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Pflegeausbildung

Themenpapiere der Fraktion

Die Anforderungen an die Pflegeberufe haben sich verändert. Deshalb muss die Ausbildung der Pflegeberufe weiterentwickelt werden. Die vollständige Trennung in Altenpflege, Gesundheitskrankenpflege und (Kinder-)und Säuglingskrankenpflege entspricht nicht mehr dem Stand der Pflegewissenschaften. Pflegerische Kernkompetenzen lassen sich nicht aufgrund des Alters der zu Pflegenden unterscheiden. Dennoch ist ein gewisser Grad an Spezialisierung nötig. Bei der Pflege von Kindern oder älteren Menschen sind andere Fachkenntnisse erforderlich als bei der pflegerischen Versorgung nach einem Unfall. Eine Reform der Pflegeausbildung muss eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten und Pflegebedürftigen gewährleisten und gleichzeitig die Pflegeberufe attraktiver machen. Vor allem in der Altenpflege eine Aufwertung der Tätigkeit der Fachkräfte nötig. Das muss sich in der Qualifikation und der Vergütung niederschlagen.

Die Große Koalition möchte die Pflegeausbildungen zu einem gemeinsamen Berufsbild zusammenführen („generalistische Pflegeausbildung“). Dadurch würden die spezifischen Qualifikationen der Bereiche verloren gehen, vor allem in der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege. Der Gesetzesentwurf eines Pflegeberufsgesetzes 2015 lässt eine ausreichende Spezialisierung innerhalb der Ausbildung durch ausreichende Praxisphasen nicht zu. Es besteht die Gefahr einer Schmalspur-Pflegeausbildung, die lediglich für die Arbeitgeber Vorteile hat. Diese können die generalistischen Pflegefachkräfte in unterschiedlichen Bereichen nach ihrem Gusto flexibel einsetzen. Die Qualität der Pflege und die Ansprüche der Pflegefachkräfte an ihre eigene Arbeit bleiben auf der Strecke. Eine generalistische Ausbildung widerspricht zudem den aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes. Der schulische Charakter wird überbetont und geht zu Lasten der betrieblichen Ausbildung.

DIE LINKE fordert die Integration der Pflegeberufe zu einer dreijährigen dualen Ausbildung mit unterschiedlichen Abschlüssen in Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege. Im Anschluss an die zweijährige Grundausbildung soll sich eine einjährige Schwerpunktsetzung anschließen. Den Wildwuchs der Pflegeassistenzberufe und der zusätzlichen Qualifikationsstufen in der Pflege lehnen wir ab, weil er sich negativ auf die Qualität der Pflege auswirkt. Eine solche „Zerstückelung“ der Pflege führt dazu, dass akademisch ausgebildete Fachkräfte die Pflege planen, strukturieren und beaufsichtigen, während Pflegehelferinnen und -helfer die Pflege am Menschen ausführen. Hier steht eine ökonomische Sichtweise im Vordergrund. Die Pflege wird dabei aus ihrem sozialen und persönlichen Zusammenhang herausgelöst. DIE LINKE meint dagegen, dass Pflege ganzheitlich sein muss. Kurzausbildungen bieten keine attraktiven Berufsperspektiven und schaffen keine Durchlässigkeit zu höheren Qualifikationsstufen. Deswegen soll unserer Meinung nach der Zugang zu den Pflegeberufen auch künftig über eine dreijährige Berufsausbildung erfolgen mit 10 Jahre allgemeiner Schulbildung als Voraussetzung.

Die bundeseinheitliche Pflegeausbildung nach dem Konzept der LINKEN soll nach dem Berufsbildungsgesetz erfolgen, damit eine Ausbildungsvergütung mit Sozialversicherungspflicht und ein Ausbildungsrahmenplan gewährleistet sind. Ein betrieblich-arbeitsrechtlich ausgestaltetes Ausbildungsverhältnis stellt im Unterschied zu einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung die Anwendung arbeitsrechtlicher Schutzbestimmungen sicher sowie die gesetzlichen und tariflichen Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Die Finanzierung über eine Ausbildungsumlage ermöglicht eine gebührenfreie und qualifizierte Ausbildung.

Um Durchlässigkeit im Bildungssystem zu gewährleisten, soll die dreijährige Pflegeausbildung der Zugang zu Hochschulstudiengängen in Pflegewissenschaften, Pflegemanagement oder Lehramt ermöglichen. Das ist wichtig für eine gute Wissensbasis in der Pflege und eröffnet Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven.

 

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