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Clara meldet sich zu Wort

Im Wortlaut,

Für drei Wochen bin (bzw. war) ich im Bereich Medien und Öffentlichkeitsarbeit der Linksfraktion im Bundestag, für ein Praktikum. Daraus ergab sich für mich die Möglichkeit selbst ein wenig Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, also diese Seite hier zu führen (neben einigen anderen Aufgaben) Die Themen ergaben sich spontan, je nachdem was mir im Praktikum so begegnete.

 

Zu mir: Ich heiße Clara, wie die Fraktionszeitung, bin sechzehn Jahre alt, und besuche die Oberstufe einer Berliner Gemeinschaftsschule.

    Freitag, 4.3.16

So, dann verabschiede ich mich noch. Heute war nach drei Wochen hier mein letzter Tag. Es war ein sehr interessantes Praktikum, eine schöne Zeit und ein wenig traurig, dass es schon vorbei ist, bin ich auch. Auf jeden Fall habe ich doch so einiges an Erkenntnissen dazu gewonnen und es war toll, all die Figuren, die man hauptsächlich aus den Medien kennt, mal persönlich kennen zu lernen, und auch zu merken wie sie so als Mensch sind. Mal ganz abgesehen von den vielen Abläufen die man kennenlernt, um zu verstehen, wie eben Politik hinter den Kulissen funktioniert.

Und ich bin mir fast sicher, dass mich die LINKE irgendwann wieder sehen wird, weil nur sie schließlich die Art von Politik macht, an der ich mich gerne beteiligen möchte.

Also dann, aud Wiedersehen

Donnerstag, 3.3.16

Jugendliche da abholen, wo sie schon sind. Ihnen auf Augenhöhe mit Authentizität begegnen. Politische Sachverhalte in einfacher Sprache erklären, und sie nicht komplizierter vorstellen als sie sind. So lässt sich sehr gut der Konsens wiedergeben. Für eine Schularbeit hatte ich nämlich in der Medien und Öffentlichkeitsarbeit ein paar Fragen rumgeschickt. Eine davon war, wie man mit den verfügbaren Medien besser junge Menschen erreichen könnte.

Den Antworten die ich bekommen habe, kann ich mich nur so anschließen. Ich finde es werden viele Punkte genannt, die ich auch wichtig finde. U.a. auch, das nicht nur Unterschiede zwischen den Generationen sondern auch innerhalb einer Generation existieren, auf die genauso eingegangen werden muss. Gesellschaften sind vielfältig, und so muss Politik auch sein. Und lebendig, dafür weniger verkopft. So dass alle das Gefühl bekommen, anknüpfen zu können um Themen zu verstehen.

„Selbst Fragen haben“, war auch ein Stichwort in einer Antwort. Mit nachfragen zeigt man Interesse, und genauso, dass man eben nicht bereits alles weiß. Außerdem begibt man sich in einen Dialog.

Es gibt viel was man in Hinblick auf die Politik anders machen könnte, um es zu einer nahbareren Veranstaltung zu machen. Quasi wieder gesellschaftsfähig.

Ich mag schimpfen und meckern nicht, über unfähige Volksvertreter*innen, und dass ja eh nichts passiert. Lieber will ich die Vorgänge verstehen und am liebsten irgendwie konstruktiv mitwirken.

Mir hat nun das Praktikum viele Einblicke geboten, was hier abläuft, neben dem was in der Tagesschau gezeigt wird. Viele Abläufe kann ich jetzt besser nachvollziehen, oder habe sie überhaupt erst kennen gelernt. Es hat das Verständnis erhöht, dafür wie vielschichtig die Prozesse in einer Demokratie nun mal sind. Außerdem wurde der Blick darauf gelenkt, was meiner Meinung nach nicht rund läuft, und dafür sorgt, dass Politik nach außen hin so wirkt, wie sie eben leider wirkt.

Mittwoch, 2.3.16

Ohne Frage ist TTIP ein riesiges Thema.

