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Zufluchtsuchende in Hamburg immer jünger

erschienen in Querblick, Ausgabe 9,

Die Plätze, die es in Hamburgs Frauenhäusern gibt, reichen mal eben so, oft müssen Frauen in umliegende Häuser in angrenzenden Bundesländern verlagert werden: Aktuell verfügen die fünf Hamburger Frauenhäuser zusammen über 193 Plätze. Es fehlen 42 Schutzplätze, legt man den Schlüssel des Europarats zugrunde, der von einem Frauenhausplatz pro 7500 EinwohnerInnen ausgeht. Die Ausstattung liegt bei 98 Prozent.

Die Ausstattung der Frauenhäuser ist bescheiden. Dass es keine Einzelzimmer gibt, belastet die Betroffenen – einerseits. Andererseits erleben sie, manchmal das erste Mal in ihrem Leben, dass sie nicht die Einzigen sind, denen das passiert, was ihnen passiert ist. Und weil es keine Anonymität gibt, passen die Frauen aufeinander auf. Am Wochenende, wenn keine Sozialpädagoginnen vor Ort sind, betreuen die Frauen sich selbst, nehmen sogar Anrufe von Hilfesuchenden entgegen. Nach einem kurzen Check wird ein Treffpunkt abgemacht, die Frauen werden dann von dort aus zum Frauenhaus gebracht.

Es kommen immer jüngere Frauen, auch junge Frauen mit Migrationshintergrund. Das Problem bei den unter 25-Jährigen: Sie erhalten von der Behörde keinen Vorschuss, nicht einmal auf Unterhalt. Dabei könnte die Arge sich das von den Jugendämtern wiederholen. Dies erschwert den Weg in die Unabhängigkeit. Es gibt zudem zu wenig preisgünstigen Wohnraum für Singles. Und einen Mietvertrag abzuschließen, wenn die Frau noch in einem anderen drinhängt, erweist sich oft als unlösbares Problem. So wird den Frauen die Schwelle zu hoch gelegt, sich von ihren Peinigern zu lösen.

Um einen Überblick über die tatsächlichen Ausmaße häuslicher Gewalt zu bekommen, hat die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft eine große Anfrage an den Senat gestellt und verschiedenste Ebenen angefragt. Vor allem will die Fraktion wissen, ob der Senat ausreichend über die Ursachen und die Ausmaße häuslicher Gewalt Bescheid weiß. Rechtzeitig zum Tag der Gewalt am 25. November rechnen die Abgeordneten mit einer Antwort.
Kersten Artus, Fachsprecherin für Frauen-, Gewerkschafts-, Medien- und Gesundheitspolitik der Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft

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