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Ein Rentnerehepaar als Miniaturfiguren auf einem Haufen Euro-Münzen © iStock/macgyverhh

Altersgerechte Arbeitsbedingungen statt immer höhere Regelaltersgrenze

Nachricht von Matthias W. Birkwald,

Matthias W. Birkwald, Rentenexperte der Fraktion DIE LINKE, erklärt anlässlich der von Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, vorgebrachten Forderung nach einer Debatte über einen weiteren Anstieg der Regelaltersgrenze über 2031 hinaus:

„Dass immer mehr Ältere rentenversicherungspflichtig beschäftigt sind, ist grundsätzlich erfreulich. Es ist allerdings ärgerlich, dass diese Tatsache dazu missbraucht wird, um einen immer weiteren Anstieg der Regelaltersgrenze zu fordern. 

Man kann die von Präsidentin Roßbach zitierten Zahlen auch so lesen: Mehr als jeder Zweite der 60- bis 64-Jährigen ist nicht rentenversicherungspflichtig beschäftigt – und auch wenn man Beamte, Selbstständige und Freiberufliche abzieht, bleiben viele Ältere übrig, die es nicht so lange im Beruf aushalten. Die Regelaltersgrenze liegt derzeit bei etwa 66 Jahren und wird bis 2031 auf 67 Jahre weiter angehoben werden. Vor allem Beschäftigte mit körperlich oder psychisch anstrengenden Berufen schaffen es allerdings bereits heute kaum, bis zu ihrem 60. Geburtstag durchzuhalten.

Eine immer weiter steigende Regelaltersgrenze bedeutet für sie: Mehr Rentenkürzungen und somit mehr Altersarmut nach einem knüppelharten Erwerbsleben. Anstatt einen immer späteren Renteneintritt zu fordern, sollte man sich eher Gedanken darüber machen, wie es gelingen kann, dass es deutlich mehr Menschen bis zur bereits jetzt geltenden Regelaltersgrenze schaffen. Wir brauchen eine andere Arbeitskultur, in der Unternehmen viel mehr Ältere einstellen und in der sie altersgerechte Arbeitsplätze bieten mit Tätigkeiten, die Menschen bis zum Rentenalter ausüben können.

Derzeit haben wir mit 18,6 Prozent den niedrigsten Rentenbeitragssatz seit 20 Jahren. Wenn man die Rente erst ab 67 zurücknähme, müsste der Beitrag für die Rentenversicherung nur um 0,5 Prozentpunkte erhöht werden. Eine Durchschnittverdienerin oder einen Durchschnittsverdiener mit 3.462 Euro brutto im Monat würde das lediglich 8,65 Euro kosten. Den gleichen Betrag müsste der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin zusätzlich in die Rentenkasse zahlen. Ich habe noch keinen einzigen Menschen getroffen, der wegen eines solchen Betrags zwei Jahre länger arbeiten wollte. Für DIE LINKE ist daher klar: Ab 65 muss jede und jeder abschlagsfrei in Rente gehen dürfen – und wer 40 oder mehr Beitragsjahre vorweisen kann, schon ab 60.“

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