Wie es den Handel genau beeinflussen und die Verbraucher*innen Standards schwächen wird, darauf will ich gar nicht eingehen. Ich kann es ja auch gar nicht. Weil all diese Punkte geheim sind. Und darauf will ich hinaus.

Mittlerweile hat die Debatte um das Freihandelsabkommen viele Menschen erreicht. Und vielen ist bewusst, dass einen das irgendwie unmittelbar betreffen wird. Irgendwie, weil das "wie genau" nicht bekannt ist. Und hier liegt ja die Frechheit.

Das Problem bei TTIP liegt auch darin, dass es eben so umfassend ist. In den USA leben 318 Millionen Menschen. In Europa nochmal 742 Millionen. Und weil davon (fast) alle irgendetwas konsumieren müssen oder zumindest Teil von gesellschaftlichen Strukturen sind, sind wir alle von dem Abkommen betroffen. Es ist schwer, sich dem zu entziehen.

Nun finden aber die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen statt, dadurch werden wir alle entmündigt. Und das, was wir bisher überhaupt über dieses Freihandelsabkommen wissen, geht auf Geheimnisverrat zurück. TTIP ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was eben Demokratie nicht ist. Die Millionen Unterschriften dagegen scheinen schlichtweg keine Reaktion hervorzurufen, die geplante Bürgerinitiative wird mit den Worten abgelehnt, dass es sich um eine Verwaltungsangelegenheit handelt und „eine Mitwirkung der Bürger ist nicht vorgesehen“.

Wenn man anfängt das auseinander zu klamüsern…dann ist das einfach nur ärgerlich.

Das Wort Demokratie geht aus dem altgriechischen hervor und bedeutet „Herrschaft des Volkes“, was aber nur funktioniert, wenn „dem Volk“ Zugang zu Informationen verschafft wird. Daher finde ich persönlich Enthüllungsplattformen wie Wikileaks auch so wichtig. Sie stützen eine Demokratie durch Transparenz. Und Transparenz ist essenziell für eine Demokratie. Man kann nur mit handeln, wenn man Zugang zu Informationen hat.

Und so hätte ich da gar nichts gegen, wenn wir in Sachen TTIP mal einen Coup erleben könnten…und auf einmal Teile der Dokumente irgendwo auftauchen.

Das war jetzt etwas durcheinander, ich hoffe nicht zu durcheinander. TTIP wird Thema in der neuen „Klar“ Ausgabe, deren Texte ich vorhin eine wenig durchgearbeitet habe. Und das waren nun ein paar Gedanken dazu.

Dienstag, 1.3.16

Vergangenen Donnerstag fand im Fraktionsaal der Linken im Bundestag eine Veranstaltung zum „Colonia Dignidad“ statt. Anlass dazu gab die Filmpremiere, welche auf der Berlinale gezeigt wurde, zu eben diesem Thema der „Colonia Dignidad“.

Was das war, in wenigen Worten erklärt, und wie es ist vor der Kamera zu reden, darin bestand an diesem Tag die Herausforderung für mich. Aber schaut euch doch selbst an, wie ich mich so vor der Kamera mache. Wohlgemerkt war es das erste Mal für mich, dass ich das ausprobiere. Nun also hier der Link: Claras Blick hinter die Kulissen

Montag, 29.2.16

Am Freitag, nach dem Statement von Cornelia Möhring, zu der neuen Facebook-Seite des Frauenbereichs der Linksfraktion, wo ich zum Aufnehmen mitkommen durfte, ging es noch zum Büro von Gregor Gysi. Er war angefragt, sich ebenfalls kurz vor die Kamera zu stellen, um Glückwünsche zum achten März zu formulieren.

