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Hebammen

Themenpapiere der Fraktion

Egal ob im Krankenhaus, im Geburtshaus oder bei der Nachbetreuung der gewachsenen Familie zuhause – überall gibt es zu wenig Hebammen. Das hat viele Gründe:

So hat die Koalition Ende 2018 zwar ein Gesetz beschlossen, wonach jede neue Pflegestelle in den Krankenhäusern von den Kassen bezahlt wird, aber die Hebammen nicht miteinbezogen. Auf den Hebammen lastet daher nach wie vor der volle Kostendruck des unsäglichen Krankenhauswettbewerbs. Statt aber Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in Angriff zu nehmen, will die Bundesregierung erst einmal ein Gutachten zur Situation erstellen lassen. Kann man machen, aber wenn das ein Vorwand ist während der Zeit der Erstellung des Gutachtens nichts zu tun, dann ist das wieder verschwendete Zeit. Denn wir wissen auch ohne Gutachten, dass es zu wenige Hebammen in den Krankenhäusern gibt.

Es gibt auch immer weniger Kreißsäle. Das hängt mit der Art der Vergütung zusammen. Jede Geburt wird dem Krankenhaus grundsätzlich mit demselben Euro-Betrag vergütet. Krankenhäuser, die viele Geburten „machen“, haben geringere Kosten pro Geburt und damit bleibt ein Gewinn. Krankenhäuser, in denen es nur wenige Geburten gibt, haben hohe Kosten und machen daher Verlust. Die Hebammen fordern zurecht eine gute Betreuung der werdenden Mütter. Die ist wichtig, damit im Kreißsaal nicht vorschnell zum Skalpell gegriffen wird. Tatsächlich wissen wir aber, dass es z.B. im Saarland eine um 55 Prozent höhere Kaiserschnittrate gibt wie in Sachsen. Medizinisch ist dies nicht erklärbar, nur ökonomisch. Dieses Vergütungssystem, das rein ökonomisch ausgerichtet ist, ist auch Teil der Probleme der Hebammen. Wir fordern, dass Krankenhäuser, genau das Geld erhalten, was sie ausgeben (müssen). Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die international übliche 1:1-Quote, also dass eine Hebamme nur eine Geburt gleichzeitig betreut, muss auch in Deutschland Standard werden. Davon sind wir weit entfernt.

Auch international unüblich ist, dass es keine akademische Hebammenausbildung gibt. Zwar fordert die EU das schon jahrelang ab 2020, aber die Bundesregierung hat bisher ihre Hände in den Schoß gelegt. Nun muss es ganz schnell gehen; es bleibt zu hoffen, dass trotzdem noch ein gutes Studium herauskommt.

Bei den freiberuflichen Hebammen fordert DIE LINKE schon seit Jahren Verbesserungen bei der Vergütung. Was da bisher herausgekommen ist, z.B. Sicherstellungszuschläge und Anhebung der Betriebskostenpauschale, ist vielleicht ein Anfang, kann uns aber nicht zufriedenstellen. Denn wenn man bedenkt, dass wir einen Mangel an Hebammen haben, gleichzeitig viele ausgebildete Hebammen den Beruf aufgegeben haben, viele Hebammen in den nächsten 10 bis 15 Jahren in Ruhestand gehen, zudem die Zahl der Geburten steigt, dann ist es höchste Eisenbahn, den Beruf attraktiver zu machen. Sonst werden die Mütter, Kinder und Väter oft ohne Hebamme auskommen müssen.


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