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Abgeordnete in ihren Wahlkreisen unterwegs für queer

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Andrej Hahn, Sachsen, Kreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge
Auf Einladung des CSD Pirna e.V. nahm ich an der Kundgebung und dem Hissen der Regenbogen- und Transgenderfahne vor dem Pirnaer Rathaus teil, und hielt dort auch ein Grußwort. Denn bis heute ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Regenbogenfahne vor öffentlichen Gebäuden - wie eben auch in Pirna vor dem Rathaus - gehisst werden darf. Eines ist ja wohl unbestritten: Die hundertprozentige Gleichstellung ist immer noch nicht erreicht. Und so lange Menschen aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität benachteiligt, diskriminiert, verfolgt werden und Gewalt erfahren, so lange müssen und werden wir gemeinsam für ihre Gleichstellung und Rechte kämpfen. Dennoch haben wir als Linke in den letzten Jahren einiges erreicht: Die Rehabilitierung und Entschädigung der nach Paragraf 175 StGB verurteilten schwulen Männern, die "Ehe für Alle", die Umsetzung der dritten Option neben dem männlichen und weiblichen Geschlecht im Personenstandsregister. Die dabei immer noch existierenden diskriminierende Hürden gehören abgeschafft.  


Simone Barrientos, Bayern, Würzburg
Aus dem queeren Leben in und um Würzburg ist das WuF-Zentrum nicht wegzudenken - das Schwullesbische Zentrum. Gegründet Anfang 1972 als Homophiler Diskussions- und Arbeitskreis, bietet es LGBTI-Menschen Unterstützung, Information und Beratung an.  Darüber hinaus treffen sich hier regelmäßig offene Gruppen. Sie reichen von der Initiative lesbischer und schwuler Eltern über die Telefonberatung Rosa Hilfe bis hin zur Jugendgruppe DéjàWü. So jedenfalls ist es normalerweise. Mit Corona änderte sich einiges. Zwar finden seit Anfang Juli wieder Begegnungen statt, doch Wichtiges musste abgesagt werden. Dazu zählt der Popchor Sotto Voce und auch die einmal monatlich stattfindende Popular GayDisco. Das ist für das WuF-Zentrum besonders schmerzlich, denn sie ist eine der Haupteinnahmequellen des Vereins. Queere Menschen, die ihre Wahlfamilie oft außerhalb der traditionellen Familienstruktur gefunden haben, sind auf solche Community-Anlaufstellen angewiesen. Eine aktuelle Studie besagt, dass  knapp die Hälfte aller LGBTI-Personen in Bayern schon mindestens einmal Diskriminierung erfahren hat. Mir als Bundestagsabgeordnete aus Würzburg ist es deshalb wichtig, mich mit solchen bestehenden Initiativen und Vereinen wie das WuF-Zentrum zu solidarisieren.
 

Michel Brandt, Obmann im Ausschuss für Menschenrechte
Die Corona-Krise hat uns alle getroffen, besonders aber die Frauen. Meine große Sympathie gilt dem FKK, dem Feministischen Kollektiv Karlsruhe. Jeden Sommer richtet das FKK mit großem Einsatz und Kreativität das Lady*fest aus, bei dem eine bunte Mischung aus Feminist*innen und queeren Menschen zusammenkommen. In diesem Jahr fiel es leider aus, klar wegen Corona. Um trotzdem miteinander in Kontakt zu bleiben, gründeten sie einen wöchentlichen online Lesekreis.  Genannt "Caliban und die Hexe", dafür nutzten sie anfänglich zoom, stiegen aber schnell auf Jitsi (Open Source) um. Zur Gruppe gesellten sich drei weitere Mitstreiterinnen. Durch die Pandemie stieg auch die Gefahr von Gewalt gegen Frauen, und so klebten die Aktivistinnen – um das Hilfsangebot in so einem Fall sichtbar zu machen - Aufkleber mit der Frauennotrufhotline. Ein solidarisches Verhalten, für das ich ihnen dankte. Die "Danke"-Plakataktion der Stadt Karlsruhe während der Corona-Krise reichte den Feministinnen nicht aus, und so schrieben sie selbst  einen Forderungskatalog.  Unter dem Titel "An euren Taten werden wir euch messen" schickten ihn den an die Gemeinderäte und Gemeinderätinnen. Dazu gehörte unter anderem die Forderung, in Karlsruhe die Hotels für Frauen in Not wie auch für Prostituierte zu öffnen.


Bernd Riexinger, Stuttgart:
In meiner Heimatstadt Stuttgart existiert eine engagierte und kämpferische LSBTTIQ-Community. Sie organisiert - auch während der aktuellen Coronakrise - viele Solidaritätsaktionen, fördert Zusammenhalt und betreibt Netzwerkarbeit. Mit Leidenschaft führt sie den politischen Kampf für Gleichberechtigung und Toleranz. Dass es diese Community gibt, daran hat Laura Holding-Hoppenheit großen Anteil. Die  Mitbegründerin des legendären Stuttgarter Kings-Club, dem ersten Szenelokal für schwule Männer in Deutschland, war und ist bundesweit in vielen queeren Initiativen engagiert. Seit dem Jahr 2014 ist sie darüber hinaus Stadträtin für DIE LINKE im Stuttgarter Gemeinderat. Mit ihr verbindet mich seit vielen Jahren der gemeinsame Kampf gegen jede Form der Diskriminierung. Die LSBTTIQ-Community, ihre Institutionen und Infrastrukturen benötigen überall politische Unterstützung. Es braucht finanzielle und soziale Schutzschirme auch für Lebensweisen jenseits der behaupteten Norm.

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