Seit 1911 schon gibt es jedes Jahr den internationalen Frauentag. Damals gingen 45.000 Frauen, überwiegend Sozialistinnen, allein in Berlin auf die Straße. Um das Wahlrecht für Frauen zu fordern. Auch in Dänemark, Österreich-Ungarn, Bulgarien, der Schweiz und in den USA fanden Demonstrationen statt, insgesamt trieb es eine Million Frauen auf die Straße. Jedoch noch auf verschiedene Tage verteilt. Erst 1921 wurde der Internationale Frauentag auf den 8. März festgelegt. Bis dahin hatten sich bereits weitere Länder der Bewegung angeschlossen.

Seitdem findet jedes Jahr, bis auf Ausnahmen zum Beispiel in der NS-Zeit, am achten März der internationale Frauentag statt. Mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Nachdem 1918 in vielen Staaten Europas das Frauenwahlrecht eingeführt war, bildeten andere Themen, wie der Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 oder weniger frauenspezifischen Themen wie Kampf dem „Krieg und Naziterror“ (1931-1932), die Schwerpunkte.

Auch heute geht es immer noch um Forderungen zur Gleichstellung der Frauen. So nennt Gregor Gysi beispielsweise als Punkt „gleichen Lohn für gleiche Arbeit und auch gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit“. Es geht darum den Begriff der typischen „Frauenberufe“ von der verankerten Konnotation der Minderwertigkeit zu lösen. Er nennt zu diesem Anlass auch wieder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die nötig sei um überhaupt das Kinderkriegen wieder attraktiver zu machen.

Tatsächlich finde ich es doch immer wieder erstaunlich, wie klar es eben immer noch bestimmte „Frauenberufe“ gibt, wie fast selbstverständlich Frauen im Durchschnitt immer noch weniger verdienen. Und wie, auch fast ebenfalls selbstverständlich, noch in meiner Generation Geschlechterklischees reproduziert werden.

So ist seit über hundert Jahren, der internationale Frauentag keinesfalls überflüssig geworden, da man von Gleichstellung, die vom Papier bis in die Köpfe reicht, noch ein Stück entfernt ist.

Freitag, 26.2.16

Zugegebener Maßen hat das Wort Feminismus nicht das beste gesellschaftliche Image, leider. Dass es trotzdem ein Thema ist, welches alle (nicht nur Frauen!) betrifft, sollte einem spätestens jährlich zum equal pay day bewusst werden (dieses Jahr der 19. März). Aber gleiche Bezahlung ist nur ein kleiner Part den das Wort umfasst.

Aus der Linksfraktion gab es bisher drei Mal im Jahr die „Lotta“, eine Zeitung nur für Frauenpolitische Themen. Zum achten März, Internationaler Frauentag, wird diese Struktur nun verändert. In Zukunft gibt es zwar die „Lotta“ nur noch einmal im Jahr als Schwerpunktheft, dafür kommt im Gegenzug eine Facebook Seite online: „linkerfeminismus“.

Womit sich die Seite beschäftigen wird erklärt Cornelia Möhring in einem kurzen Statement, bei dessen Aufzeichnung ich heute mitkommen durfte. Sehr sympathisch erläutert sie, dass es um Gleichberechtigung in allen Bereichen geht, um eine gerechte Gesellschaft. Aber auch um eine Zeitaufteilung in der für alle Arbeit und Familie Platz finden.

Von der Facebook Seite verspricht sie sich mehr Politik von unten und Diskussionen mit interessierten Menschen. Weil nämlich linker Feminismus „Politik von oben richtig doof findet“. Stattdessen sollen grundlege feministische Themen breit und vielfältig gemeinsam erläutert werden.

Das heute mit Cornelia Möhring aufgenommene Statement kommt dann pünktlich zum 8. März als erster Post auf die Facebook Seite. Und wer sich ihr Verständnis von linkem Feminismus angehört hat, wird merken, was für ein offener und vielseitiger Themenbereich das ist. Und ich würde mir wünschen, dass der Start der Seite gut anläuft, und künftig damit viele erreicht werden. Also viel Erfolg dafür! :D

Donnerstag, 25.2.16

Politik funktioniert nur, wenn alle erreicht werden, und alle sich vertreten fühlen. Ich denke die Aussage kann man so in den Raum stellen.

