Zum Hauptinhalt springen

15 Jahre Bologna – Europa für Studierende geht anders!

Im Wortlaut von Nicole Gohlke,

Foto: Uwe Steinert

 

Von Nicole Gohlke, hochschul- und wissenschaftspolitische Sprecherin der Fraktion

 

1999 unterzeichneten 29 europäische Bildungsminister_innen in Bologna eine Erklärung zur Schaffung eines europäischen Hochschulraumes. So schön die Ziele von Bologna klangen - auch noch 15 Jahre danach ziehen Studierende und Lehrende eine äußerst kritische Bilanz.

Mit dem Bolognaprozess sollten verschiedene Ziele erreicht werden: Durch eine vereinfachte Anerkennung und Vergleichbarkeit der erbrachten Studienleistungen sollte die Mobilität europaweit steigen, durch die Zweiteilung des Studiums in einen berufsorientierten Bachelor und einen stärker wissenschaftlichen Master die Qualität des Studiums insgesamt angehoben werden. Beide Ziele wurden so deutlich verfehlt, dass die eigentlichen Motive der Bolognareform immer offensichtlicher wurden. Denn im Vordergrund der Reform standen wohl vor allem die Kürzung der Bildungszeiten und eine stärkere Selektivität beim Zugang in die Wissenschaft - ganz im Sinne des neoliberalen Umbaus der Hochschulen, im Sinne von Exzellenz und Wettbewerb.

Die Situation der Studierenden hat sich mit der Einführung des Bachelor-Master-Systems in vielen Bereichen gravierend verschlechtert. Um nach bereits drei Jahren fertig ausgebildet für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, wurden die Prüfungs- und Arbeitsbelastung im Studium massiv erhöht. Unflexible Studienverlaufspläne und Modularisierung machen eine Schwerpunktsetzung nach eigenen Interessen immer schwerer möglich. Kritisches Denken und die Reflexion der bestehenden Gesellschaft mit wissenschaftlicher Methode haben nur noch selten Platz im Studium. Und dadurch, dass jede Hochschule ihre eigenen spezifischen Studiengänge konzipiert, ist ein Wechsel an eine andere Hochschule – sogar in der selben Stadt – mangels Kompatibilität und Anerkennung der erbrachten Leistungen oft unmöglich geworden.

Dennoch behauptet die Bundesregierung, Bologna sei auf einem guten Weg und wirbt mit führenden DAX-Konzernen und Wirtschaftsvertretern für den Bachelor. Die Wirtschaft begrüßte von Anfang an mehrheitlich den Bachelor - erhoffte sie sich doch mehr an den Bedürfnissen des jeweiligen Arbeitgebers ausgebildetes Fachpersonal, das aber zugleich weniger hohe Lohnforderungen stellen kann als wissenschaftliches Personal oder Absolvent_innen mit Magister oder Diplom. Fragt sich also - für wen ist Bologna auf einem guten Weg? Die zunehmende Trennung von Forschung und Lehre, wie sie auch durch die Reformen vorangetrieben wird, und die massenhafte Dequalifizierung der Fachkräfte zur Senkung der Lohnkosten sind zumindest nicht im Sinne der Studierenden.

So sehr DIE LINKE einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum begrüßt, um so dringender heißt es für uns, für eine grundlegende Reform von Bologna einzutreten. Wir kämpfen für ein Studium, das diesen Namen auch verdient. Ein erster Schritt dafür wäre, den Master für alle BachelorabsolventInnen zu öffnen, die Hochschulen mit öffentlichen Mitteln auszufinanzieren und so den europäischen Konzernen die Einflussnahme auf die Finanzierung von Lehre und Forschung und auf die Ausgestaltung des Studiums wieder zu entziehen.

linksfraktion.de, 14. Februar 2014

Auch interessant