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Geschäft mit dem Tod boomt

Im Wortlaut,

Globaler Waffenhandel wuchs um 24 Prozent / Deutschland drittgrößter Exporteur

Von Olaf Standke

Der weltweite Waffenhandel wuchs in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Viertel, so das Friedensforschungsinstitut SIPRI in einem am Montag vorgelegten Report. Deutschland ist der drittgrößte Exporteur.

Trotz schwächelnder Wirtschaft will die indische Regierung ihre Militärausgaben im nächsten Fiskaljahr um 17 Prozent auf umgerechnet 29,4 Milliarden Euro und damit stärker als zuletzt Peking erhöhen, wie aus dem jetzt vorgelegten Haushalt für 2012/2013 hervorgeht. Die benachbarten Atommächte Indien und Pakistan liefern sich seit Langem einen Rüstungswettlauf, doch sieht Delhi inzwischen auch China als Herausforderung. Dabei habe Pakistan pikanterweise verstärkt chinesische Rüstungsgüter wie Schiffe und Kampfflugzeuge gekauft, sagt SIPRI-Experte Mark Bromley. Indien wird zu 80 Prozent von Russland beliefert.

Wie der gestern veröffentlichten Bericht der Stockholmer Friedensforscher nachweist, sind heute die fünf größten Waffenimporteure in Asien zu Hause; im Untersuchungszeitraum 2007 bis 2011 wurden 44 Prozent der globalen Rüstungseinfuhren in dieser Region registriert. Erst dann folgten Europa mit 19 Prozent, der Nahe Osten mit 17, Amerika mit elf und Afrika mit neun Prozent.

Insgesamt nahm der Handel mit konventionellen Waffen laut SIPRI im Vergleich zum Zeitraum 2002-2006 weltweit um 24 Prozent zu. Größter Waffenimporteur ist danach Indien mit zehn Prozent Anteil, gefolgt von Südkorea (sechs), Pakistan und China (jeweils fünf) und Singapur (vier). Und der Trend ist ungebrochen. Größter Posten im neuen indischen Rüstungsetat ist die geplante Anschaffung von 126 Kampfflugzeugen für rund 15,3 Milliarden Euro, wobei sich Delhi für den französischen Jet »Rafale« und damit gegen den »Eurofighter« entschieden hat – trotz eines Werbebriefs von Kanzlerin Angela Merkel.

Doch müssen sich die deutschen Waffenschmieden nicht grämen: Die Bundesrepublik ist mit neun Prozent Weltmarktanteil weiter drittgrößter Rüstungsexporteur. Mit 30 Prozent stammen die meisten Kriegsgüter aus den USA, die mit offiziell 671 Milliarden Dollar (gut 510 Mrd. Euro) 2011 zudem so viel Geld für ihr Militär ausgaben wie kein anderes Land. Die Waffenausfuhren aus Russland liegen bei 24 Prozent.

Die hiesige Rüstungsindustrie steigerte ihre Ausfuhren um 37 Prozent – das ist die höchste Zuwachsrate aller Exporteure. Weltweit wurden Waffen an 63 Länder verkauft, die wichtigsten Absatzmärkte waren Griechenland, Südkorea und Südafrika. »Die Bundesregierung heizt an führender Stelle erneut auf unverantwortliche Weise das weltweite konventionelle Wettrüsten an«, kritisierte gestern Paul Russmann, Sprecher der bundesweiten Kampagne »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!«. Sie gieße so Öl ins Feuer bestehender Konflikte, wie pax-christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann erklärte.

neues deutschland, 20. März 2012

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