Aber inwiefern ist das ansatzweise so? Die Mehrheit der Abgeordneten ist zwischen 65 und 51 Jahre alt. Klar, gibt es auch einzelne die Ende Zwanzig sind, (es sind genau fünf Personen) diese helfen aber nicht das Bild der Öffentlichkeit zu beeinflussen.

Und wen wundert es da, wenn jüngere Menschen sich mit Sorgen und Anliegen nicht verstanden und ernstgenommen fühlen?

Die Mehrheit der Abgeordneten arbeitet im Verwaltungs-, Rechts- oder Bildungswesen. Womit wieder nicht der gesellschaftliche Durchschnitt dargestellt wird. Im Bundestag sitzt fast das Sechsfache an Beamten (17,8%), von dem was einem im normalen Alltag begegnen könnte (3,1%). Handwerkliche Berufe sind so gut wie gar nicht vertreten.

Ein Problem dieser Alters- und Berufsstruktur liegt darin, dass eben nicht alle Sichtweisen und Sorgen in der Gesellschaft widergespiegelt werden können. Da sie nun mal im Parlament nicht vorhanden sind.

Nun kann ich nur noch aus meiner Perspektive schreiben. Ich merke, wie eben viele Jugendliche in meinem Alter von dem herkömmlichen Politikbetrieb nichts wissen wollen, und eben nicht das Gefühl haben, dass es Interesse an ihren Ansichten gibt. Dabei sind sie, sind wir, die zukünftige Generation.

Eine Lösung wäre, der Jugendpolitik mehr Raum zu geben, zum Beispiel Bildung einen höheren Stellenwert einzuräumen (Schließlich verbringen wir einen großen Teil des Tages in Schulen oder Ausbildungen). Jugendzentren zu fördern, statt sie vor eine Schließung zu stellen (wie zum Beispiel in der Potsdamer Straße 180). Räume und Foren zu schaffen , in denen man sich wirklich einbringen kann. Und Förderprogramme für junge Menschen in der Politik, um das Gefühl zu schaffen, das das Parlament der „alten Herren“ veränderbar ist.

Mittwoch 24.2.16

Letzte Woche im Plenarsaal lief eine Debatte über die Ehe für alle.

Seit den Protesten rund um den Bildungsplan in Baden-Württemberg, und den unzähligen Talkshows in denen Birgit Kelle und Kirchen Vertretungen ihre Sorgen zu einer Ehe Öffnung kundtun konnten, verfolge ich das Thema aufmerksam. Wohlgemerkt mit Kopfschütteln. Alles in allem bleibt mir das Verständnis für die Gegner der Ehe für Alle verschlossen. Auch die Argumentation, dass man das Grundgesetz vorher ändern, und den besonderen Schutz der Ehe aufheben müsse (Art. 6: (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.) verstehe ich ausschließlich als Missbilligung. Schließlich geht es bloß um eine Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare. Und dieses Symbol der Akzeptanz und Offenheit steigert den Wert der Ehe eher, denn das er geschmälert wird.

Und wo man schon beim Grundgesetz ist: Art. 3: (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden

Eigentlich reicht hier der erste Absatz. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Und dies sollte auch so umgesetzt werden, und zwar ganz ohne Änderung des Grundgesetzes, schließlich bleibt ja der besondere Schutz unangetastet. Nur werden jetzt mehr Ehen besonders geschützt.

