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Der LehrerInnenstreik hat gute Gründe

Im Wortlaut von Rosemarie Hein,

 

Von Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

 

Über die Arbeit von Lehrkräften gibt es jede Menge Lästerei. Doch die wenigsten, die sich da abfällig äußern, können diese Arbeit wirklich einschätzen. Arbeitszeituntersuchungen zeigen immer wieder, dass Bildungsarbeit in den Schulen nicht in einer 40-Stunden-Woche unterzubringen ist. Nicht nur die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern ist anstrengender geworden, auch die Umsetzung von neuen Bildungsstandards, die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, die Umsetzung zahlreicher zusätzlicher Aufgaben und Berichtspflichten, die Teilnahme an den unterschiedlichsten Programmen, die von Bund und vor allem den Ländern ausgedacht werden und die oft neben dem Unterricht laufen oder laufen müssen, die Arbeit mit Partnerinnen und Partnern in der Region, mit Eltern und so fort. Wer da glaubt, es reiche, vormittags Unterricht zu geben und nachmittags vielleicht ein paar Arbeiten zu korrigieren, der irrt gewaltig.

Hinzu kommen vor allem für angestellte Lehrkräfte Ungerechtigkeiten in der Bezahlung. Bis 2006 gab es eine Bundesbesoldungsverordnung, in die alle Lehrkräfte eingruppiert waren, und es galt der Bundesangestelltentarif. Seit der Föderalismusreform 2006 ist das anders. Da können die Länder ihre eigenen Besoldungsgesetze machen und es gilt für angestellte Lehrkräfte ein mit den Ländern ausgehandelter Tarif. Doch eine Entgeltordnung, in der die angestellten Lehrkräfte mit ihren unterschiedlichen Ausbildungen vergleichbar zu ihren beamteten Kolleginnen und Kollegen eingeordnet wurden, gibt es nicht. Sie wurde 2006 zwar versprochen und seit 2009 verhandelt, aber bislang ohne Ergebnis. Das hat unter anderem dazu geführt, dass angestellte Lehrkräfte deutlich weniger verdienen als verbeamtete und dazu in den Ländern noch unterschiedlich. So sind zum Beispiel in Sachsen-Anhalt Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I eine Gehaltsstufe tiefer eingeordnet als Beamte der gleichen Lehrämter. Die Föderalismusreform hat wieder einmal zu mehr Ungleichheit und Ungerechtigkeit geführt.

Außerdem wurden in den vergangenen Jahren aufgrund der Lage in den öffentlichen Kassen der Länder mehrfach Zugeständnisse von Seiten der Beschäftigten gemacht. Lehrkräfte nach Haushaltslage zu bezahlen geht aber gar nicht. Sie lehren auch nicht nach Haushaltslage, sondern mit vollem Einsatz. Darum ist es richtig, nun endlich eine Tariferhöhung zu erzwingen. Genauso wichtig ist es jedoch, dass die Vergleichbarkeit mit der Beamtenbesoldung hergestellt wird und dass alle Lehrkräfte für gleiche Arbeit auch gleiches Geld erhalten. Wenn nun die Verhandlungskommission der Arbeitgeber für eine Aufstockung ausgerechnet ein Zugeständnis bei der Rentensicherung verlangt, dann kann man das nur als ein unmoralisches Angebot verstehen. Beamte haben ihre Pensionen sicher. Die Renten der Angestellten müssen es auch sein.

Der Lehrerstreik hat also gute Gründe. Es geht um angemessene Bezahlung, es geht auch um die Würdigung dieser anspruchsvollen, gesellschaftlich wichtigen Aufgabe der Bildung junger Menschen.

 

linksfraktion.de, 9. März 2015

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