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Gemeinschaftsschule

Themenpapiere der Fraktion

 

In Deutschland hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie in kaum einem anderen Industrieland. Ein maßgeblicher Grund für die sozialen Ungerechtigkeiten in der Bildung ist die frühe Aufteilung der Kinder auf verschiedene Schulformen. Nirgendwo sonst werden Kinder oft im Alter von zehn Jahren auf verschiedene Schulformen sortiert. Nur in Deutschland wird so früh über ihre Zukunft entschieden. Die Hälfte der Grundschülerinnen und Grundschüler bekommt keine angemessene Schulempfehlung. In der Regel schicken Lehrerinnen und Lehrer Akademikerkinder aufs Gymnasium. Arbeiterkinder haben bei gleicher Leistung im Durchschnitt zweieinhalbmal weniger Chancen auf eine Gymnasialempfehlung. Besonders betroffen vom ausgrenzenden Schulsystem sind Kinder von Migrantinnen und Migranten. Sie werden durch das System benachteiligt und nicht ausreichend gefördert. Kinder mit Behinderungen sind zur Zeit vom allgemeinen Schulsystem fast vollständig ausgeschlossen und müssen oftmals auf die Sonderschule. Die Folgen der sozialen Auslese sind fatal. Schwächen werden verstärkt statt ausgeglichen.

Wir LINKE wollen das mehrgliedrige Schulsystem überwinden und setzen uns stattdessen für „eine Schule für alle“ ein. Voraussetzung für den Lernerfolg aller Schülerinnen und Schüler – der sogenannten „leistungsstarken“ und der „leistungsschwächeren“ – sind kleinere Klassen, der Ausbau von Ganztagsschulen und mehr sozialpädagogische Betreuung. Die Bildungsausgaben müssen massiv erhöht und mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Alle Erfahrungen belegen: Je länger gemeinsam gelernt wird, desto besser die Ergebnisse aller. In der Grundschule driften die Leistungsergebnisse der Schülerinnen und Schüler nicht so weit auseinander wie nach der Aufteilung in verschiedene Schulformen. Viele Bundesländer wollen dagegen lediglich die Haupt- und Realschulen zusammenlegen und die Gymnasien erhalten. Dies ist aus Sicht der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag keine Überwindung der sozialen Auslese, sondern zementiert die Zwei-Klassen-Bildung. Solange die Schulformen nicht qualitativ gleichwertig sind, werden die Besserverdienenden ihre Kinder auf die Gymnasien schicken. In der Gemeinschaftsschule können die Schülerinnen und Schüler von der ersten Klasse bis zum Abitur gemeinsam und individuell lernen. Sie können entsprechend ihrer Leistungen dort alle Schulabschlüsse machen – bis hin zum Abitur. An Gemeinschaftsschulen gibt es kein zwangsweises Sitzenbleiben und keine feste Aufteilung in nach Leistung sortierten Gruppen (sog. äußere Fachleistungsdifferenzierung). Dafür gibt es verschiedene Angebote, die den Interessen und Neigungen sowie dem individuellen Lernen der Schülerinnen und Schüler Rechnung tragen. Eine neue Kultur und eine neue Atmosphäre des Lernens stehen im Mittelpunkt der Gemeinschaftsschule. Individuelle Förderung wird großgeschrieben. Unterschiedlichkeit wird angenommen und unterstützt. Deswegen sind Gemeinschaftsschulen auch von ihrem pädagogischen Verständnis her inklusive Schulen.

In Berlin hat die LINKE in der Landesregierung das Gemeinschaftsschulkonzept umgesetzt. Mittlerweile liegen erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung vor. In allen Gemeinschaftsschulen hat sich der Anteil der leistungsstarken Schülerinnen und Schüler zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten deutlich erhöht. Diese Ergebnisse entkräften endgültig die Märchen der Gemeinschaftsschulgegener. Von der individuellen Förderung in den Gemeinschaftsschulen profitieren nicht nur die Leistungsschwachen sondern auch die Leistungsstarken. Gemeinschaftsschulen sind die Schulen der Zukunft.

 

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