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Intergeschlechtlichkeit

Themenpapiere der Fraktion

Intergeschlechtliche Menschen sind Menschen, die von ihrem biologischen Erscheinungsbild männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen. Gebräuchlich sind auch die Ausdrücke Zwitter und Hermaphroditen. In jüngster Zeit wird mehr der Begriff Intergeschlechtlichkeit verwand statt Intersexualität, da es eben um zuerst um die Geschlechtlichkeit und nicht die Sexualität des Menschen geht. Nach unterschiedlichen Schätzungen leben etwa 8.000-80.000 intergeschlechtliche Menschen in Deutschland. Obwohl die Fraktion DIE LINKE und die Vorgängerfraktion PDS bereits seit den 1990er Jahren auf die schweren Menschenrechtsverletzungen hingewiesen haben, die durch Medizin und Recht an intergeschlechtliche Menschen verübt wurden, ist es erst in den letzten Jahren zu einer verstärkten Aufmerksamkeit durch die Bundesregierung gekommen. Mit dem Bericht des Deutschen Ethikrats im Februar 2012 und einer öffentliche Anhörung im Familienausschuss des Deutschen Bundestags im Juni 2012 wurde nochmals deutlich, dass viele intersexuelle Menschen ohne ihre Einwilligung im Kindesalter operiert wurden, um sie einem Geschlecht zuzuordnen. Dies hatte erhebliche physische und psychische Folgen bis hin zu Suiziden In der vergangenen Legislaturperiode wurde sogar eine Interministerielle Arbeitsgruppe zu dieser Thematik gegründet. Diese erarbeitete zwar gute Vorschläge, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Erst das Bundesverfassungsgericht zwang den Gesetzgeber zum Handeln. Zwar existierte seit dem 31.1.2012 erstmals im Personenstandsrecht, eine Regelung, dass bei der Geburt eines intergeschlechtlichen Kindes kein Geschlechtseintrag vorzunehmen sei. Doch das Gesetz ignorierte, die übrigen intergeschlechtlichen Menschen. Im Dezember 2018 hat der Deutsche Bundestag erstmals auch die Möglichkeit „divers“ als dritten Geschlechtseintrag ermöglicht, doch der Personenkreis wurde stark eingegrenzt.

Leider hat eine Studie der Humboldt-Universität aus dem Jahr 2017 nachgewiesen, dass trotz Änderung der Ärzterichtlinien und der öffentlichen debatte über intergeschlechtliche Menschen die geschlechtsangleichenden frühkindlichen Operationen weiterhin auf einem hohen Niveau sind. Eine Folgestudie vom Januar 2019 kommt zu einem ähnlich erschreckenden Ergebnis. Hier sieht DIE LINKE dringenden Handlungsbedarf.

Die Fraktion DIE LINKE fordert weitergehende Maßnahmen:

  • eine umfassende Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzung und eine Entschuldigung des Gesetzgebers für das erlittene Leid
  • ein Verbot geschlechtsangleichender Operationen vor der Einwilligungsfähigkeit der Betroffenen sowie
  • einen unbürokratischen Fonds, um die Betroffenen von frühkindlichen Operation finanziell zu unterstützen
  • Grundsätzlich, dass alle Menschen frei und ohne Hürde ihren Personenstand und ihren Vornamen wählen dürfen.

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