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Zukunft wagen. Gesellschaft neu denken!

Von Katja Kipping, erschienen in Lotta, Ausgabe 9,

Die Fraktion, die Partei DIE LINKE und die Rosa-Luxemburg-Stiftung laden zur „Linken Woche der Zukunft“ ein. Im Gespräch dazu Katja Kipping.

Um welche Zukunft geht es auf dem Kongress?

Katja Kipping: Ausgehend von einer Analyse des Bestehenden wollen wir der Frage nachgehen, wie eine andere Gesellschaft aussehen kann. Eine Gesellschaft frei von Existenzängsten, in der jeder einzelne Mensch über sein Leben und seine Lebenszeit verfügen kann und in der ganz anders produziert wird. Kritik an dem Bestehenden und visionärer Blick nach vorn, um diese beiden Perspektiven geht es. Gerade linke Politik braucht den utopischen Überschuss.


Was ist mit diesem Überschuss gemeint?

Gegenwärtig hat man den Eindruck, die Zukunft sei verstellt. Im besten Fall läuft alles so weiter, im schlimmsten Fall wird es noch viel schlechter. Für uns als Linke ist es wichtig, dass die Zukunft noch nicht bestimmt ist. Bei diesem Kongress wollen wir motivieren und anregen, wieder zu denken und zu fühlen, dass eine andere Zukunft möglich ist, eine Zukunft jenseits der herrschenden Produktions- und Reproduktionsverhältnisse. Wie muss man sich das konkret vorstellen? Zum Beispiel diskutieren wir über alternative Formen von Eigentum, wie Commons, solidarische Ökonomie und öffentliches Eigentum. Auf dem Kongress wird es Menschen geben, die sich dieser Frage theoretisch nähern, aber es werden auch viele Gäste aus ihrer Praxis berichten und ihre jeweiligen Projekte vorstellen. Es finden Diskussionen statt, bei denen über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Modelle, etwa solidarische Ökonomie und Gemeingüterpraxis, debattiert wird. Auch die Bundestagsfraktion DIE LINKE beteiligt sich.


Mit welchen Inhalten?
Unter anderem mit der Zukunft der Arbeit. Wie muss gute Arbeit zukünftig organisiert sein, damit die Menschen ihre Arbeit als befriedigend empfinden und nicht länger unter zunehmendem Stress und niedrigen Löhnen leiden müssen? Der zweite Schwerpunkt befasst sich mit dem sozialökologischen Umbau. Die Fraktion hat mit dem „Plan B“ in den letzten Jahren ein eigenständiges Konzept entwickelt, das Folgendes deutlich macht: Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen die Konzerne entmachtet und Energiegewinnung und –verbrauch dezentralisiert werden. Den dritten Schwerpunkt stellen Strategien gegen den stärker werdenden Rechtspopulismus dar. Das hört sich ziemlich verkopft an. Keine Sorge, der Kongress ist keine akademische Veranstaltung. Um teilzunehmen, braucht man keine Vorkenntnis. Man muss nur Interesse, Neugier und offene Ohren mitbringen. Es wird auch kurze, leicht verständliche Einführungen in komplexe Themen wie die Finanzkrise oder Prekarisierung geben. Es wird Podiumsveranstaltungen geben, die einen Überblick zu einem Thema bieten. Aber auch kleine Formate wie Workshops und Foren, in denen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Wort kommen.

Welche Hoffnung verbinden Sie persönlich mit diesem Kongress?
Ich hoffe, dass wir ausbrechen können aus dem strengen Korsett von Parteitagen, Fraktionssitzungen und Arbeitsbesprechungen und den Blick weiten. Und ich hoffe auf kontroverse Diskussionen, bei denen immer klar bleibt, was uns verbindet.

Welche Höhepunkte bietet der Kongress?
Zahlreiche kritische Köpfe aus Kultur, Wissenschaft, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen haben bereits zugesagt, darunter Gäste aus dem Ausland wie die belgische Wissenschaftlerin Chantal Mouffe, die britische Feministin Hilary Wainwright, der US-amerikanische Nachbarschaftsaktivist Steve Williams und der Bestsellerautor Michael Hardt. Abends werden diverse Bands und DJs auftreten und zum Tanzen einladen. Es wird Lesungen geben, außerdem Ausstellungen und Installationen. Auch laden wir zu alternativen Stadtrundgängen ein, weil wir über das Thema „Recht auf Stadt“ nicht nur diskutieren wollen.

Was passiert mit den Ergebnissen des Kongresses?
Wir gönnen uns bei diesem Kongress den Luxus von Austausch, Debatte und gemeinsamem Nachdenken. Es wird keine Abstimmungen mit knappen Mehrheitsentscheidungen geben. Wir wollen miteinander und voneinander lernen. Ich nehme auf jeden Fall mein Notizbuch mit, um gute Anregungen zu notieren und später aufzugreifen.

Das Gespräch führte Ruben Lehnert

Linke Woche der Zukunft
Veranstalter: DIE LINKE, Partei und Fraktion, Rosa-Luxemburg-Stiftung
Wann: Vom 23. – 26. April 2015
Wo: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz,10243 Berlin
Auftakt: „Womit zieht die neue Zeit: Alternativen zur kapitalistischen Produktionsweise wie Commons, Share-Economy und 4in1“ Diskussion mit Anke Domscheid-Berg, Frigga Haugg, Michael Hardt
23. April, 19 Uhr,
Volksbühne Berlin
Rosa Luxemburg-Platz

Programm: Podiumsdiskussionen, Seminare, Foren, Workshops zu
° Zukunft der gesellschaftlichen Arbeit
° Gleichheit als Chance
° Zukunft der Daseinsvorsorge
° Produktion der Zukunft
° Aneignung der Demokratie
° außerdem Videoinstallationen, Musik und Tanz, Lesungen, Ausstellungen

Prominente Gäste: Bini Adamczak, Elmar Altvater, Volker Braun, Daniela Dahn, Dietmar Dath, Gregor
Gysi, Andrej Holm, Volker Lösch, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht, Hilary Wainwright, Raúl Zelik und andere
Wichtig: kostenlose Teilnahme. Bei Bedarf Kinderbetreuung.
Informationen und Anmeldung unter:
linkewochezukunft.die-linke.de
 

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