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Arme erkranken häufiger an Diabetes

Im Wortlaut von Birgit Wöllert,

 

Von Birgit Wöllert, Obfrau der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag im Ausschuss für Gesundheit

 

Heute, zum Weltgesundheitstag, steht die Volkskrankheit Diabetes im Mittelpunkt. Weltweit ist die Krankheit auf dem Vormarsch. 80 Prozent  der weltweit 1,2 Millionen Menschen, die an den Folgen von Diabetes sterben, kommen aus Entwicklungsländern. In Deutschland hat sich Diabetes mit offiziell rund sechs Millionen Betroffenen längst zu einer Volkskrankheit entwickelt.

Wie das Robert Koch-Institut in seiner Gesundheitsberichterstattung Ende 2015 feststellte, hat die soziale Lage der Menschen einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und die Lebenserwartung. Das gilt auch für Deutschland. Die mittlere Lebenserwartung bei Geburt ist in der niedrigen Einkommensgruppe im Vergleich zu Personen mit hohem Einkommen bei Männern um 10,8 Jahre und bei Frauen um 8,4 Jahre verringert. Das ist ein Armutszeugnis für unser reiches Land.

Armutsvermeidung wissentlich verhindert

Trotz wortreicher Verkündungen wird von der Bundesregierung hier nicht entscheidend gegengesteuert. Im Gegenteil: Armutsvermeidung und die Reduzierung gesellschaftlicher Ungleichheit wird von den Bundesregierungen der letzten Jahre wissentlich verhindert – obwohl davon auch das obere Einkommensviertel gesundheitlich profitieren würde. Stattdessen nimmt die Ungleichverteilung in Deutschland seit Jahren kontinuierlich zu.

Daran erinnert auch der der diesjährige Schwerpunkt des Weltgesundheitstags. Denn auch bei Diabetes gilt in Deutschland: Arme sind erheblich häufiger betroffen als Reiche. So beträgt der Anteil der Erkrankungen an Diabetes in Deutschland bei Frauen mit niedrigem Einkommen und Status 11,8 Prozent, bei Frauen mit mittlerem Einkommen und Status 7,3 Prozent und bei Frauen mit hohem Einkommen und Status 3,2 Prozent.

Schlechte Lebensverhältnisse befördern Krankheiten

Mit Verhaltensappellen an die Menschen für mehr Bewegung und gesunde Ernährung wird man dem Problem nicht beikommen. Wenn schlechte Lebensverhältnisse Krankheiten befördern, ist es vordringliche Aufgabe der Politik, diese Lebensverhältnisse zu verbessern. Dazu gibt es keine Aktivitäten dieser Regierung. Sie richtet Prävention weiterhin vor allem auf das individuelle Verhalten aus, nach dem Motto: Wer sich nicht richtig verhält, ist selbst schuld, wenn er/sie krank wird.

Es wird Zeit, dass die Regierung die Erkenntnisse der eigenen Gesundheitsberichterstattung nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern auch zur Grundlage ihres politischen Handelns macht. Die beste Gesundheitsförderung besteht deshalb darin, allen eine gute Lebensperspektive zu eröffnen. Mit der breiter werdenden sozialen Kluft und der um sich greifenden Unsicherheit sind stattdessen auch die gesundheitlichen Unterschiede größer geworden.

Eine ernst gemeinte Gesundheitsförderung stellt die gesamten Lebensbedingungen ins Zentrum der Politik. Das aber wird von dieser wie auch den Vorgängerregierungen konsequent und bewusst ignoriert. Die systematische Verletzung des Menschenrechts auf die bestmögliche Gesundheit wird damit wissentlich in Kauf genommen. Auch bei Diabetes.

linksfraktion.de, 7. April 2016

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