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Zu hohe Einbürgerungshürden

erschienen in Clara, Ausgabe 41,

Welche Erfahrungen mit Rassismus mussten Sie im Alltag machen?

Ali Al-Dailami: In den 1990er Jahren sind meine Familie und ich als politische Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Als Junge durfte ich oft erst nach den Deutschen in den Schulbus, mir wurden Hakenkreuze in meine Schulhefte gemalt, man hat mich verprügelt. Doch heute ist es schlimmer.

 

Inwiefern?

Mit dem Erfolg der AfD sind Dämme gebrochen. Die gesellschaftliche Stimmung ist vergiftet. Viele Menschen sagen und tun heute offen Dinge, die sie früher nicht öffentlich gesagt oder getan hätten. Heutzutage kleidet sich der Rassismus oft ins Gewand der Islamkritik. Früher war es die Rasse, heute ist es die Religion.

 

Wie wehren Sie sich dagegen?

Ich prüfe, ob sich eine Auseinandersetzung lohnt. Bei manchen Menschen speist sich der Rassismus aus Unwissenheit oder Abstiegsängsten. Mit ihnen suche ich das Gespräch. Wenn man eine Diskussion zivilisiert führen kann, sollte man es tun.

 

Wie sollte das Zusammenleben in Deutschland verbessert werden?

Aufklärung ist wichtig. Es gilt Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Genauso wichtig ist es, die soziale Ungleichheit zu beseitigen. Rassismus gedeiht besonders gut, wo Ungleichheit groß ist.

 

Was ist mit dem Staatsangehörigkeitsrecht?

Die Einbürgerungshürden sind viel zu hoch. 7,5 Millionen Menschen in Deutschland haben keinen deutschen Pass, obwohl sie im Durchschnitt seit 15 Jahren hier leben. Sie haben keine Mitspracherechte. Das muss gesetzlich geändert werden.