Harald Petzold fing seine Rede, zur oben erwähnten Debatte, mit den Worten, dass nun der Gesetzentwurf zur Ehe für alle bereits 850 Tage vorliege, an. 850 Tage sind etwa zweieinhalb Jahre, in denen die große Koalition ihre Bedenken hätte ausreichend überwinden können. Oder einfach den Auftrag zur Volksvertretung beim Wort nehmen könnte. 79% Zustimmung (Quelle: thinkoutsideyourbox) ist schließlich ganz schön ordentlich. Insofern wäre auch eine Volksabstimmung nach irischem Vorbild endlich eine Idee. So direkte Demokratie ausprobieren…  

Montag, 22.2.16

Bildung und Ausstattung von Schulen ist ein leidiges Thema. Weil immer das Geld fehlt. Ich gehe selbst jetzt elf Jahre zur Schule, und habe in dieser Zeit viele Schulen von innen kennengelernt. Eins verbindet all diese Schulen, egal wie unterschiedlich die pädagogische Ausrichtung auch war: Geld ist nie genügend vorhanden.

Ich kenne aus den Gremien an der Schule die jahrelangen Kämpfe, wenn es nur um Geld für neue Toiletten geht. Und das ist sozusagen die kleine Spitze des Eisbergs, wo die Unterfinanzierung anfängt. Dann sind wir unterbesetzt. Uns fehlen mehrere Lehrer*innen. Aussicht auf neue Einstellungen gibt es aber eigentlich nicht, da es vom Senat aus keine Mittel gibt. Was dazu führt, dass viele schon über der Belastungsgrenze arbeiten, seit Jahren. Dazu kommt noch, dass unser Gebäude deutlich zu klein ist (mit 100 Personen überbelegt). Aber das ist Alltag und fällt schon fast nicht mehr auf.

Umso stärker ist nun der Kontrast, wenn man die Ausstattung für die Fraktionen kennt. Allein die bauliche: Es gibt hier nirgends Platzmangel, die Technik funktioniert…und es gibt sogar Internet (was wir an der Schule durchaus auch gebrauchen könnten) Da wird man schon neidisch, auf einen Arbeitsplatz, wo nicht dauernd etwas fehlt.

Ich denke es ist klar was ich deutlich machen will: Die Finanzierung von Schulen in Deutschland ist eine Frechheit. Nicht nur zu wenig Geld im Etat, auch die Bürokratie, um von dem Geld etwas zu erhalten….da sitze ich bisweilen staunend vor Unglauben in den Gremien.

Mit Zahlen lässt sich das auch belegen: Deutschland gibt zwar pro Kopf etwas über dem Durchschnitt von Europa für Bildung aus, aber die Frage ist, ob ein Vergleich mit wirtschaftlich deutlich schwächeren Ländern wie Rumänien und Bulgarien angebracht ist. Repräsentativer ist hier der Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts, der für Bildung ausgegeben wird. Traditionell schneidet dort Deutschland schlecht ab. Deutlich unter dem Durchschnitt (Quelle bpb, 2008, BIP Durchschnitt EU: 5.07%; Deutschland 4,55%; Spitzenreiter Dänemark: 7,75%). Mit diesem Wert liegt Deutschland im unteren Drittel der EU Staaten. Ähnlich schlecht sieht es im OECD-Durchschnitt aus: Der Wert liegt wieder bei 4,4% des BIPs in Deutschland. Der OECD-Durchschnitt ist hier aber sogar bei 5,3% (Werte diesmal Jahr 2012) damit fehlen bis zum Durchschnittswert 18,5 Milliarden im deutschen Bildungsetat.

Das sind die Zahlen. Was dies sozial ausmacht kann man sich fast denken. Natürlich fühlt man sich nicht gefördert, und auch nicht ausreichend ernstgenommen. Dabei könnte man eigentlich erwarten, dass, wenn man es so ausdrücken will, in den Schulen nun mal die Zukunft einer Gesellschaft heranwächst, die in einem so reichen Land wie Deutschland doch gute Bedingungen haben sollte. Das Gefühl, welches stattdessen ankommt ist leider ein anderes, es schürt Frust.

Freitag 19.2.16

Vom letzten Text schaffe ich es auch irgendwie den Bogen zu spannen zu dem Recherchethema mit welchem ich mich die letzten Tage beschäftigt habe: Vermögensentwicklung.

