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Behindertensport fordert Gleichberechtigung

Im Wortlaut von Ilja Seifert,

Paralympics 2010: Deutsches Rollstuhlcurling Team beim Auftaktspiel in Vancouver / Ilja Seifert gratuliert Martin Braxenthaler zur ersten Goldmedaille

In einem nichtabgedruckten Leserbrief vom 19. Februar an die Tageszeitung Neues Deutschland schrieb Ilja Seifert: "Das … am 4. März erscheinende Buch 'Vancouver 2010' von Heinz Florian Oertel und Kristin Otto kommt zu früh. Vom 12. bis 21. März finden in Vancouver die X. Paralympics statt. Die Nichtberücksichtigung dieses Sportereignisses schmälert den Wert des Buches, und ich empfinde es auch als unsportliches und unsolidarisches Verhalten gegenüber den Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderungen."

Leider ist dieses Buch symptomatisch für die unterschiedliche Behandlung des "normalen" Leistungssports im Vergleich zum Behindertensport. Die Bundesregierung fördert die Sportlerinnen und Sportler sehr unterschiedlich, und für die Deutsche Sporthilfe ist bei der Prämierung die Paralympische Medaille nicht mal ein drittel Wert im Vergleich zu einer Olympiamedaille.

Diese Ungerechtigkeiten waren auch mehrfach Gesprächsthema während der Reise einer Delegation des Sportausschusses des Bundestages nach Vancouver. Trotzdem ist das Paralympics-Team hoch motiviert und bestens vorbereitet - das beweisen die bisherigen hervorragenden Leistungen.

Und es gibt auch Fortschritte: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen sowie Rundfunk und Zeitungen berichteten wie schon von den Paralympics 2008 in Peking umfassender als bisher über die Wettkämpfe. So konnten auch viele Menschen in Deutschland an den spannenden Wettkämpfen und den hervorragenden sportlichen Leistungen der zwanzigköpfigen Paralympics-Mannschaft teilhaben.

Persönlich konnte Ilja Seifert in Whistler Martin Braxenthaler zum Gewinn der ersten Goldmedaille beim Slalom gratulieren. Ihm, der vierfachen Goldmedaillengewinnerin Verena Bentele und den anderen Medaillengewinnern bei den Paralympics gratulierte auch Gregor Gysi mit persönlichen Schreiben im Namen der Bundestagsfraktion DIE LINKE. Dabei versprach er, "dass DIE LINKE sich weiterhin und noch verstärkt für eine gleichwertige Förderung des Behindertenleistungssports wie des 'normalen' Leistungssports einsetzen wird."

Die Bundestagsdelegation und Schirmherr Ilja Seifert trafen sich am 10. März mit dem Rollstuhl-Curling-Team in Vancouver beim Training. Zwei Tage später feuerte die Delegation das Team beim ersten Spiel gegen den zweifachen Weltmeister Norwegen an. Das deutsche Team gewann das Auftaktspiel mit 10:6, schaffte aber leider mit drei Siegen und sechs Niederlagen in der Vorrunde nicht den Einzug ins Halbfinale.

Am 21. März enden die X. Winter-Paralympics und die Deutsche Mannschaft wird mit ihren vielen Medaillen zu Hause sicher herzlich begrüßt. Für die Politik bleibt die Aufgabe, den berechtigten Forderungen des Behindertensports Rechnung zu tragen - im Breiten- und im Leistungssport. Dazu gehören barrierefreie Sportanlagen und Trainingsmöglichkeiten ebenso wie die bezahlbare Ausstattung mit Sportgeräten und Hilfsmitteln, qualifizierte Trainer/innen und Betreuer/innen und weitere im Leistungssport übliche Förderungen. Über 350 000 sportlich aktive Menschen mit Behinderungen und ihre ca. 20 000 meist ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer haben - auch nach der seit einem Jahr in Deutschland rechtskräftigen UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 30 - ein recht auf gleichberechtigte Teilhabe am Sport.

Von André Nowak

linksfraktion.de, 20. März 2010

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