Skip to main content

Boden

Themenpapiere der Fraktion

Boden ist neben Wasser und Saatgut die zentrale Produktionsgrundlage der Landwirtschaft. Die Rationalisierung und damit einhergehende Produktivitätsentwicklung ermöglicht immer größere Einheiten, die mit immer weniger Menschen bewirtschaftet werden können. Größere Maschinen und ein verstärkter Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden machen aber den Böden zu schaffen. Gleichzeitig ist Ackerboden in den Blick spekulativer Finanzströme geraten. Diese Entwicklung führt zu steigenden Boden- und Pachtpreisen. In Ostdeutschland wird der Effekt durch den politischen Auftrag verstärkt, ehemals volkseigenen Boden zu Höchstgeboten an Private zu verkaufen.

Mit der Rationalisierung steigt die Kapitalintensität der Landwirtschaft. Auch in der globalen wirtschaftlichen Verflechtung wird der Einfluss des Kapitals auf die Bodenmärkte immer größer. Exzesse beim Landgrabbing nehmen nicht nur in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu, sondern werden auch zunehmend zu einem Phänomen in den Industrieländern, beispielsweise in Ostdeutschland. Zudem hat der zeitweise ungesteuerte Boom der Energiepflanzen Monokulturen und Preisexplosionen verursacht.

Weil verfügbarer Boden immer knapper wird, steigt die Bodenrendite für viele LandeigentümerInnen allein durch diese Wettbewerbssituation - ohne dass die Ertragsfähigkeit bzw. Bodenfruchtbarkeit der Böden entsprechend zunehmen. Den wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern nutzt dies oft wenig, denn sie wollen den Boden nicht verkaufen, sondern Nahrungs- und Futtermittel produzieren. Nutznießer sind vor allem Bodenspekulanten.

Böden sind jedoch nicht nur Wirtschaftsgut. Sie sind genauso für den Erhalt der biologischen Vielfalt von Bedeutung. Ist es auf den ersten Blick zwar nicht sofort erkennbar, so wird es bei genauerer Betrachtung deutlich: Zahlreiche Insekten, Würmer, Pilze und unterschiedlichste Mikroorganismen leben auf und im Boden. Zudem wirkt die Beschaffenheit des Bodens auf das Klima. Gesunde Böden nehmen aus der Atmosphäre große Mengen Kohlenstoff auf und sind somit ein wichtiger Faktor beim Kampf gegen die Erderwärmung. Wird dagegen beispielsweise Dauergrünland umgebrochen, werden große Mengen Treibhausgase freigesetzt. Gesunde Böden nutzen nicht zuletzt auch der Landwirtschaft selbst. Sie sind Basis für eine langfristige Produktivität, ohne Unmengen von Düngern einsetzen zu müssen.

Durch eine fortschreitende Versiegelung der Böden aufgrund der enormen Beanspruchung durch die industrielle Landwirtschaft und einer starken flächenintensiven Bebauung nimmt die Verfügbarkeit und Fruchtbarkeit unserer Böden leider immer weiter ab. Die zunehmende Knappheit gesunder und ökologisch leistungsfähiger Böden wirft nicht nur weitreichende ökologische, sondern auch soziale und politische Probleme auf, die es zu bewältigen gilt.

Unsere Vorschläge lauten daher:

  • Agrarstrukturelle Belange inklusive einer breiten Eigentumsstreuung müssen wieder zunehmend an Gewicht gewinnen und in den Grundstücksverkehrsgesetzen der Länder stärker verankert werden.
  • Die Privatisierung der verbliebenen ehemals volkseigenen Flächen in Ostdeutschland muss gestoppt werden. Die Flächen sollen kostenfrei in das Eigentum der Länder übergehen, öffentliches Eigentum bleiben und langfristig verpachtet werden.
  • Landwirtschaftliche Flächen gehören in die Hand von landwirtschaftlichen Erwerbern. Nicht landwirtschaftlichen Erwerb wollen wir verhindern.
  • In wirtschaftlichen Notlagen sollten betriebliche Landverkäufe und Rückpachten über die Landgesellschaften ermöglicht werden.
  • Stiftungen oder genossenschaftliches Eigentum sollte stärker staatlich gefördert werden, um den Zugang zum Produktionsmittel Boden für Menschen ohne entsprechend großer Kapitalausstattung zu erleichtern, die in der Landwirtschaft Arbeit und Einkommen finden wollen,.
  • Genossenschaftliche Eigentumssicherung muss besondere Berücksichtigung finden. Genossenschaften ermöglichen gegenüber landwirtschaftlichen Einzelbetrieben bessere Anpassungsmöglichkeiten im Wettlauf um den landwirtschaftlichen Kapitaleinsatz. Sie mindern das Risiko für den Einzelnen, erleichtern die Arbeitsorganisation und bilden ein Gegenmodell zu rein von Kapitalanteilen bestimmten Agrargesellschaften, wie GmbHs, AGs oder andere Kapitalgesellschaften.
  • Unter Berücksichtigung angemessener Freigrenzen muss auch landwirtschaftliches Vermögen an Grund und Boden besteuert werden. Gerade bei nicht landwirtschaftlichen Bodeneigentümern kann über die Vermögensteuer der Konzentration an Bodeneigentum entgegengewirkt werden. Eine Progression der Steuersätze in Abhängigkeit von der Ausdehnung des Flächenbesitzes würde die Wirkung verstärken.
  • Um den Schutz des Bodens zu gewährleisten muss der tägliche Flächenverbrauch deutlich verringert werden. Bei sinkender Bevölkerungszahl sollte der Flächenverbrauch perspektivisch gegen null gehen (Flächenkreislaufwirtschaft). Dies wollen wir durch die Förderung der Innenentwicklung von Ortschaften erreichen. Außerdem sollten bundesweite Regelungen für Ausgleichsmaßnahmen so überarbeitet werden, dass Eingriffe in Natur und Landschaft nicht mehr wie bisher vor allem auf vormals landwirtschaftlichen Böden ausgeglichen werden. Die Entsiegelung nicht mehr benötigter Flächen ist hier der bessere Weg.
  • Der bedeutenden Rolle von Böden als Kohlenstoffspeicher, im Wasserkreislauf und bei der Ernährungssicherung wollen wir gerecht werden und Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Bodenqualität veranlassen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es beispielsweise wichtig, die jetzige landwirtschaftliche Praxis umweltgerecht zu gestalten. Der Verzicht des flächendeckenden Pestizideinsatzes und anderer bodenbelastender Stoffe ist dabei essenziell.
  • Bodenschutz ist eine Frage der Generationengerechtigkeit und muss auf lokaler Ebene vollzogen werden. Seine Bedeutung reicht jedoch über die Landesgrenzen hinaus. Wir bemühen uns daher darum Bodenschutz in einem europäischen Rechtsrahmen in einer längst überfälligen EU-Bodenschutzrichtlinie zu verankern.

Weiterführende Informationen zum Thema wie Parlamentarische Initiativen, Reden, Publikationen oder Pressemitteilungen finden Sie über unsere Suche.

Mehr dazu