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»Eine solche Opposition wird gebraucht«

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Festkomitee zum 100. Geburtstag Stefan Heym gegründet

Im kommendem Jahr, am 10. April 2013, wäre Stefan Heym 100 Jahre alt geworden. Um dem Schriftsteller, Dichter und politischen Intellektuellen einen gebührenden Geburtstag zu bereiten, hat sich am 21. Mai ein Festkomitee gegründet. Zu den Unterstützerinnen und Unterstützern gehören neben Inge Heym, Peter Sodann, Daniela Dahn, Ingo Schulze und vielen weiteren auch Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE wie Petra Pau, Lukrezia Jochimsen, Thomas Nord und Gregor Gysi.

  Widerständig, kritisch und weise – das sind einige der Eigenschaften, die dem am 10. April 1913 in Chemnitz geborenen Stefan Heym im Gründungstext des Festkomitees zugeschrieben werden. Zeit seines Lebens war Stefan Heym Antifaschist, Demokrat und Sozialist. Sein Leben stand im Zeichen eines Jahrhunderts voller "Brüche, Zumutungen und Hoffnungen".    In einer Würdigung zu seinem 10. Todestag am 16. Dezember 2011 nannte Gregor Gysi Stefan Heym einen "politischen Intellektuellen", "der sich von der herrschenden Linie nicht beeindrucken ließ, der aber auch von anderen nicht vereinnahmt werden wollte", mithin "ein Garant dafür, dass nicht Geistlosigkeit das öffentliche Leben beherrschte". Das habe den "kritischen Sozialisten" Heym für ihn und viele andere so wichtig gemacht.    Vor der Macht duckte sich Heym nicht und machte sich nichts vor über ihr Wesen: "Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut." Das sagte er am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. 

Heym fühlte sich verpflichtet   Bei aller intellektuellen Unabhängigkeit, wusste Heym, wann es Zeit war, sich in den Dienst einer größeren Sache zu stellen. 1943 zog er als Deutscher jüdischer Herkunft, der inzwischen die US-Staatsbürgerschaft angenommen hatte, auf Seiten der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg.    1994 kandidierte er für die PDS für den Deutschen Bundestag. Er sah darin eine Verantwortung: "Wenn nun Menschen mir heute anbieten, mich für den Bundestag zu nominieren, damit ich sie dort vertreten kann, und zugleich mit ihnen die Ideen, für die ich immer geschrieben habe, so fühle ich mich verpflichtet, das Angebot anzunehmen."   Seine damaligen Aussagen über die Bedeutung von Opposition haben nach wie vor Gültigkeit: "Ein solche Opposition wird gebraucht in diesem Lande gegen die etablierten Parteien, wo immer die sich den Nöten der Menschen verschließen."   Über den Zustand der Gesellschaft und den historischen Punkt, an dem sie sich befinde, ließ Heym in seiner Rede als Alterspräsident zur Eröffnung des 13. Bundestages 1994 keine Zweifel aufkommen: "Die Krise, in welche hinein dieser Bundestag gewählt wurde, ist nicht nur eine zyklische, die kommt und geht, sondern eine strukturelle, bleibende, und dieses weltweit."

Seine Schlussfolgerung daraus war unmissverständlich: "Die Menschheit kann nur in Solidarität überleben. Das aber erfordert Solidarität zunächst im eigenem Lande. West - Ost. Oben - Unten. Reich - Arm."

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