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Drittmittelförderung an Hochschulen

Themenpapiere der Fraktion

Das Aufkommen von Drittmitteln an Hochschulen hat sich von 1995 bis 2010 verdreifacht, die
Grundmittel wuchsen im selben Zeitraum lediglich um gut 30 Prozent - also etwa 2 Prozent jährlich und damit kaum über der Inflationsrate (Stat. Bundesamt 2012). Das Verhältnis von Grundmitteln, die eine eigenmotivierte Forschung ermöglichen, zu wettbewerblichen Drittmitteln hat sich dramatisch verschoben. Drittmittel machen heute 27 Prozent der Hochschulbudgets aus.
Knapp zwei Drittel der Drittmittel kommt aus öffentlicher Hand: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist der größte Mittelgeber für die Hochschulforschung (1,6 Milliarden Euro), gefolgt von der gewerblichen Wirtschaft (1,2 Milliarden Euro). Für die Hochschulfinanzierung ist auch die direkte Forschungsförderung des Bundes (963 Millionen Euro) von großer Bedeutung. Aber auch von der Europäischen Union (431Millionen Euro) sowie von Stiftungen (340 Millionen Euro, Zahlen von 2008) erhielten die Hochschulen Drittmitteleinnahmen in beträchtlicher Höhe. Auch die Zuschüsse aus der Exzellenzinitiative sind als Drittmittel zu werten und werden über die DFG ausgeschüttet. Über Drittmittel wird fast ausschließlich Forschung finanziert.

Für die Hochschulentwicklung bedeuten steigende Drittmittelanteile große Probleme: Es ist den Akteuren in den Hochschulen kaum vorzuwerfen, dass sie angesichts der sinkenden Grundfinanzierung neue Quellen erschließen. Dies hat jedoch weitreichende Konsequenzen für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Die private Wirtschaft nimmt über Stiftungslehrstühle, Sponsoring und Forschungsprojekte Einfluss auf die Inhalte von Forschungstätigkeit. Aber auch öffentliche Drittmittel, vergeben durch FachgutachterInnen, Kommissionen und Ministerien, haben strukturverändernde Wirkung. Öffentliche Drittmittelgeber rücken bestimmte Fragestellungen des wissenschaftlichen Mainstreams - vorrangig in Natur- und Technikwissenschaften - in den Mittelpunkt, während andere innovative Forschungsfelder etwa in den Sozial- und Kulturwissenschaften unterfinanziert sind. Zudem hat die Prekarität der Drittmittelfinanzierung mit kurzen Förderzeiträumen auch Auswirkungen auf die Beschäftigungsbedingungen des wissenschaftlichen Personals. Besonders im Mittelbau und bei NachwuchswissenschaftlerInnen geht der Trend zu immer kürzeren Verträgen und immer häufigeren Befristungen. Die Bundesregierung hat im Jahr 2007 diesen Trend mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) noch unterstützt und die unbefristete Befristung für Arbeitsverträge auf Drittmittelbasis legalisiert.

Aus linker Sicht ist das Verhältnis zwischen Dritt- und Grundmitteln aus der Balance geraten. Die eigentliche Aufgabe der Universitäten, freie Wissenschaft, rückt dadurch immer weiter in den Hintergrund. Die Fraktion DIE LINKE setzt sich daher für eine ausfinanzierte Grundlagenforschung an Universitäten und Hochschulen ein, die durch Bund und Länder gemeinsam geleistet werden sollte. Zudem wollen wir die Gemeinkostenpauschalen bei einer Förderung durch die DFG oder Bundesministerien sofort auf 40 und mittelfristig auf 60 Prozent erhöhen, um einen Auszehrungseffekt durch Drittmittel zu vermeiden. Drittmittel sind nicht per se ein Ausweis besonders hoher Qualität in der Forschung und sollten daher kein Kriterium für die Verteilung der Grundfinanzierung etwa im Rahmen leistungsbezogener Finanzierungssysteme sein.

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