hart daran arbeiten, allen den gleichen Zugang zu unterschiedlichen Bildungswegen zu eröffnen und weniger auszugrenzen. Dann haben wirklich alle die gleichen Chancen. Wichtigste Aufgabe bleibt: Der Bildungsweg muss von der sozioökonomischen Herkunft endlich entkoppelt werden.

Erfreulich ist, dass immer mehr Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen. Im Bereich der frühkindlichen Bildung werden die wesentlichen Grundpfeiler, etwa die sprachliche Förderung, für die spätere Entwicklung gelegt. Das ist schwierig, wenn mehr als ein Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund Kitas besucht, in denen die Mehrheit der Kinder zu Hause ebenfalls kaum Deutsch spricht. Hier müssen zusätzliche Hilfen in Form spezieller Angebote her. Hinzu kommt, dass durch den leichten Anstieg der Geburtenzahlen und der wachsenden Zuwanderung ein höherer Bedarf in der frühkindlichen Bildung auf uns zu kommt. Um sowohl die notwendige Qualität als auch die quantitativen Veränderungen zu meistern, brauchen wir mehr gut ausgebildete Fachkräfte sowie vernünftige und nachhaltige Unterstützung für Erzieherinnen und Erzieher.

Und eines wird im Bildungsbericht auch sehr deutlich: Längeres gemeinsames Lernen hilft dabei, soziale Disparitäten abzubauen und gleichzeitig Inklusion zu fördern. Dieses Ergebnis sollte zum Anlass genommen werden, endlich flächendeckend Gemeinschaftsschulen einzurichten und langfristig das gegliederte Schulsystem zu überwinden. Das bestätigen auch die Ergebnisse der Studie zu den Gemeinschaftsschulen in Berlin. Ich erwarte von den Regierenden in den Bundesländern, den Erfolg des längeren gemeinsamen Lernens endlich zur Kenntnis zu nehmen. Wer sich immer noch für ein gegliedertes Schulsystem ausspricht, nimmt soziale Disparitäten weiter in Kauf.

linksfraktion.de, 16. Juni 2016

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