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Die Gemeinschaftsschule ist mehr als eine Ganztagsschule

Kolumne von Rosemarie Hein,

Von Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
 

 

 

In der hitzigen Auseinandersetzung um Ganztagsschulen jüngst im Bundestag wurde es wieder mehr als deutlich: die Bundesregierung ist nicht willens, an den Zuständen in Bildung ernsthaft etwas zu verändern. Sie flickschustert herum, sonnt sich in zusammengeklaubten Erfolgszahlen und wartet ansonsten darauf, dass der demographische Wandel alles regelt. Die soziale Schieflage im Bildungssystem nimmt man mit Bedauern zur Kenntnis.

Doch die SPD, so scheint es, hat auch ihren Frieden mit dem gegliederten Schulsystem gemacht und setzt nur noch auf den Ausbau der Ganztagsschulen. Ganztagsschulen können am Kernproblem – der sozialen Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen im gegliederten Schulsystem wenig  ändern, denn die unterschiedlichen Schulformen bleiben erhalten. Gymnasien bleiben auch als Ganztagsschulen Gymnasien, und Sekundarschulen oder Sekundarschulen plus – wie sie in den einzelnen Ländern auch immer heißen mögen – bleiben in einem gegliederten System immer Sekundarschulen. Von den Ganztagsschulen aber erhofft man sich alle notwendigen Reparaturen am Schulsystem. Das können sie gar nicht leisten.

Außerdem: Wir haben 16 Bundesländer, 16 verschiedene Schulsysteme mit unterschiedlichen Regelungen und überall verschiedene Lehrpläne. Im Zeitalter der Globalisierung, der Mobilität, in der immer mehr Flexibilität eine wichtige Rolle spielt, haben wir ein für das 19. Jahrhundert ausgerichtetes Schulsystem. Da wird uns allein der Ausbau von Ganztagsschulen nicht helfen.
Der Ausbau der Ganztagsschulen ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben ein Schritt zu wenig. DIE LINKE will in allen Ländern Gemeinschaftsschulen, die alle Kinder und Jugendlichen aufnehmen können. Jede Gemeinschaftsschule ist sowieso eine Ganztagsschule. Die Vorteile dieses Konzepts liegen klar auf der Hand: Schulwechsel gibt es nicht mehr, die feste Aufteilung in nach Leistung sortierten Gruppen ist unnötig. Das Lernen mit- und voneinander in heterogenen Lerngruppen hat Zukunft. Es baut auf individuelle Förderung nach den jeweiligen individuellen Fähigkeiten und Neigungen. Der Abhängigkeit der Bildungschancen von der sozialen Herkunft kann so entgegengewirkt werden.

Berlin hat es gezeigt: Gemeinschaftsschulen sind besser. Die Vergleichsstudie zur Einführung der Gemeinschaftsschulen in Berlin belegt, dass die leistungsschwachen Schüler in Berlin deutlich stärker als die in Hamburg sind. Doch auch die leistungsstarken Schüler in Berlin besser als die in Hamburg. Leistungsstarke werden also durch das gemeinsame Lernen nicht gebremst, wie immer gern behauptet wird. Auf einem Holzweg kann DIE LINKE da nicht sein.
Um auf den breiten Fundus an Erfahrungen, v.a. in Berlin aufzubauen und Perspektiven zu entwickeln, wie Gemeinschaftsschulen überall eingeführt werden können, veranstaltet die Bundestagsfraktion am 8. Juni 2013 in Berlin eine Konferenz. Alle Interessierten können sich anmelden und sich mit einbringen und mitdiskutieren.

linksfraktion.de, 3. Juni 2013