Wir waren also bei Transparenz, die für eine gesunde Demokratie und damit auch für eine Gesellschaft, die sich ernstgenommen fühlt, wichtig ist. Jetzt kann man mit einem weiteren Faktor für Gesellschaften und deren Gleichgewicht anknüpfen. Das wäre Gerechtigkeit und faire Verteilung von Vermögen.

Und wie weit man entfernt ist von einer nur im Ansatz gerechten Verteilung, zeigten zu Beginn dieses Jahres auch die neuen Oxfam zahlen. 1% der Weltbevölkerung besitzt nun mehr als die restlichen 99% und die 62 reichsten Personen der Welt so viel, wie die Ärmeren 50%. Das klingt reißerisch, spiegelt letztendlich aber nur eine Entwicklung wieder. Denn, auch wenn die Zahlen immer nur ungefähr, stimmen, die Methodik mit der sie erhoben werden ist jedes Jahr die gleiche. Und jedes Jahr wächst das Kapital der Milliardäre, und für die anderen bleibt immer weniger. So kommt es auch zum Titel der diesjährigen Oxfam Studie „An Economy for the 1%“, was deutlich machen soll, für wen die derzeitige Wirtschaftsordnung eigentlich den Profit bringt.

Diese Entwicklung kommentiert Warren Buffet übrigens so: „Seit zwanzig Jahren tobt ein Klassenkampf, und meine Klasse hat gewonnen“. Aktuell ist er der drittreichste Mensch auf Erden, mit einem Vermögen von 72,7 Milliarden US-Dollar. Wenn man das umrechnet und verteilen würde: 908 Dollar sofort Zuschuss für die gesamte Bevölkerung Deutschlands, angesetzt mit 80 Millionen. Oder 72.700 Dollar sofort Unterstützung für eine Million Geflüchtete….man kann wunderbare rechen Experimente mit so einer großen Zahl starten. Für mich als Schülerin auch eine schöne Überlegung, wenn man eine Schule für zwei Millionen komplett sanieren möchte, dann könnte man von der Summe 36.350 Schulen zu schönen Lernorten ausstatten. Einziger Haken: Dafür bräuchte natürlich die Öffentliche Hand das Geld, und nicht das Konto einer Privatperson.

Dienstag 16.2.16

Wenn man schon mal bei lebendiger Demokratie ist…da ist der Sprung thematisch zur transparenten Demokratie auch nicht mehr weit. Wie viel von dem was in den Parlamenten besprochen wird, ist überhaupt erreichbar für die „normale Bevölkerung“? Fangen wir dazu einmal bei der Architektur des Regierungsviertels an: Dazu zählen neben dem Bundestag mehrere Gebäude: Das sehr große Jakob-Kaiser-Haus, Das Paul-Löbe-Haus und auch das Elisabeth-Lüders Haus. Bei all diesen wurde architektonisch viel Glas verwendet. Und vor allem sind es mehrere, in dem Sinne, nicht besonders hohe Gebäude, zwischen denen man an der Spree herum laufen kann. Abgeordnete trifft man hier jedoch eher selten. Dies ist auch gar nicht nötig, da fast das gesamte Viertel durch Tunnelgänge oder Brücken verbunden ist. D.h. in dem Sinne muss man sich nicht in die Öffentlichkeit wagen.

Vermittelt werden soll nichtsdestotrotz das Bild des/der gläsernen Abgeordneten. Und des offenen Regierungsviertels. Hinzu kommen die für Besucher (nach Anmeldung) offenen Plenarsitzungen und auch Fraktionssitzung die nur teilweise geschlossen sind. Vom Aufbau her, ist es also alles andere als ein abgeriegelter Apparat. (Was mir als Praktikantin sehr zugute kommt, da sobald man einen Hausausweiß hat, man sich frei bewegen und ohne Probleme an einer Fraktionssitzung teilnehmen kann.)

