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DIE LINKE fordert zum Enquêtebericht Berufliche Bildung: (Aus-)Bildungsgerechtigkeit jetzt umsetzen!

Nachricht von Birke Bull-Bischoff,

Die Ausbildungssituation ist alarmierend: Laut Bertelsmann Stiftung interessieren sich rund 77 Prozent der jungen Menschen für eine Berufsausbildung, 71 Prozent befürchten schlechte Chancen für sich selbst. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe und Unternehmen in Deutschland vormals lange bei 24 Prozent sank 2019 unter 20 Prozent (Datenreport 2021).

In der Ausbildung in der Frauendomäne der systemrelevanten Berufe im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen, bei enormem Fachkräftebedarf und einem Anstieg der Ausbildungsplätze von 2,7 Prozent in 2020 im Vergleich zum Vorjahr, gibt es keine Ausbildungsvergütung (Datenreport 2021).

Vor allem Hauptschulabsolvent/innen und junge Ausbildungsplatzbewerber/innen mit Migrationshintergrund laufen Gefahr, vom Ausbildungsmarkt in den Übergangsbereich verdrängt zu werden. 2019 lag die Anzahl der jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss und dauerhafte Erwerbsmöglichkeiten bei 2,16 Mio. (d.h. 14,7 Prozent) (Datenreport 2021).

Dr. Birke Bull-Bischoff, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und Obfrau der Enquetekommission, fordert anlässlich des heute veröffentlichten Enqueteberichts „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“:

„Wir brauchen dringend ein politisches und rechtlich verbindliches Bekenntnis für eine Ausbildungsgarantie, um der Jugend eine Zukunftsperspektive in der Arbeitswelt zu geben! Um dies zu finanzieren, brauchen wir einen branchenspezifischen Ausbildungsfond. Ausbildende Betriebe müssen endlich finanziell entlastet werden.

Sofortige Einführung einer Ausbildungsvergütung, Qualitätsstandards in der schulischen Ausbildung bei Mitbestimmung-/Schutzrechten für Gesundheitsfachberufe und den Beruf Erzieher/in durch ein Bundesausbildungsgesetz umsetzen.

Soziale Gerechtigkeit heißt Inklusion – Junge Menschen mit Startschwierigkeiten dürfen nicht abgehängt werden, deshalb keine Sonderausbildungsstrukturen für benachteiligte Jugendliche – Keine Warteschleifen in Berufsvorbereitungsmaßnahmen, sondern Integration ins Regelsystem der betrieblichen Ausbildung jetzt.“

 

Hintergrund:

In 2020 wurden 57.500 (-11 Prozent) weniger Ausbildungsverträge neu abgeschlossen als noch im Jahr davor. Davon haben Betriebe und Unternehmen in 2020: 51.300 (- 9,1 Prozent) weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr zur Verfügung gestellt (Datenreport 2021, S. 9-10). Damit fiel die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge erstmals auf einen historischen Tiefstand von unter 500.000.

Gerade bei den Gesundheitsfachberufen und dem Beruf Erzieher/in ist der Fachkräftebedarf enorm: im Jahr 2030 die Nachfrage nach Fachkräften im Gesundheits‐ und Sozialwesen mit 4,9 Mio. Vollkräften um 1,3 Mio. Vollkräfte höher liegen wird als das verfügbare Angebot. Der Anteil dieser Berufe bei der schulischen Berufsausbildung beträgt 83,3 Prozent. Der Anteil der Schulischen Berufsausbildung bei den Auszubildenden liegt bei 2Prozent (ca. 490.000 Personen)

Durch das weitere Absacken des Ausbildungsplatzangebote verschärft sich das Risiko auf Teilhabe an einer vollqualifizierenden Berufsausbildung. Bspw. bei den 20 bis 34-jährigen Migrantinnen und Migranten mit eigener Migrationserfahrung betrug die Quote der nicht formal Qualifizierten 33 Prozent (2019) (Datenreport 2021)

 

Dazu werden folgende Anträge der Fraktion DIE LINKE morgen, am 23.06.2021, im Plenum des Bundestages debattiert:

Die Fraktion DIE LINKE hat zum Enquête-Bericht ein Sondervotum (PDF) veröffentlicht.

Für weitere Informationen und Initiativen der Fraktion im Bereich Berufliche Bildung schauen Sie in unser Dossier zum Thema Ausbildung.

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