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Antifaschistin mit Leidenschaft und Esprit

Im Wortlaut von Gesine Lötzsch,

 

Gesine Lötzsch, François Hollande und Beate Klarsfeld in Paris nach der Verleihung des Ordens der Ehrenlegion. Foto: Georges Wojakowski

 

Von Gesine Lötzsch

 

Ich weiß nicht, ob es ein Zufall war. Am 20. Juli hielt Bundespräsident Gauck eine Rede bei einer Feststunde der Bundesregierung zur Würdigung der Hitler-Attentäter. Am gleichen Tag flog ich nach Paris, weil im Élysée-Palast Beate und Serge Klarsfeld vom französischen Präsidenten François Hollande für ihr Lebenswerk gewürdigt wurden. Sie erhielten die Auszeichnung „Ordre national de la Légion d'honneur“.

Beate und Serge wurden auf Grund ihres besonderen Engagements bereits 1983 bzw. 1984 in den Kreis der Ehrenlegion aufgenommen. Nun wurden beide erneut befördert. Sie haben erheblich zu der Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern beigetragen, darunter Kurt Lischka, Klaus Barbie oder Alois Brunner. Die Klarsfelds haben mit allen Mitteln versucht die deutsche Justiz zu zwingen, Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen. Dabei haben sie ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Auch heute noch haben beide den Mut nicht verloren und unterstützen zum Beispiel die Opferfamilien von Oradour-sur-Glane.

2009 wurde Beate Klarsfeld mit dem Georg-Elser-Preis ausgezeichnet. Sie  bekam aber bisher in Deutschland noch keine staatliche Auszeichnung für ihr antifaschistisches Engagement. 2012 stellte DIE LINKE Beate Klarsfeld als Präsidentschaftskandidatin auf. Bemerkenswert war, dass Präsident Hollande in seiner Rede die Kandidatur hervorhob. Ihre Leidenschaft, ihr Esprit, ihre Anliegen beeindrucken auch außerhalb Frankreichs, so die ausdrückliche Würdigung.

Als Parteivorsitzende hatte ich Beate Klarsfeld 2009 als Kandidatin der LINKEN für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen. Die anderen Parteien sind sehr unwürdig mit unserer Kandidatin umgegangen. Keine andere Fraktion hatte Beate Klarsfeld zu einer Vorstellung eingeladen. Das ist ein sehr unübliches Verfahren. Ganz schlimm war die Springer-Presse im Umgang mit Beate Klarsfeld. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie mit der DDR kooperierte, um Nazi-Verbrecher vor Gericht zu stellen. Sie ließ den Vorwurf an sich abperlen. Sie erklärte, dass sie auch gern mit der bundesdeutschen Justiz kooperiert hätte, wenn diese kooperationsbereit gewesen wäre.

Mehrmals schlug die Linksfraktion im Bundestag Beate Klarsfeld für das Bundesverdienstkreuz vor – bis heute wurde es ihr nicht verliehen. Bisher hatten alle deutschen Regierungen diesen Vorschlag abgelehnt. Das ist ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass Beate Klarsfeld nur das gemacht hat, was eigentlich die Aufgabe deutscher Ermittlungsbehörden gewesen wäre.

Gauck sagte bei der Feierstunde zum 70. Jahrestag des Hitler-Attentats: „Der 20. Juli (...) erinnert uns an das, was wir wollen, was wir können möchten und was wir leben sollten: mutig zu unseren Werten zu stehen. Dazu gehört, dass wir uns nicht mitschuldig machen, wenn anderen Unrecht geschieht“.

Die logische Konsequenz aus seinen Worten sollte sein, dass Präsident Gauck die Lebensleistung von Beate Klarsfeld anerkennt und sie mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnet. Denn Beate ist eine mutige Antifaschistin, die ihr ganzes Leben dafür eingesetzt hat, dass Unrecht verfolgt wird und die Schuldigen des NS-Massenmordens ihre gerechte Strafe bekommen.

linksfraktion.de, 30. Juli 2014