Doch das ist erst ein Eindruck den ich von innen gewonnen habe. Von außen betrachtet ist das Bild ein anderes. Wenn in den Nachrichten Berichte über TTIP laufen, von den Verhandlungsunterlagen die streng geheim gehandhabt werden, oder über den NSA-Untersuchungsausschuss, welcher auch unter verschärfter Geheimhaltung tagt, dort bekommt man den Eindruck, das politische Beteiligung nicht gewünscht, bzw. das man schlichtweg hintergangen und um wichtige Informationen betrogen wird. Ein Gefühl das für keine Gesellschaft vorteilhaft ist, sondern im Gegenzug, durch die dort geschaffene Resignation regelrecht gefährlich ist.

Und, um an die Frage anzuknüpfen, wie Politikverdrossenheit begünstigt wird: Geheime Verhandlungen und unzugängliche Informationen könnten ein Faktor sein. Und genau daher ist für eine ehrliche Demokratie Transparenz so wichtig.

Montag, 15.2.16

Dass Politik doch langweilig sei, den Satz habe ich schon zu häufig gehört. So hielt sich auch die Euphorie, mit der ich von meinem Praktikumsplatz bei der Linksfraktion im Bundestag erzählte, bei meinem Gegenüber gelegentlich doch eher in Grenzen. Aber muss das sein? Muss das Image der Politik und der Abgeordneten verstaubt und langweilig sein? Oder liegt es an den Themen? Oder, noch eine weitere mögliche Ursache, an der Art wie politisches Geschehen nach außen getragen wird?

Nun, letzteres kann ich in den kommenden drei Wochen genauer untersuchen. Schließlich ist das die Hauptaufgabe der Abteilung Medien und Öffentlichkeitsarbeit der Linksfraktion im Bundestag: Informationen, Einschätzungen, Initiativen nach außen hin zu kommunizieren. Und dies so ansprechend und interessant wie möglich. Die Möglichkeiten hierfür sind vielseitig. Klar, es gibt ganz klassisch zum Beispiel diese Homepage hier. Oder noch viel klassischer: Die Zeitungen der Fraktion DIE LINKE: Zum einen meine Namensvetterin die Clara, hinzu kommt die Frauenzeitung Lotta, und zu guter Letzt die Klar. Das sind umfassende, mit viel Arbeit gestaltete Möglichkeiten sich über Politik zu informieren. Doch ein Phänomen, welches sich generell abzeichnet ist, dass junge Menschen immer weniger Zeitung lesen. Was fast automatisch zu der immer größer werdenden Rolle der sogenannten neuen Medien führt. Diese Entwicklung ist auch in der Politik ein bewusstes Element. So wird hier in der Öffentlichkeitsarbeit getwittert, Facebook immer up to date gehalten und auch einen Youtube Account hat die Fraktion. Somit hat jede*r die Möglichkeit sich nach Herzenslust zu erkundigen, was da grade so los ist im Parteigeschehen.

Doch inwieweit kommt das grade bei jungen Leuten, so in meinem Alter an? Sicher ist, das die Facebook Seite von Taylor Swift mit über 74.100.000 gefällt mir Angaben um ein Vielfaches populärer ist als die von Gregor Gysi, welcher jedoch unter den deutschen Politiker*innen bereits Platz zwei der meisten likes belegt (1. Platz: Angela Merkel – 1.805.100; 2. Platz Gregor Gysi - 362.602, Quelle: Pluragraph) Musik ist also auf jeden Fall beliebter, als sich mit komplexeren Vorgängen in der Politik auseinander zu setzen.

Aber ist das nicht eigentlich total schade? Die Verantwortung für das was in den Parlamenten geschieht wird gänzlich abgegeben. Darf man bei einer Wahlbeteiligung von unter 50% überhaupt noch von lebendiger Demokratie sprechen?

   

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