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Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Themenpapiere der Fraktion

Psychische Belastungen nehmen in der Arbeitswelt durch steigenden Leistungsdruck und schlechte Arbeitsbedingungen drastisch zu. Immer mehr Arbeit muss in der gleichen Zeit erledigt werden. Arbeit am Abend oder am Wochenende, Überstunden und ständige Erreichbarkeit werden zur Normalität. All das führt zu Stress, lässt die Menschen erschöpfen und krank werden. Burnout ist die neue Volkskrankheit.

Die Unternehmen verlagern ihr unternehmerisches Risiko zunehmend auf die Beschäftigten. Sie führen gezielt Marktmechanismen in die innerbetriebliche Organisation ein: Einzelne Abteilungen oder Standorte eines Unternehmens treten in Konkurrenz um die besten Monatsergebnisse. Auch in Kliniken und in der Pflege wird an der Wettbewerbsschraube gedreht: In einem atemberaubenden Tempo werden Stellen gestrichen, um Personalkosten zu sparen. Das gleiche bewirken die Spardiktate des Staates im öffentlich finanzierten Sektor. Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter. Die Beschäftigten müssen immer mehr in der gleichen Zeit leisten. Seien es mehr Patientinnen und Patienten, seien es mehr Kunden, seien es kürzere Takte am Band.

Auch die gnadenlose Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in den vergangenen Jahren fördert psychische Belastungen bei der Arbeit. Befristungen, Leiharbeit, Werkvertragsarbeit, niedrige Löhne, entgrenzte Arbeitszeiten – bei all dem ist ein rasanter Anstieg zu verzeichnen. Das führt zu Unsicherheit, Überlastung und fehlender Planbarkeit.

Im Jahr 2001 gab es 33,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage für psychische und Verhaltensstörungen. Im Jahr 2010 ist diese Zahl auf 59,2 Millionen Tage angestiegen. Auch die Zugänge in Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen zu. Bei den Männern sind sie von 19.087 im Jahr 2000 auf 31.698 im Jahr 2010 angestiegen. Bei den Frauen hat sich die Zahl von 19.950 auf 39.248 sogar verdoppelt.

Die Fraktion DIE LINKE schlägt folgende Maßnahmen vor, um psychische Belastungen bei der Arbeit zu reduzieren:

  1. Eine Anti-Stress-Verordnung ist zu erlassen. Das Personal und die Kontrollen der Gewerbeaufsichtsämter sind erheblich aufzustocken und Verstöße stärker zu ahnden. Für Krankenhäuser, Pflegeheime, die ambulante Versorgung und die häusliche Pflege fordern wir eine verbindliche, bundesweit einheitliche Personalbemessung sowie Regelungen zur Mindestpersonalbemessung.
  2. Die Arbeitszeit muss an den Bedürfnissen der Beschäftigten ausgerichtet werden. Wir brauchen verbindliche Ansprüche der Beschäftigten auf familiengerechte Arbeitszeiten. Es bedarf klarer Regeln, wann tatsächlich Freizeit ist, in der Beschäftigte weder erreichbar sein noch auf Abruf bereit stehen dürfen. Abend-, Wochenend- und Schichtarbeit müssen auf ein unvermeidbares Ausmaß reduziert werden.
  3. Betriebs- und Personalräte brauchen erzwingbare Mitbestimmungsrechte bei Fragen der Gestaltung der Arbeitsaufgabe, der Arbeitsorganisation, des Arbeitsumfeldes und bei der personellen Ausstattung des jeweiligen Arbeitsbereichs, um bei Arbeitsverdichtung und Personalmangel aktiv werden zu können. Darüber hinaus sind erzwingbare Mitbestimmungsrechte bei wirtschaftlichen Fragen und bei Fragen der strategischen Ausrichtung notwendig. Mehr Eigenverantwortung muss mit einem Mehr an Einflussnahme einhergehen.

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