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Frieden schaffen mit krummen Waffen

Im Wortlaut,

Eine Glosse von G.A. Mierend

 

Das Standard-Sturmgewehr schießt laut Untersuchungen der Bundeswehr überdurchschnittlich, und zwar ungenau – zumindest dann, wenn es zuvor durch Dauerfeuer oder Sonnenschein richtig heißgemacht wurde.

Muss Ursula von der Leyen deshalb nun 176.000 Handfeuerwaffen aus dem Bundeswehrbestand verschrotten oder nach Afrika verschleudern?

Nein, selbstverständlich nicht.

Gewusst wie

Wenn man ihre taktischen Besonderheiten beachtet, lässt sich mit dieser Waffe effektiv kämpfen. So ist es bei Einsätzen in subtropischen Regionen oder gar Wüstengebieten ratsam, den Feind durch geschickte Frontbegradigungen gen Norden zu locken (Flensburg, Kap Arkona, Helgoland) und ihn dort in kühlerer Umgebung mit Präzisionsschüssen aus nunmehr hinreichend luftgekühlten Gewehren zu attackieren.

Auslandseinsätze der Bundeswehr sollten künftig ausschließlich in den Polarzonen stattfinden. Das lässt sich langfristig erreichen, indem man durch geschickte Förderung von Oppositionskräften ("Regime-Change") die politischen Verhältnisse in Südpatagonien oder auf Spitzbergen nachhaltig destabilisiert.

Alkohol muss in den deutschen Streitkräften eine noch wichtigere Rolle spielen. Derartige Getränke erhöhen nicht nur – wie lange bekannt – die Kampfbereitschaft vor einem Sturmangriff. Sie eignen sich auch dazu, als "Zielwasser" die Ungenauigkeiten der Bewaffnung weitgehend auszugleichen. Ein Soldat, der mit dem G36 sein Ziel verfehlt, ist nicht blind, sondern nur zu nüchtern.

Wenn es der Truppe nicht möglich sein sollte, die Eingeborenen (Terroristen) nach Norden zu locken, dann kann der Kampf mit dem G36 auch bei großer Hitze erfolgreich geführt werden. Man macht den Feind wehrlos, indem man ihm möglichst viele dieser Gewehre in die Hände fallen lässt. Anschließend ist er problemlos mit Knüppeln oder Mistgabeln zu überrennen.

Multifunktionswaffe

Eine andere Variante wäre, mit dem G36 so lange ununterbrochen zu schießen, bis der Lauf eine Art Schlinge bildet, mit der man gegnerische Kräfte im Nahkampf würgen kann.

Außerdem geben die besonderen Eigenschaften der Waffe der Bundeswehr Gelegenheit zu einer beispiellosen Rekrutierungsoffensive unter Pazifisten und Philanthropen. Denn um mit dem G36 zu treffen, muss man damit gar nicht unbedingt auf Menschen zielen.

Waffenexperten plädieren schon länger dafür, die Schwachstellen der Bundeswehr zu bündeln. Als Kampfeinheit könnten defekte Flieger und marode Helikopter, ergänzt durch das G36, möglicherweise eine ganz neue Qualität ergeben. Die Fachleute versprechen sich davon "beachtliche Synergieeffekte", man müsse nur noch abwarten, in welche Richtung sich das dann bewege.

Eine Rückrufaktion ist nicht geplant. Bekanntlich werden Produkte nur wegen Mängeln zurückgerufen, durch die Menschen zu Schaden kommen können. Das ist beim G36 eindeutig nicht der Fall.

Außerdem hält Hersteller "Heckler & Koch" eine solche Maßnahme für unsinnig: "Was sollen wir mit den Dingern anfangen?" Im Gegenteil, der Waffenschmiede winken neue Aufträge und ein weiterer zahlungskräftiger Absatzmarkt.

Waidmannsheil

Im Verteidigungsministerium favorisiert man die Übergabe der derzeit von der Truppe genutzten Sturmgewehre an den Deutschen Jagdverband. Da momentan um die 370.000 gültige Jagdscheine existierten, wobei die von Psychiatern ausgestellten noch gar nicht berücksichtigt seien, fehlten urplötzlich etwa 200.000 G36. Man hoffe, dass "Heckler & Koch" kurzfristig reagieren könne. Unterstützt wird diese Lösung auch von der Tierschutzorganisation PETA, damit "wenigstens im Sommer das Abschlachten des heimischen Wildes" ein Ende habe.

linksfraktion.de, 1. April 2015

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