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Gesundheitsversorgung profitfrei, dafür wertschätzend!

Kolumne von Achim Kessler,

Queere, lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen erleben bis zum heutigen Tag nicht selten eine Diskriminierung, wenn sie mit ihren Anliegen medizinische oder psychologische Hilfe suchen. Insgesamt ist die gesellschaftliche Akzeptanz für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zwar vielfach gestiegen, auch gibt es Fortschritte in der rechtlichen Gleichstellung, und doch hakt es in manchen Bereichen. So auch im Gesundheitssystem. Das hat verschiedene Ursachen. Zwar werden queere Menschen nicht mehr prinzipiell pathologisiert, auf Vorurteile oder auch auf Unkenntnis beim medizinischen Personal stoßen sie trotzdem. Das erschwert eine vertrauensvolle Behandlung auf Augenhöhe. Auch fehlen vielfach spezifische Angebote, mit denen queere Gesundheit – auch präventiv – gefördert werden kann. Dazu kommt, dass der über zwei Jahrzehnte geförderte Wettbewerb und die Kommerzialisierung des Gesundheitssystems einer angemessenen Versorgung entgegenstehen. Die Finanzierung der Krankenhäuser nach Fallpauschalen lässt kaum einen sensiblen und zeitintensiven Umgang mit spezifischen Problemen zu. Bis heute fehlen darüber hinaus spezielle Studien zu Krankheitsrisiken und Behandlungsmöglichkeiten von queeren Menschen. Ebenfalls gibt es bis heute noch immer keine vollständige, transparente Kostenübernahme durch die Krankenkassen bei geschlechtsangleichenden Behandlungen. Was DIE LINKE im Bundestag grundsätzlich ablehnt, ist die medizinische Begutachtung als Voraussetzung für die selbstbestimmte Wahl der Geschlechtsidentität. Was wir brauchen, ist eine Gesundheitsversorgung ohne normativen Zwang. Eine Gesundheitsversorgung, die der Rendite und dem Zwang zum Gewinn eine deutliche Absage erteilt. Eine Gesundheitsversorgung, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist und die Verschiedenheit anerkennt.

Achim Kessler ist Sprecher für Gesundheitspolitik der Fraktion DIE LINKE im Bundestag
 

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